„In meiner Freizeit laufe ich überhaupt nicht gern“: Reis im Interview über seinen Werder-Start, Training mit Messi und HSV-Profi Vuskovic
Stand: 18.09.2026, 14:27 Uhr
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Neuzugang Ludovit Reis spricht im DeichStube-Interview über seinen Start bei Werder Bremen, Trainingseinheiten mit Lionel Messi und HSV-Profi Mario Vuskovic!
Bremen – Bestens gelaunt erscheint Ludovit Reis zum Interview-Termin mit der DeichStube, scherzt mit dem Reporter und dem Fotografen. Die ersten Wochen beim SV Werder Bremen haben dem 26-jährigen Mittelfeldspieler, der im Sommer ablösefrei aus Brügge kam, haben ihm richtig gut gefallen, wie auch seine späteren Aussagen zeigen. Der Niederländer spricht vor dem Werder-Heimspiel gegen den FC Augsburg (Samstag, 15.30 Uhr/DeichStube-Liveticker) über seine Zeit beim großen FC Barcelona und der Begegnung mit Weltstar Lionel Messi, seine Wahl der Nationalmannschaft und eine besondere Beziehung zu HSV-Profi Mario Vuskovic.

Werder Bremens Ludovit Reis im Interview: „Ich muss zugeben, dass es Momente gibt, in denen ich auf Slowakisch ausraste“
Sie sprechen Slowakisch genauso gut wie Niederländisch – weil Ihre Eltern Ende der 1990er Jahre aus der Slowakei ausgewandert sind. Welche Sprache benutzen Sie, wenn Sie wütend sind?
Ich muss zugeben, dass es Momente gibt, in denen ich auf Slowakisch ausraste. (lacht) Aber auch auf Niederländisch. Mittlerweile fluche ich manchmal sogar auch auf Deutsch.
Haben Sie hier in Bremen bislang mehr geflucht oder sich gefreut?
Eindeutig mehr gefreut. Werder ist ein schöner Verein. Unser Start in Freiburg war nicht gut, aber beim Spiel gegen Leipzig hatte man direkt das Gefühl, dass wir eine gute Mannschaft haben. Wir können mit so einer Leistung jeden Gegner schlagen. Aber das ist erst der Anfang.
Es wirkt tatsächlich so, als hätten Sie keine allzu große Eingewöhnungszeit gebraucht. Täuscht der Eindruck?
Ich bin ohnehin ein Typ, der sehr offen ist. Aber auch die Mannschaft hat es mir sehr leicht gemacht. Die Jungs hier nehmen einen schnell in den Arm, sprechen viel mit dir. Ich bin richtig gut empfangen worden.
Werder Bremens Ludovit Reis im Interview über sein Vorbild: „Andres Iniesta – und er ist es heute noch“
Wie sehr hilft es, dass Sie in Youri Regeer einen weiteren Niederländer neben sich haben?
Wir kennen uns schon von früher, auch wenn ich etwas älter bin. Aber wir haben einige Male gegeneinander gespielt. Und wenn dann jemand da ist, der deine Sprache spricht, dann ist das natürlich toll.
Er stammt wie Sie aus Haarlem. Sind Sie sich schon vorher auf den Bolzplätzen der Stadt über den Weg gelaufen?
Das nicht. In dem Alter hat man viel mit seiner Schule zu tun, bleibt dann danach mit den Freunden zusammen. Wir haben uns erst später kennengelernt.
Waren Sie früher oft auf der Straße oder in den sogenannten Käfigen unterwegs?
Ich war immer draußen am Ball. Ganz egal, ob es geregnet hat oder nicht. Damals habe ich meistens mit den älteren Jungs gespielt, und die haben mich in den Zweikämpfen immer ordentlich mit den Armen runtergedrückt und danach gesagt, dass ich aufstehen soll. Sowas nimmst du für dein weiteres Leben mit.
Wer war damals Ihr Vorbild?
Andres Iniesta. Und er ist es heute noch.
Werder Bremens Neuzugang Ludovit Reis im Interview über seine Station beim FC Barcelona: „Es war insgesamt eine wunderschöne Zeit“
Insofern war es ein absolutes Geschenk, dass Sie nach Ihrer Zeit beim FC Groningen plötzlich beim FC Barcelona gelandet sind, oder?
Als dieses Angebot kam, habe ich eine Woche lang überhaupt nicht realisiert, was da gerade passiert ist. Erst nach und nach habe ich verstanden, dass Barcelona mich wirklich haben will. Da habe ich dann auch nicht lange gebraucht, um mich zu entscheiden.
Die Katalanen haben Sie 2019 für eine Ablöse von 3,2 Millionen Euro verpflichtet und Ihnen eine Ausstiegsklausel von 100 Millionen Euro in den Vertrag geschrieben. Was macht das mit einem 19-Jährigen, wenn plötzlich jemand sagt: Sie sind 100 Millionen wert?
