Paar soll über 1,1 Millionen Euro für illegale Vermietung an Prostituierte kassiert haben

Stand: 17.10.2026, 06:00 Uhr

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Leipzigerstraße 29, 31,Rotlicht, Gericht,Foto: Schachtschneider

Wohnungen in dieser Immobilie an der Leipziger Straße soll das Paar an Prostituierte für sehr hohe Mieten vermietet haben. © Schachtschneider, Dieter/Dieter Schachtschneider

Vor dem Kasseler Landgericht müssen sich ein 57-Jähriger und eine 45-Jährige wegen gewerbsmäßigen Einschleusens verantworten. Von einzelnen Prostituierten sollen sie bis zu 100.000 Euro eingenommen haben.

Kassel – Sie umarmten sich, sie küssten sich, sie strahlten über das ganze Gesicht. Dem 57-jährigen Mann und der 45-jährigen Frau war die Freude über ihr Wiedersehen anzusehen. Auch wenn dies am Freitagvormittag auf der Anklagebank der 12. Strafkammer des Kasseler Landgerichts geschah. Dort muss sich das Paar, das bis zu seiner Inhaftierung gemeinsam in einer Gemeinde im Landkreis Kassel gelebt hat, wegen des gewerbsmäßigen Einschleusens von Ausländern in 45 Fällen verantworten. Die Frau sitzt derzeit in Frankfurt in U-Haft, der Mann in Fulda. Die Liebkosungen des angeklagten Paares vor Beginn der Verhandlung kamen bei den Freunden und Verwandten im Saal gut an. „Ist doch schön, dass sie zusammen sitzen können“, schmachtete eine Frau im Publikum.

Mindestens 50 Euro pro Tag

Zwischen Anfang 2018 und Ende April 2026 soll das Paar über 1,1 Millionen Euro damit verdient haben, Wohnungen in der Leipziger Straße 29 und 31 in Bettenhausen an Prostituierte (sowohl Männer als auch Frauen) aus Thailand und Brasilien vermietet zu haben. Beide Angeklagten sollen gewusst haben, dass die Mieter keine entsprechende behördliche Genehmigung zur Prostitution hatten und damit ihre eventuell bestehenden Aufenthaltsrechte in der Bundesrepublik Deutschland verloren haben. Diesen Umstand sollen die beiden ausgenutzt haben, um eine erhöhte Miete von mindestens 50 Euro pro Tag von den Prostituierten zu kassieren.

Das Geschäftsmodell der beiden habe darauf basiert, für eine heruntergekommene Immobilie weit mehr als die übliche Miete von den ausländischen Personen ohne Bleiberecht zu verlangen und sie damit auch unter Druck zu setzen. Dabei hätten sie sich auch nicht an das Mietrecht gehalten, fasst Andreas Thöne, Sprecher der Staatsanwaltschaft, zusammen.

Bevor Staatsanwältin Trixi Sturm die umfassende Anklage mit allen 45 Fällen rund eine halbe Stunde im Gerichtssaal verlas, forderte die Vorsitzende Richterin Brüggemann das Paar auf, einen Platz Abstand zwischen sich zu halten. Während der Verlesung der Anklage musste sie das Paar auch darauf aufmerksam machen, dass es sich dabei nicht unterhalten darf.

Teilweise nahm das Paar von einzelnen Prostituierten im Laufe der Jahre laut Sturm Summen von über 60.000 Euro, 91.300 Euro oder gar 100.000 Euro ein. Von Prostituierten mit Künstlernamen wie Thai Lili, Thai Pinki, Kimberly oder TS Bianca. Der Begriff „TS“ steht für eine transsexuelle beziehungsweise transgender Frau.

Vorerst schweigen die Angeklagten

Beide Angeklagten wollten sich zu den Vorwürfen nicht äußern, kündigten aber an, zu einem späteren Zeitpunkt Angaben zu machen. Termine gibt es bis Ende März 2027. Christopher Posch, Verteidiger der 45-Jährigen, prophezeite: „Das Verfahren wird herausfordernd.“ Damit nahm er Bezug auf die vielen Dolmetscher, die benötigt würden.

Der Prozess wird am 6. November fortgesetzt, dann sollen die ersten Zeugen vernommen werden.