Stand: 19.07.2026, 06:00 Uhr
Kommentare

Der 74-Jährige stieg vor fast 50 Jahren im Betrieb seines Stiefvaters ein. In Grünwald sammelte er bei Senta Berger und Franz Beckenbauer den Müll ein.
Geretsried – Durchs Treppenhaus zieht Müllgeruch – ein Hauch nur, der schnell wieder verflogen ist. In Oskar Jankas Büro unterm Dach wird er von Kaffeeduft abgelöst. Zwei dampfende Tassen stehen auf dem Tisch. „Um zehn Uhr bekomme ich immer meinen Kaffee“, erklärt er, „das ist automatisiert.“

Alle Nachrichten aus Geretsried lesen Sie hier.
Oskar „Ossi“ Janka fing als Mülllader an – heute führen seine Söhne die Firma
Janka war fast 50 Jahre lang Chef des Abfallentsorgers Ehgartner. Vor zwei Jahren schied er aus der Geschäftsführung aus. Ein eigenes Büro hat der 74-Jährige trotzdem noch. „Ich darf noch einen Tag in der Woche mitarbeiten“, sagt er und lacht sein ansteckendes Lachen, das er im Gespräch immer wieder hören lässt. Er macht den Eindruck eines Menschen, der das Leben von der heiteren Seite nimmt.
Unternehmer und Sportförderer
Oskar Janka (74) war von 1976 bis 2024 Geschäftsführer des bayernweit tätigen Entsorgungsunternehmens Ehgartner. Sein Stiefvater Jakob Ehgartner hatte den Betrieb 1960 in Geretsried gegründet; nach dessen Tod 1988 übernahm Janka die alleinige Geschäftsleitung der GmbH. Unter seiner Ägide wuchs das Unternehmen auf rund 160 Mitarbeiter, 70 Müllfahrzeuge und 3000 Container mit einem zweiten Standort in Forstinning. Heute leiten seine Söhne Andreas und Markus die Geschäfte.
Janka ist in Waldram geboren und lebt seit 1954 in Geretsried. Von 1983 bis 1994 war er Eissport-Abteilungsleiter beim TuS Geretsried, später übernahm er den Vorsitz des Eishockey-Fördervereins. Er ist seit 50 Jahren verheiratet, hat zwei Söhne und drei Enkelkinder zwischen zwölf und 19 Jahren, die alle ebenfalls im Eissport aktiv sind oder waren.
Das er das heute kann, wurde ihm nicht in die Wiege gelegt. Seine Mutter war 15, als sie mit ihm schwanger wurde. „Ein Drama zur damaligen Zeit“, weiß er. „Einen Vater gab es nicht, mein Opa war mein Vormund.“ Als er drei Jahre alt war, trat der Mensch in sein Leben, der sein weiteres Schicksal entscheidend mitbestimmen sollte. Er erinnere sich noch genau an den Moment, sagt er: „Ein fremder Mann kam mit dem Motorrad angebraust und ist mit der Mutter weggefahren.“ Wenige Monate später wurde der Mann – im Gespräch nennt er ihn nur „der Herr Ehgartner“ – sein Stiefvater.
