21. August 2026
Stavroula Pabst
Das US-Kriegsministerium will Berichte über Waffentests nicht mehr öffentlich zugänglich machen
(Bild: Artem Onoprienko/Shutterstock.com)
Jahrzehntelang konnten Bürger einsehen, wie US-Waffen wirklich abschneiden. Warum will das Pentagon die Ergebnisse jetzt geheim halten? Ein Gastbeitrag.
Das Pentagon hat erklärt, Ende des vergangenen Monats über 25 Jahre hinweg entstandene Berichte über Waffentests aus dem öffentlichen Zugriff entfernt zu haben. Kritiker befürchten, dass dadurch potenziell gefährliche Mängel in Waffensystemen verschleiert werden könnten.
Das Verteidigungsministerium begründet diesen Schritt damit, dass Gegner KI und andere Werkzeuge nutzen könnten, um "unterschiedliche, nicht als geheim eingestufte Datenpunkte aus den Berichten zu hochdetaillierten Schwachstellenprofilen zusammenzuführen, die sich gegen kritische Infrastruktur und Verteidigungsfähigkeiten der USA richten".
Wichtige Informationsquelle
Unsere Gastautorin Stavroula Pabst
(Bild: RS)
Im Jahr 1983 schuf der Kongress das Office of the Director, Operational Test and Evaluation (DOT&E), um den Teilstreitkräften unabhängige Beratung und Aufsicht bei der Erprobung von Waffen zu bieten. Dieser Schritt erfolgte aufgrund von Bedenken, dass kompromittierte Testverfahren wiederholt dazu geführt hatten, dass unzureichend leistungsfähige Waffensysteme in das Einsatzgebiet gebracht wurden.
"Das Büro wurde als Reaktion auf Berichte geschaffen, wonach eine ganze Reihe von Soldaten und Marines mit M16-Gewehren in den Händen starben", erklärte Greg Williams, Direktor des Center for Defense Information beim Project on Government Oversight, gegenüber RS. Die Gewehre waren trotz bekannter Probleme mit Munition und Ladehemmungen in Vietnam eingesetzt worden – Probleme, die während der Erprobung ungelöst geblieben waren, da die Waffen schnell zu den Truppen gebracht werden sollten.
Die Jahresberichte des DOT&E-Büros waren für die Öffentlichkeit außerdem eine wichtige Informationsquelle über den Zustand zentraler Rüstungsprogramme.
Offenbar will das Pentagon diesen öffentlichen Zugang jedoch beenden. Ein Verteidigungsbeamter erklärte gegenüber RS unter der Bedingung der Anonymität, das Büro habe die Berichte "in ein sicheres DOT&E-Extranet" verschoben, um "sicherzustellen, dass ausschließlich befugte Mitarbeiter mit Verteidigungsauftrag darauf zugreifen". Das Pentagon erklärt, die Dokumente könnten nur mit einer militärischen "Common Access Card" abgerufen werden, für deren Erhalt eine Sicherheitsüberprüfung durch das FBI erforderlich sei.
Das stimmt allerdings nicht ganz. Tatsächlich erklärte Williams gegenüber RS, das Pentagon habe lediglich die Einstiegsseiten der jährlichen Waffenberichte von seiner Website entfernt, anstatt sie vollständig zu löschen. Daher können viele Berichte weiterhin über den korrekten Weblink abgerufen werden.
Der Pentagon-Beamte bestritt nicht, dass die URLs der Berichte noch funktionieren, und stellte auch nicht klar, ob künftige Jahresberichte ausschließlich über das DOT&E-Extranet verfügbar sein werden.
Der Krieg des militärisch-industriellen Komplexes
"Seit seiner Gründung versuchen Bürokraten auf Lebenszeit im Pentagon und Handlanger der Rüstungsunternehmen, das DOT&E entweder abzuschaffen oder zu entkräften", sagt Winslow Wheeler, der früher als Analyst für Haushaltsverfahren beim Government Accountability Office sowie für die Republikaner und Demokraten im Senat tätig war.
"Aufgrund zahlreicher schlechter Konstruktionen schneiden einige [Waffen-]Systeme bei der operativen Erprobung schlecht ab. Wenn Mängel öffentlich werden und der Geldfluss unterbrochen wird, ziehen sie den Zorn bürokratischer und unternehmerischer Fürsprecher auf sich", erklärte Wheeler gegenüber RS.
Insbesondere wurde die Arbeit des Büros als kostspielig und als Behinderung bei der Einführung von Waffen kritisiert. Unabhängige Untersuchungen kamen jedoch zu dem Ergebnis, dass die Tests bei diesen Vorhaben weder unangemessene Verzögerungen noch zusätzliche Kosten verursachen.
Verbündete der Rüstungsindustrie im Kongress unternahmen im Rahmen des Verteidigungshaushaltsgesetzes für das Haushaltsjahr 1996 einen erfolglosen Versuch, das Büro abzuschaffen. Später sah ein Entwurf des Verteidigungshaushaltsgesetzes für das Haushaltsjahr 2015 vor, dass das Büro sicherzustellen habe, dass seine "Aktivitäten Zeitpläne von [Waffen-]Programmen nicht unnötig behindern oder die Programmkosten erhöhen" – eine Vorgabe, vor der Befürworter warnten, da sie die Wirksamkeit des Büros "untergraben" würde. Auch diese Maßnahme scheiterte.
