Anzeige
Schleswig-Holstein
Paketbote aus der Nähe von Hamburg: So viel Vogelliebe wärmt das Herz
Auf seiner Tour flatterte dem Paketboten Dennis Rudloff eine Wellensittich-Dame zu. Wie er den Vogel rettete und aufnahm – und warum es trotz traurigen Abschieds ein Happy End geben könnte.
Dennis Rudloff hatte gerade dem fünften Kunden in Wedel die Pakete gebracht, da hörte er ein lautes Zwitschern aus einem Baum: „Mir war sofort klar: Das ist ein Wellensittich.“ Genauso klar war dem DHL-Zusteller auch: „Zu 99 Prozent überlebt der Vogel hier draußen nicht.“ Raben, nachts auch Eulen, sind gefährliche Fressfeinde. Also hob Dennis Rudloff seinen linken Arm. Was dann geschah, kann er immer noch nicht glauben.
„Es ist wie ein Sechser im Lotto“, sagt er jetzt, eine Woche nach dem Erlebnis. Denn der Wellensittich, der in der Baumkrone im Klintkamp hockte, flog schnurstracks auf die Hand des 47-Jährigen – wie in einem Disney-Film. „Sie war handzahm!“ Nur: Beringt war der Vogel nicht, es gab also keinen Hinweis darauf, wem das Tier gehörte. Dennis Rudloff schaltete schnell.
„Als sie auf meinem Arm saß, habe ich mit der anderen Hand langsam zugegriffen und bin sofort zu einer guten Kundin gegangen. Die hatte noch nicht mal die Tür geöffnet, da sagte sie schon: Ich will keinen Vogel!“ Doch Rudloff wollte ihr nicht den Sittich aufschwatzen, sondern sie um einen Karton bitten. Darin wollte er den Vogel eigentlich nur kurz sicher aufbewahren. Stattdessen aber erlebte der Paketbote die wohl tollste Tour seiner Karriere.
Anzeige
Wellensittich fliegt Wedeler Paketbote auf seiner Tour zu
„Ich hab sie dann in dem Karton hinter meinem Sitz verstaut“, erzählt er. Sie? „Ja, ich hab sie mir ein bisschen angeguckt, aber vor allem: Als ich nach ihr sehen wollte, saß sie schon auf einem der Regale im Wagen, in dem Karton wollte sie nicht bleiben. Sie hat so einen Lärm gemacht, da wusste ich sofort, das ist ein Weibchen.“ Bis vor ein paar Jahren hatte Rudloff selbst zwei Wellensittiche, ein Männchen und ein Weibchen – ein Glück: „Ich wusste, wie ich mit ihr reden musste.“
Anzeige
In seinem Kopf begann es zu rattern: „Was mache ich jetzt mit dem Vogel? Ich kann ja nicht meine Tour abbrechen.“ Die hatte gerade erst begonnen. Also blieb die Wellensittich-Dame bei ihm im Auto – und fühlte sich schnell pudelwohl: „Die ist nach vorne zu mir gekommen, aufs Lenkrad geflattert, hat sich neben mich gesetzt – es war so schön“, schwärmt der Paketbote. Die Wedeler staunten derweil nicht schlecht über die tierische Beifahrerin: „An einer Ampel hat eine Frau neben mir durchs Fenster in den Wagen geschaut, die hat ihren Augen nicht getraut!“
Bei ihm konnte der Vogel nicht bleiben
Anzeige
Einen Namen gab er dem Vogel nicht: „Ich wusste ja, sie kann nicht bei mir bleiben.“ Natürlich habe er darüber nachgedacht, doch am Ende siegte die Vernunft: „Weibchen kannst du nicht alleine halten. Und noch mal zwei Vögel – dann kannst du nicht mal zwei Wochen in den Urlaub fahren.“ Der 47-Jährige beschloss, den Vogel ganz unverbindlich „Mäuschen“ zu nennen.
Odyssee über Polizei und Futterhaus bis ins Tierheim
Fünf Stunden verbrachte der Wellensittich abwechselnd vorne bei Dennis Rudloff und hinten bei den Paketen, während der Zusteller überlegte, wie es weitergehen könnte. Nach Schichtende fuhr er zur Wedeler Polizei: „Die konnten mir aber auch nicht weiterhelfen.“ Anschließend hielt Rudloff noch beim Futterhaus, wo er zunächst nach einem Käfig als Ersatz für den Karton suchen wollte. „Die haben mir dann gesagt, ich soll sie zum Tierheim Elmshorn bringen.“ Noch einmal eine halbe Stunde begleitete die Wellensittich-Dame Dennis Rudloff nach Elmshorn – diesmal wieder im Karton und in seinem Privatauto.
Bis weit nach Feierabend war Dennis Rudloff an diesem Samstag unterwegs – und er würde es wieder tun: „Das, was man einem Tier gibt, bekommt man wieder. Besonders, wenn man das Tier auch noch versteht“, meint er. „Für mich war das Schönste, dass sie sich so wohlgefühlt hat. Auch wenn es natürlich letztlich einen traurigen Abschied gab, nach dem Motto: Ich hab dich jetzt aufgenommen, mich um dich gekümmert, und jetzt gebe ich dich leider weiter.“
Auch zu Hause ließ ihn das Erlebte nicht los. Via Facebook-Aufruf suchte der 47-Jährige nach dem Halter des Vogels: „Welche Person oder Familie vermisst einen Wellensittich?“, postete Rudloff. Doch trotz 84 Antworten – ein Halter fand sich nicht. Dafür nette Worte für den Vogelretter: „Du bist nicht nur unser bester DHL-Fahrer in Wedel, du hast auch ein großes Herz.“ Für Rudloff, der auf seinen Touren seitdem schon mehrfach auf die Aktion angesprochen wurde, fast ein bisschen zu viel: „Mir ging es ja nur darum, dass es dem Vogel gut geht“, sagt er – und lächelt dann doch ein bisschen stolz.
Tierheim Elmshorn: Wellensittich-Dame heißt jetzt „Zimt“ – und es geht ihr blendend
Denn im Tierheim Elmshorn geht es der Vogeldame mittlerweile „blendend“, wie Mitarbeiterin Tamina Klose auf SHZ-Nachfrage berichtet. „Wir haben sie ‚Zimt‘ genannt, weil wir mitbekommen haben, dass sie mit einer Zimtschnecke gefüttert wurde.“ Sie sei nun Teil eines Schwarms, der in der Vogelvoliere des Tierheims lebt. Vermittelt sei „Zimt“ zwar noch nicht, aber: „Bei Wellensittichen sind wir immer gut davor.“ Nach der aufregenden Tour und dem Disney-Moment mit Dennis Rudloff gibt es nun also Chancen auf ein echtes Happy End. (Dieser Artikel erschien zuerst auf SHZ.de.)
Anzeige
Anzeige