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Auf der Treppe wartet ein Teddy-Bär, genauer gesagt ein Tänzer in einem flauschigen Kostüm. Schon die erste Station des diesjährigen Performance-Parcours – einer Kooperation der Kunstmeile Hamburg mit dem Internationalen Sommerfestival – das Atrium im Bucerius Kunst Forum, ist am späten Vormittag gut gefüllt. Satzfetzen ertönen mikrofonverstärkt aus Lautsprechern, einige sind erkennbar als Texte der britischen Kunsthistorikerin Claire Bishop, die darin über den Wandel in der Wahrnehmung durch das Publikum nachdenkt.
Tänzerinnen und Tänzer haben sich unter das Publikum gemischt. Künstlerisch ist das noch eher übersichtlich, was der New Yorker Choreograf Raja Feather Kelly und seine um einige Tanzschaffende aus Hamburg erweiterte Kompanie The Feath3r Theory hier serviert.
Parcours auf Hamburgs Kunstmeile: So, liebes Publikum, jetzt schrei mal schön
Es ist bereits die dritte performative Intervention, bei der die Räume der sechs Museen und Ausstellungshallen der Kunstmeile Hamburg mehr als nur die Kulisse bieten. Dieses Mal hat der New Yorker Choreograf Raja Feather Kelly mit „Doomers“ ein Programm extra für die Häuser konzipiert. In den Räumen des Hamburger Gangs der Hamburger Kunsthalle haben sich einige junge Tänzerinnen und Tänzer lustige aufblasbare Kostüme übergestreift.

Kunst-Parcours in der Kunstmeile mit Raja Feather Kelly: „Doomers“.© Fabian Hammerl | Fabian Hammerl
Ein lächelnder Hampelmann scheint auf Händen zu balancieren. Ein Eichhörnchen grüßt. Dazwischen sprechen Performende in Handy-Kameras. Es sind selbstbezogene Texte von Menschen, die ständig auf Sendung sind, sich aber trotzdem alleine fühlen. Kelly vertont hier Texte aus einem persönlichen Tagebuch. Seine Reflexionen handeln von der Suche nach der Bezugsgruppe, dem Lieblingsmenschen, der Positionierung in der Gesellschaft. In dem Parcours ist das ein für das Publikum mitunter herausforderndes – nicht immer akustisch verständliches – Gewimmel der Vielstimmigkeit.
Kunstparcours mitten in Hamburg: Zu Techno-Musik alle Gefühle rauslassen
Zum Glück finden all diese klugen und tiefen Gedanken im Kuppelsaal der Hamburger Kunsthalle in die Körper der Tanzenden. Hier sieht man in kurzen Szenen Ballett-Figuren, Voguing, gerade Arme, meist sanft in Slow Motion bewegte Beine. Eine Tänzerin empfiehlt eine Schrei-Therapie gegen den ganzen Wahnsinn der Gegenwart mit all ihren existenziellen Krisenmomenten und lässt gleich auch Menschen aus dem Publikum in ein hingehaltenes Kissen brüllen. Ein zündender Einfall. Er schafft die Temperatur für die Tanzenden, um im erhabenen Spiegelsaal des Museums für Kunst und Gewerbe Hamburg, zu Techno-Musik alle Gefühle rauszulassen. In einer inszenierten Videospiel-Sequenz erhält auch die Gewalt Einzug und setzt sich in einem Zweikampf fort.
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In der Halle für aktuelle Kunst der Deichtorhallen Hamburg teilt sich das Ensemble auf einzelne Installationen auf. Diese kleinen Soli, performative Skizzen, berühren stark, auch weil sie von sehr persönlichen Texten begleitet werden. Von der Suche nach Identität, dem Wunsch, unter weiter Kleidung zu verschwinden, oder auch von einem Naturwissenschaftler, den es eher zufällig in den zeitgenössischen Tanz verschlagen hat.
Hamburger Kunst-Parcours: Es gab Einblicke in viele tolle Ausstellungen
Das Fragmentarische, Simultane, in kurzen Szenen strukturierte ist dann noch einmal Thema im Kunstverein in Hamburg, bevor am Ende das vielschichtig agierende sechsköpfige Ensemble im Kunsthaus Hamburg aus bereits gesehenen und neuen Versatzstücken aus Tanz und Text ein Ganzes formt.
Das Publikum hat sich auf dieses lohnende Experiment sechs Stunden lang bis zum Ende eingelassen. Es hat dabei nicht nur herausragenden Gegenwartstanz gesehen, sondern auch Einblicke in viele tolle Ausstellungen erhalten. Und die lassen sich natürlich jederzeit vertiefen.
Sternstunde oder Reinfall?
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