Die Arbeit des Büros wurde auch durch einen Mangel an Unabhängigkeit beeinträchtigt.
Das militärische Personal, das die Waffentests durchführt, "ist letztlich der jeweiligen Teilstreitkraft unterstellt", betonte Dan Grazier, Direktor des Programms für eine Reform der nationalen Sicherheit am Stimson Center.
Die Führungen der Teilstreitkräfte hätten ein Interesse daran, sicherzustellen, dass Waffen schnell und ohne genaue Prüfung eingeführt werden, "weil der stellvertretende Kommandeur für die Luftfahrt auf diese Weise nach seinem Ruhestand seine gut dotierte Sinekure bei Lockheed Martin bekommen wird".
Aufgrund dieses Drucks seien die Inhalte der Jahresberichte größtenteils bereits entschärft, sagte Wheeler.
"In früheren Jahren, als diese Berichte noch äußerst informativ waren – etwa unter den DOT&E-Direktoren Mike Gilmore und Tom Christie während der Regierungen Bush und Obama – erhielten der Kongress und die Öffentlichkeit ein Bild davon, welche unserer Waffen erfolgreich waren und bei welchen es sich um Misserfolge handelte", sagte Wheeler. "Diese Möglichkeit ist inzwischen weitgehend beseitigt worden."
Christie und Gilmore sind dafür bekannt, während ihrer jeweiligen Amtszeiten Probleme bei bedeutenden Waffensystemen angeprangert zu haben.
Der Versuch der Regierung unter Joe Biden, die DOT&E-Berichte als CUI ("Controlled Unclassified Information", kontrollierte, jedoch nicht als geheim eingestufte Informationen) zu kennzeichnen, sei eine weitere Taktik zur Schwächung des Büros gewesen, erklärte Grazier gegenüber RS. Dadurch wären die Berichte ebenfalls aus dem öffentlichen Zugriff verschwunden. Nach öffentlichem Protest wurde der Plan jedoch aufgegeben.
Die Trump-Regierung hat den Niedergang des Büros beschleunigt. Sie hat beim DOT&E selbst umfangreiche Kürzungen vorgenommen und die zulässige Gesamtzahl ziviler Stellen im Mai des vergangenen Jahres von 126 auf 30 reduziert. Für das Haushaltsjahr 2027 hat sie eine Kürzung des Budgets des Büros um zwei Drittel vorgeschlagen. Im August des vergangenen Jahres verringerte sie außerdem die Zahl der Programme, die das Büro überwacht, von 251 im Vorjahr auf 152.
In einem weiteren Vorgehen gegen eine Kontrollinstanz blockierte das Verteidigungsministerium im vergangenen Monat die Veröffentlichung eines Berichts des Government Accountability Office (GAO) über den Stand des F-35-Kampfjetprogramms und stufte ihn als "Controlled Unclassified Information" ein. Das F-35-Programm wird wegen Kostenüberschreitungen, Verzögerungen und seiner fragwürdigen Einsatzbereitschaft stark kritisiert.
"Die Waffen, die wir produzieren, sind Schrott."
Diese Maßnahmen wirken sich konkret auf die Aufsicht aus und könnten die Waffensysteme beeinträchtigen, auf die sich Soldatinnen und Soldaten verlassen.
In einem Brief vom 12. August schrieben Senatorin Elizabeth Warren (Demokratin aus Massachusetts) und Abgeordneter Donald Norcross (Demokrat aus New Jersey) an Verteidigungsminister Pete Hegseth: "Die Entscheidung, das DOT&E-Büro auszuräumen, hat erhebliche und unnötige Risiken geschaffen, die die Einsatzbereitschaft, die Sicherheit der Soldaten, die Reform des Beschaffungswesens und die Steuergelder gefährden."
Sie forderten Hegseth auf, "die vorgenommenen Kürzungen bei diesem Büro rückgängig zu machen, um das Vertrauen wiederherzustellen, dass die Waffensysteme des Verteidigungsministeriums für den Kampfeinsatz wirksam und für unsere Soldatinnen und Soldaten sicher sind".
Die im vergangenen Jahr vorgenommenen Personalkürzungen beim DOT&E-Büro fordern bereits ihren Tribut.
"Die verbliebenen Mitarbeiter übernahmen mehr Arbeit, als sie bewältigen konnten, und verfügten nicht über die nötige Expertise, um einige Programme zu beaufsichtigen", stellte ein GAO-Bericht vom Juni fest. "Sollten diese personellen Einschränkungen andauern, wird es für dieses Büro schwierig sein, die Erprobung wirksam zu überwachen und festzustellen, ob Waffensysteme wie vorgesehen funktionieren."
Die Sorge ist besonders groß, da das Pentagon mehrere umstrittene Waffenprogramme vorantreibt. Dazu gehören mögliche Vorhaben der Trump-Regierung wie das Raketenabwehrsystem Golden Dome und das Schlachtschiff der Trump-Klasse, deren hohe Kostenschätzungen und unerprobte Waffenkonzepte ihre Realisierbarkeit infrage stellen könnten.
"Die Tatsache, dass das nationale Sicherheitsestablishment diese Informationen verbergen muss, ist der eindeutige Beweis dafür, dass die Waffen, die wir produzieren, Schrott sind", sagte Grazier.
Stavroula Pabst ist Reporterin für Responsible Statecraft.
Dieser Text erschien zuerst bei unserem Partnerportal Responsible Statecraft auf Englisch.