GAV-Verhandlungen: Piloten schlagen Alarm: «Swiss vernachlässigt Schweizer Werte»

Publiziert25. Juli 2026, 04:47

GAV-VerhandlungenPiloten schlagen Alarm: «Swiss vernachlässigt Schweizer Werte»

Während das Bodenpersonal dem neuen Gesamtarbeitsvertrag bereits zugestimmt hat, berichten die Piloten von «zähen Verhandlungen». Sie werfen dem Unternehmen vor, sich an die Lufthansa-Kultur anzulehnen.

Benedikt Hollenstein

Darum gehts

  • Der Pilotenverband Aeropers wirft Swiss vor, Schweizer Werte zu vernachlässigen und sich an die Lufthansa-Kultur anzulehnen.
  • Hintergrund sind zähe Verhandlungen über den neuen GAV, der den auslaufenden GAV23 per Ende 2026 ablösen soll.
  • Die Swiss beklagt ihrerseits, dass Aeropers geplante Gespräche abgesagt hat.

Es sind harte Worte, die Aeropers wählt: «Die Swiss scheint im Moment den Lufthansa-Weg zu gehen und Schweizer Werte zu vernachlässigen», schreibt der Berufsverband der Pilotinnen und Piloten von Swiss und Edelweiss in seiner Mitteilung am Freitag.

Das Communiqué bezieht sich auf die laufenden Verhandlungen zum Gesamtarbeitsvertrag. Der aktuelle GAV23 läuft Ende 2026 aus – bis dahin müssen die Verhandlungen zwischen dem Arbeitgeber und dem Personal abgeschlossen sein. Dieses Ziel sei momentan aber gefährdet, da die Gespräche zäh verlaufen würden.

«Management vernachlässigt Schweizer Werte»

«Die Verhandlungen laufen auf verschiedenen Ebenen weiter. Wir stellen aber fest, dass das Management die Schweizer Werte vernachlässigt und sich an die Lufthansa-Kultur anzulehnen scheint», schreibt Thomas Steffen, Mediensprecher von Aeropers. Anstatt gemeinsam Lösungen zu suchen, verstosse die Swiss wiederholt gegen den laufenden GAV. Diese Alleingänge würden auf Kosten des bereits seit langem stark belasteten Pilotenkorps gehen, so der Vorwurf von Steffen.

Man wolle einen dauerhaft eskalierenden Konflikt, «wie er bei Lufthansa beobachtet werden kann», vermeiden. Ein solcher entspreche nicht den Schweizer Werten und sei weder zielführend noch nachhaltig. «Noch ist eine Kurskorrektur durch das Swiss-Management möglich», zeigt sich Aeropers-Präsident Janos Fazekas zum Ende der Mitteilung zuversichtlich.

Was ist für dich das Wichtigste bei Verhandlungen über Arbeitsbedingungen?

Faire Löhne und gute Sozialleistungen für alle Mitarbeitenden.

Sichere Arbeitsplätze und langfristige Perspektiven für die Angestellten.

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Geregelte Arbeitszeiten und genügend Freizeit für die Work-Life-Balance.

Die Möglichkeit, mitzugestalten und als Mitarbeitender gehört zu werden.

Etwas anderes ist für mich entscheidend.

Ich mache mir darüber keine Gedanken.

Das sagt die Swiss

Die Swiss entgegnet auf Anfrage von 20 Minuten, dass man bedaure, dass Aeropers die GAV-Verhandlungen bis Ende August pausiere und geplante Verhandlungstage abgesagt habe. Man sei bereit, die Gespräche jederzeit fortzusetzen, sehe aber auch, dass die Positionen in wichtigen Punkten weiterhin auseinanderliegen. «Aus Sicht von SWISS braucht es jetzt auf beiden Seiten die Bereitschaft, Anliegen zu priorisieren und Kompromisse einzugehen. Tragfähige Lösungen entstehen nicht durch das Beharren auf Maximallösungen, sondern dort, wo beide Seiten aufeinander zugehen», schreibt Dominik Jäggi, Chef des Flugbetriebs, gegenüber 20 Minuten.

Da Aeropers derzeit nicht gesprächsbereit sei, setze das Swiss-Management auch darauf, mit dem Personal direkt Lösungen zu suchen, um die aktuellen Probleme zu bewältigen. So biete man Piloten neu an, freiwillig bis zur Vollendung des 62. Altersjahres weiterzuarbeiten. Bereits am ersten Tag hätten sich zahlreiche interessierte Pilotinnen und Piloten bei der Swiss gemeldet, um dieses Angebot in Anspruch zu nehmen. Zudem soll es auch Änderungen bei den freien Tagen geben, die das Personal auf lange Frist festlegen kann.

«Diese Massnahmen ersetzen weder einen Gesamtarbeitsvertrag noch den Dialog mit Aeropers», so Dominik Jäggi. Auch das Swiss-Management ist überzeugt, «dass die besten und langfristig tragfähigen Lösungen gemeinsam entstehen». Deshalb wolle man möglichst bald an den Verhandlungstisch zurückkehren – mit der Bereitschaft beider Seiten, aufeinander zuzugehen. Ob Aeropers zu diesen Zugeständnissen bereit ist, wird sich zeigen.

Benedikt Hollenstein

Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.

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