„Ich habe Glück gehabt“, sagt Janka. Glück, dass seine Mutter trotz Kind noch einen Mann gefunden hatte. Glück, dass dieser Mann schon bald erfolgreicher Firmengründer wurde, und Glück, dass von dessen drei leiblichen Söhnen keiner viel Interesse für das väterliche Müllabfuhrunternehmen zeigte. Glück auch, dass seine Mutter darauf bestand, dass er die Wirtschaftsschule in München besuchte und bei der Firma Tyczka eine Lehre als Industriekaufmann machte. Eines allerdings fehlte ihm als Kind in der neuen Familie: menschliche Wärme. „Herr Ehgartner hat mich nie benachteiligt. Aber es gab immer eine gewisse Distanz.“ Auch von der Mutter vermisste er Nähe. „Das prägt halt“, sagt er und verzieht das Gesicht. Er trinkt einen Schluck Kaffee und überlegt: „Vielleicht habe ich deshalb so viel Ehrgeiz entwickelt?“
Von Beckenbauer gab‘s Freikarten für Bayern-Spiele
Nach der Ausbildung fing er im Betrieb des Stiefvaters an. Zunächst ganz unten: als Mülllader – „kein Problem für mich“, meint er achselzuckend. Nach einem Jahr stieg er zum Müllfahrer auf. Die Promi-Hochburg Grünwald war sein Einsatzgebiet. Schmunzelnd erinnert er sich an Senta Berger, die ihn immer anrief, wenn der Gärtner mal wieder die Äste liegengelassen hatte. Von Franz Beckenbauer wurde er regelmäßig mit Freikarten für die Bayern-Spiele versorgt. „Die habe ich meistens weitergegeben. Ich bin leider Gottes 1860-Fan“, sagt er und lacht dröhnend. Nach zwei Jahren stieg er in die Geschäftsleitung ein; nach dem Tod des Stiefvaters übernahm er sie komplett. Zu den meisten seiner sieben Halbgeschwister halte sich der Kontakt heute in Grenzen.
Er blickt gerne zurück, ohne offensichtliche Bitterkeit. Beim Rundgang durch die Firma zeigt er auf das Foto seines Stiefvaters und seiner Mutter. Beide Bilder hängen im Büro seines Sohnes Markus. Im Gang: ein gerahmter handgeschriebener Zettel – „die erste Firmenrechnung von 1960“, erklärt er stolz. Und überall Urkunden und Mannschaftsfotos vom Eishockey: Erinnerungen an sein Engagement als Funktionär und die sportliche Karriere seiner Söhne. Auch dafür legte „der Herr Ehgartner“ den Grundstein: Er war stellvertretender Abteilungsleiter der Eissportsparte beim TuS Geretsried. Als später ein neuer Vorsitzender gesucht wurde, schlug er seinen Stiefsohn vor. „Da musste ich das zwangsläufig machen.“ Sagt Oskar Janka und lacht.
Das Zepter an die Söhne abzugeben, fiel ihm anfangs schwer
Voller Begeisterung erzählt er von den Jahren, die folgten: die Suche nach neuen Spielern, Verträge per Handschlag, der Aufstieg der Mannschaft – dazu die ungezählten Wochenenden in Eisstadien in ganz Deutschland, als seine Söhne immer erfolgreicher spielten. In den Ferien ging’s regelmäßig mit dem Wohnmobil nach Griechenland. Auch daran erinnert ein buntes Bild im Büro seines Sohnes, die Zeichnung eines Freundes.
+++ Uns gibt's auch auf Instagram! Unter „MerkurWolfratshausenGeretsried“ finden Sie immer die spannendsten Geschichten aus unserer Region +++
Der Stolz auf das, was er aufgebaut hat und seine Söhne weiterführen, klingt in jedem Satz durch. Anfangs sei es ihm schwergefallen, das Zepter abzugeben, gibt er zu. Heute freut er sich, wenn er um Rat gefragt wird. Aber auch, wenn er Zeit zum Reisen hat, zum Wandern, Radfahren und für seine Stammtische. Demnächst feiert er seinen 75. Geburtstag und den 50. Hochzeitstag mit seiner Frau. An beiden Tagen werden sie vermutlich „in irgendeinem Wellnesstempel umeinanderhupfen“, sagt er grinsend; die Söhne hätten das organisiert. Eigentlich träumt er von einer Fernreise: „Vietnam zum Beispiel würde mich mal interessieren.“ Ob er seinen Kaffee dort auch pünktlich um zehn Uhr bekommt? „Das ist mir dann wurscht“, sagt er. Sein tiefes, mitreißendes Lachen füllt den Raum.