Pause im Zollstreit: China verschärft Exportkontrollen Seltener Erden (noch) nicht

Die USA verlängern die Pause im Zollstreit mit China um zwei Monate. Das tangiert auch die Schweizer Tech-Industrie.

25.09.2026, 19:26

Teilen

Die USA haben im Rahmen des Staatsbesuchs von Chinas Präsidenten Xi Jinping die Pause im Streit um die Zölle um zwei Monate verlängert. Wäre die Einigung im November ausgelaufen, hätte China seine Exportkontrollen insbesondere auf Seltene Erden wohl ausgeweitet.

Dabei ist die Schweizer Tech-und Maschinenindustrie von Chinas bisherigen Restriktionen, was Seltene Erden angeht, bereits betroffen. Dies bestätigten in einer Umfrage des Branchenverbandes Swissmem vom vergangenen April über 40 Prozent der Mitgliederunternehmen.

Was sind Seltene Erden?

Box aufklappen Box zuklappen

Als Seltene Erden, genauer Metalle der Seltenen Erden oder Seltenerdmetalle, wird eine Gruppe von siebzehn chemischen Elementen bezeichnet. Entgegen ihrem Namen sind diese Rohstoffe geologisch betrachtet gar nicht so selten. Sie kommen sogar häufiger vor als Gold, Silber oder Platin. Ihre «Seltenheit» hängt mit ihrem Vorkommen und ihrem Abbau zusammen.

  • Sie finden sich in der Natur fast nie in reiner Form oder in grossen Lagerstätten. Sondern sind winzig und gleichmässig in anderen Gesteinen verteilt.
  • Der chemische und technische Aufwand, Seltene Erden aus dem Gestein zu lösen und die einzelnen Elemente voneinander zu trennen, ist enorm.
  • Bei der Trennung entstehen oft giftige Abfälle und saure Abwässer. Oft sind die Erze auch mit radioaktiven Elementen wie Thorium oder Uran vermischt.

Schweizer Tech-Industrie indirekt abhängig

Die direkt importierten Mengen an Seltenen Erden in die Schweiz, die in China zunächst verfeinert werden, sind eher tief. Laut einem Bericht des Bundesrates von 2024 waren es 174 Tonnen pro Jahr. Allerdings sind Schweizer Firmen über europäische Zuliefererketten indirekt stark von chinesischen Vormaterialien und Komponenten abhängig, die Seltene Erden enthalten.

Nahaufnahme eines Metallstücks mit rauer und glatter Oberfläche.
Legende:

Das Element Erbium wurde 1842 vom schwedischen Chemiker Carl Gustaf Mosander entdeckt und wird heute unter anderem in der Glasfaserproduktion oder in der Medizin- und Kosmetik-Lasertechnik eingesetzt.

iStock/Björn Wylezich

Bei den Lagerbeständen haben knapp zwei Drittel der von Swissmem im April befragten Firmen angegeben, dass diese zwischen einem und sechs Monaten reichen würden. Wobei ein stärkerer Aufbau von Vorräten kaum möglich sei, weil die chinesischen Behörden oft nur genau so viel Exportmengen genehmigen, wie unbedingt benötigt wird.

Verschärfung des Zollstreits wäre schlecht für CH-Firmen

Box aufklappen Box zuklappen

Sollte sich der Zollstreit zwischen China und den USA verschärfen, wäre das für Schweizer Firmen schlecht. Alessandra Hool von der Schweizer Stiftung «Entwicklungsfonds Seltene Metalle» sagt im Interview mit SRF dazu: «Schweizer Firmen hätten noch mehr Dokumentationspflichten und eine noch weniger gute Planbarkeit zu befürchten. Und die Hoffnung auf Alternativen würde sich weiter in die Zukunft verlagern.»

Mehr Bürokratie und mehr Aufwand

Zu spüren bekommt Chinas Exportkontrolle über Seltene Erden zum Beispiel die Firma Bomatec. Das Schweizer Unternehmen baut Magnete, die Seltene Erden enthalten, etwa in Produkte der Autoindustrie oder der Medizinaltechnik ein. Die Magnete selbst bezieht es aus China.

Man habe das Geschäft vor über dreissig Jahren mit chinesischen Partnern aufgebaut, sagt Geschäftsführer Christoph Bolliger. Und zu den aktuellen Exportkontrollen: «Es ist aufwendig. Es ist sehr viel Papier nötig, um das Ganze abwickeln zu können. Darum haben wir zusätzliches Personal in China bei unserer Tochtergesellschaft eingestellt», sagt Bolliger. Bislang ist dem Unternehmen gelungen, alle beantragten Exportlizenzen auch zu erhalten.

Geopolitische Abhängigkeit von China

Box aufklappen Box zuklappen

Bei den Seltenen Erden dominiert China den weltweiten Markt. Das Land besitzt zwar «nur» einen Drittel aller globalen Reserven, verarbeitet und veredelt aber je nach Element 70 bis 90 Prozent des Volumens. Da Seltene Erden für Schlüsseltechnologien wie Smartphones, Elektromotoren, Windkraftanlagen oder Rüstungsgüter unverzichtbar sind, führt diese Monopolstellung zu strategischen Engpässen auf dem Weltmarkt.

Substitution kaum möglich

Laut Christoph Bolliger gäbe es zwar andere Materialien als Alternative zu Seltenen Erden. Doch diese seien bedeutend leistungsschwächer. Die Systeme, in denen Bomatec beispielsweise Magnete mit Seltenen Erden verbaut, müssten darum drei- bis viermal grösser konstruiert werden.

Das wäre nicht nachhaltig und auch nicht wirtschaftlich. Insofern besitzt China diesbezüglich einen sehr starken Hebel, um seine Interessen als Wirtschaftsmacht durchzusetzen. Nicht nur gegenüber Schweizer Unternehmen, sondern gegenüber der ganzen Welt.

Tagesschau vom 25.09.2026, 19.30 Uhr; noes