Ehrlicherweise war das nie ein großes Thema. Natürlich bekommt man mit, was in den Medien berichtet wird, aber ich habe mir darüber keine Gedanken gemacht.
Auch nicht darüber, dass Sie der neue Xavi werden sollten?
Nein. Man hat mir natürlich gesagt, dass man mich langfristig einplant, aber ich war jung und im Fußball kann eben alles passieren. Es war insgesamt eine wunderschöne Zeit.
Die schönste Zeit Ihres Lebens?
Natürlich war sie schön. Aber ich bin jemand, der auch weiterguckt – und da gibt es auch noch schönere Zeiten im Leben.
Wie waren dennoch die Trainingseinheiten mit Stars wie Lionel Messi oder Sergio Busquets?
Unglaublich. In der ersten Woche kam Messi in die Kabine und hat mir einfach die Hand gegeben. Das hat mich unheimlich gefreut, aber auch erstaunt. Ich saß immer direkt zwischen Busquets und Frenkie de Jong, wir haben viel miteinander gesprochen, im Training alles zusammengemacht. Und nach spätestens einer Woche denkt man dann: Das sind auch alles ganz normale Menschen.

Werder Bremens Ludovit Reis über seinen Leih-Wechsel zum VfL Osnabrück: „Das war eine der besten Entscheidungen meines Lebens“
Aus Barcelona ging es per Leihe direkt zum VfL Osnabrück – mehr Gegensatz geht doch eigentlich kaum, oder?
Das stimmt. Aber viele Leute glauben mir auch heute noch nicht, dass dies eine der besten Entscheidungen meines Lebens war.
Warum?
Ich kannte Osnabrück und den Verein vorher überhaupt nicht. Ich war nur ein Jahr da, aber die Menschen, die ich alle vorher noch nie gesehen habe, haben mir ein unglaublich familiäres Gefühl gegeben. Das werde ich ihnen nie vergessen.
Sie haben sogar ein U21-Länderspiel abgesagt, um mit dem VfL die Relegation spielen zu können…
Ja, weil ich mir gedacht habe, dass mir alle dort so viel gegeben haben – und da wollte ich allen auch etwas zurückgeben. Bis heute glaube ich, dass es die völlig richtige Entscheidung war.
Was unterscheidet Werder von den vorherigen Stationen?
Ich liebe Vereine, in denen es familiär zugeht, in denen alle gut zusammenarbeiten und für eine gute Atmosphäre und Energie sorgen. Genau dieses Gefühl habe ich hier. Ich will nicht sagen, dass es bei meinen anderen Vereinen nicht so war, aber ich muss schon sagen, dass ich hier ein sehr glücklicher Fußballer bin.
Welche fußballerischen Träume verfolgen Sie, was wollen Sie noch erreichen?
Alles. (grinst) Als Fußballer willst du so viel gewinnen wie möglich. Aber man muss auch realistisch bleiben. Ich bin jetzt 26 Jahre alt und weiß, wie der Fußball funktioniert. Es kann schnell hoch, aber auch schnell wieder runtergehen. Ich gehe daher einfach meinen Weg, gebe 100 Prozent, um zu gewinnen und schaue dann mal, was noch kommt.
Aber wo Sie schon einmal beim FC Barcelona hineingeschnuppert haben: Ist ein Topclub nochmal das große Ziel?
Ich würde lügen, wenn es nicht so wäre. Aber ich muss die Leistung auch bringen und auf dem Platz zeigen. Nur dann ist es überhaupt möglich.
Werder Bremens Ludovit Reis über seine Schulter: „Da stecken jetzt noch zwei Schrauben drin, da kann eigentlich nichts mehr kaputtgehen“
Früher haben Sie mal gesagt, dass Sie international lieber für „Oranje“ spielen würden. Gilt das noch immer, wenn der slowakische Verband jetzt anklopft?
Ich bin für beide Seiten offen. Ich werde mich nicht vor der Slowakei verschließen und auch nicht vor dem niederländischen Nationalteam. Aber auch darüber mache ich mir keine Gedanken. Wenn ich hier Woche für Woche mit Werder gut spiele und Partien gewinne, dann kommt, was kommt.
Hat sich denn zuletzt jemand bei Ihnen gemeldet?
Während meiner Zeit in Hamburg war das ein großes Thema wegen der niederländischen U21. Da war auch die Slowakei an mir dran, aber damals habe ich gesagt, dass ich für Holland spielen möchte. Dann kam später leider die Schulterverletzung in Brügge.
Wie schwierig war das Jahr in Belgien?
Gleich in deinem ersten Spiel machst du ein Tor – und nur fünf Minuten später kugelst du dir die Schulter aus. Das waren direkt zwei Gefühlswelten. Dann entscheidest du dich gegen eine Operation und willst die Schulter so stärker machen, doch nur eine Woche später kugelst du sie dir wieder aus. Dann kam die OP, und ich war sieben Monate raus. Das ist nicht schön.
Müssen Sie sich jetzt noch Sorgen um Ihre Schulter machen?
Jetzt nicht mehr. Wenn ich mir darum noch Sorgen machen müsste, wäre das wirklich krass, denn da stecken jetzt zwei Schrauben drin. Da kann eigentlich nichts mehr kaputtgehen. Anfangs habe ich mir noch Gedanken gemacht, was passieren könnte, wenn ich auf dem Platz bei Zweikämpfen falle, aber das ist vorbei.
Werder Bremens Ludovit Reis im Interview über sein hohes Laufpensum: „Ich bin fit, das sind schöne Schmerzen“
Trainer Daniel Thioune sagt, Sie seien „unfassbar viel unterwegs“ auf dem Platz. Woher kommt die Liebe fürs Laufen?
(lacht) In meiner Freizeit laufe ich überhaupt nicht gern.
Sie sind also eigentlich ein ganz fauler Mensch?
Nein, das nicht. Auf dem Platz war ich aber schon immer laufstark. Damit kann ich meiner Mannschaft helfen, wie auch mit meiner Qualität im Spiel mit und gegen den Ball. Ich gehe einfach in ein Spiel und lege dann los. Erst hinterher stelle ich dann meist fest, wie viel ich überhaupt gelaufen bin.
Und die Regeneration? Dauert die länger?
Eigentlich nicht. Jetzt, wo ich vorher fast sieben Monate nicht gespielt habe, merke ich die höhere Belastung nach drei, vier Partien für Werder schon. Aber ich bin fit, das sind schöne Schmerzen.
Sie sollen auch ein ganz guter Padel-Spieler sein. Zermürben Sie Ihre Gegner dort auch mit Ihrer läuferischen Klasse?
Ich würde sagen: Lassen Sie uns spielen, dann werden Sie es sehen. (lacht) Ich spiele in meiner Freizeit wirklich gern, aber durch die Schulterverletzung wurde es zwischenzeitlich etwas weniger. Aber jetzt geht es wieder – und das Gefühl bleibt immer da.
Werder Bremens Ludovit Reis über Nordderby gegen den HSV: „Man will immer gewinnen, das wird an dem Tag bei mir genauso sein“
Wir haben bis hierhin tatsächlich kein einziges Mal über den HSV geredet. Überrascht?
(lächelt) Das nicht. Aber ich kann die Leute auch verstehen, dass sie darüber reden. Das kannst du bei solch einer Geschichte nicht vermeiden. Aber ich habe kein Problem damit.
Wie groß ist dennoch die Sorge, dass beim Nordderby im November der öffentliche Fokus ganz besonders auf Ihnen liegt?
Als Fußballer sagt man immer, dass man das nächste Spiel gewinnen will – und das wird an dem Tag bei mir genauso sein. Es wird jedenfalls nicht passieren, dass ich plötzlich sage: Hey, wir spielen gegen den HSV, da will ich jetzt verlieren. Den Rest kann ich nicht beeinflussen.
Vielleicht stehen Sie auch gar nicht so sehr im Fokus, denn es könnte das erste Spiel sein, in dem Mario Vuskovic nach seiner vierjährigen Dopingsperre erstmals wieder für den HSV aufläuft. Sie haben unter der Woche ein Gruß-Video zu dessen Trainings-Comeback vor 7500 Zuschauern im Volksparkstadion geschickt. Welche Berührungspunkte haben Sie mit ihm?
Wir verstehen uns sehr gut. Das war seit Tag eins so, weil wir fast gleichzeitig zum HSV gekommen sind. Wir haben viel Kontakt, telefonieren auch jetzt noch viel. Ich habe sehr viel Liebe für ihn und freue mich drauf, wenn er endlich wieder spielen kann. Ob das dann gegen uns oder eine Woche später sein wird, ist nicht so wichtig. Hauptsache er spielt wieder.
Haben Sie selbst mal überlegt, was wäre, wenn Sie vier Jahre lang kein Fußball hätten spielen dürfen?
Das habe ich tatsächlich. Und tue es noch immer, wenn ich mit ihm rede. Es ist krass, wie er die Situation angenommen und respektiert hat. Vom Charakter und von der Mentalität her habe ich noch nie einen Spieler erlebt, der so stark ist. Mario lacht noch, trainiert jeden Tag und macht alles, was er kann, um nach diesen vier Jahren wieder voll da zu sein. Natürlich braucht das noch etwas Zeit, aber er genießt mein volles Vertrauen, dass er wieder zurückkommt. Viele Menschen werden positiv überrascht sein, wenn sie ihn wieder spielen sehen. (mbü)