Pogacar als Vierter der prickelnden Königsetappe vor Gesamtsieg bei Tour de France

Tour de France

Pogacar als Vierter der prickelnden Königsetappe vor Gesamtsieg bei Tour de France

Ecuadorianer Carapaz sichert sich mit Etappensieg in Alpe d'Huez das Bergtrikot. Zwei Stürze im Finish kosteten den lange führenden US-Amerikaner Kuss den Tageserfolg

Zwei Radfahrer des Teams UAE Team Emirates jubeln am Ende der 20. Etappe der Tour de France 2026. Einer trägt das gelbe Trikot, der andere das weiße Trikot. Beide strahlen vor Freude, während der gelbe Träger dem weißen Arm auf die Schulter legt. Im Hintergrund sind Zuschauer zu sehen.
Tadej Pogacar (li.) unterstützte seinen Teamkollegen Isaac Del Toro, um seinen Podestplatz abzusichern.

Radsport-Superstar Tadej Pogacar steht unmittelbar vor seinem fünften Gesamtsieg bei der Tour de France. Der Titelverteidiger gab sich auf der 170,9 km langen Königsetappe nach Alpe d'Huez keine Blöße und nimmt die verkürzte Schlussetappe nach Paris am Sonntag mit einem komfortablen Vorsprung im Gelben Trikot in Angriff.

Die vorletzte Etappe der 113. Tour de France wurde zur Beute von Richard Carapaz. Der Super-Kletterer aus Ecuador verwies mit der zweiten Ankunft in Alpe d'Huez hintereinander Remco Evenepoel und Sepp Kuss um knapp eine halbe Minute auf die Plätze zwei und drei.

Fünf Mal fünf

Pogacar wird aller Voraussicht nach mit den Rekordgewinnern des wichtigsten Radrennens der Welt gleichziehen. Die Bestmarke von fünf Gesamtsiegen teilen sich bisher die Franzosen Jacques Anquetil und Bernard Hinault sowie Eddy Merckx (Belgien) und Miguel Indurain (Spanien). Die sieben Tour-Erfolge von Lance Armstrong sind wegen dessen Doping-Vergangenheit gestrichen worden. "Wir müssen morgen durchhalten, Paris überstehen, und dann können wir dieses Gelbe Trikot feiern", sagte Pogacar.

Einen Tag nach seiner Rekordfahrt auf den berühmtesten Berg der Radsportwelt rückte für Pogacar der Kampf um den Tagessieg in den Hintergrund. Beim brutalen Kletter-Spektakel in den Alpen arbeitete Team-Kapitän Pogacar (UAE Emirates-XRG) lange für seinen Teamkollegen Isaac Del Toro, der sich auch dank Pogacars Hilfe Rang drei in der Gesamtwertung und das Weiße Trikot des besten Jungprofis sicherte.

Radfahrer in gepunktetem Bergtrikot jubelt mit erhobenen Armen nach dem Gewinn der 20. Etappe der Tour de France. Im Hintergrund jubelnde Zuschauer.
Triumph von Richard Carapaz auf der vorletzten Etappe.

"Viele Leute sprechen darüber, wie ich Isaac zum Podium verholfen habe. Zuvor hat Isaac mir aber geholfen, das Gelbe Trikot zu holen. Und das Team umso mehr. Es war eine Ehre, heute für Isaac zu fahren", sagte Pogacar. "Zwei Leute auf dem Podium ist etwas Unvorstellbares. Wir können sehr stolz sein."

Pogacar und Del Toro erreichten das Ziel 1:05 Minuten hinter Tagessieger Richard Carapaz. Der ecuadorianische Radprofi (EF Education-EasyPost), der schon die 18. Etappe am Donnerstag gewonnen hatte, sicherte sich zum zweiten Mal nach 2024 das Bergtrikot.

Das Podest in Paris komplettiert Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel als Zweiter. Evenepoel, bei Red Bull-Bora-hansgrohe Co-Kapitän des nach einem Sturz ausgeschiedenen Florian Lipowitz, bescherte der deutschen Mannschaft die erhoffte Top-drei-Platzierung. Evenepoel liegt in der Gesamtwertung 6:26 Minuten hinter Pogacar, dahinter folgt Del Toro (+9:42).

"Härteste Bergetappe der Tour-Geschichte"

Das Highlight der 113. Frankreich-Rundfahrt hatten sich die Streckenplaner für die letzte große Bergetappe aufgespart. Die Königsetappe führte wie am Freitag ins legendäre Alpe d'Huez, bot dabei aber das deutlich anspruchsvollere Tagesprofil. Insgesamt 5450 Höhenmeter und drei Bergwertungen der höchsten Kategorie standen auf dem Plan, es galt berühmte Anstiege wie jene auf den den Col de la Croix-de-Fer, Col du Télégraphe und Col du Galibier zu meistern. Tour-Chef Christian Prudhomme sprach sogar von der "härtesten Bergetappe der Tour-Geschichte".

Ein Radfahrer mit einem weißen Helm, der mit roten Punkten verziert ist, lehnt sich erschöpft auf sein Fahrrad, während er von Teammitgliedern und Zuschauern umringt wird. Menschen reichen ihm Wasser und halten Handys hoch, um den Moment festzuhalten.
Ein gezeichneter Tagessieger.

Während Carapaz an der Spitze als Teil einer Fluchtgruppe viel für das Gepunktete Trikot investierte, kontrollierten Pogacar und sein UAE-Team die Nachführarbeit im Hauptfeld. Vor dem Gipfel des Galibier waren Pogacar und Del Toro auf sich allein gestellt – und der Mann in Gelb machte Tempo für seinen müde wirkenden Teamkollegen.

Zwei Radfahrer des Teams UAE Team Emirates fahren nebeneinander über die Ziellinie. Der Fahrer im gelben Trikot des Gesamtführenden legt den Arm um den Fahrer im weißen Trikot des besten Nachwuchsfahrers. Im Hintergrund sind ein Begleitfahrzeug und Zuschauer zu sehen.
Isaac Del Toro (re.) bedankte sich artig beim Boss.

Pogacar führte die kleine Gruppe der Top-Stars auch ins Finale nach Alpe d'Huez, das am Samstag erstmals in der Tour über den Col de Sarenne gefahren wurde. Nur die letzten Kilometer durch den Zielort waren identisch mit der Ankunft des Vortags, bei der Pogacar dominiert hatte.

Rückschlag für Seixas

Pogacar, der am Samstag seinen 70. Tag im Gelben Trikot verbrachte, behielt auch dieses Mal stets die Kontrolle. Frankreichs Hoffnungsträger Paul Seixas (Decathlon CMA CGM), aufgeboten als Decathlon-Chef statt Felix Gall, gingen hingegen die Kräfte aus. Der 19-Jährige ließ abreißen, Rang drei sowie das Weiße Trikot waren für den Debütanten verloren.

Ein Radfahrer des Teams Visma | Lease a Bike, gekleidet in einem schwarzen Trikot mit gelben Akzenten und einer gelb-schwarzen Helm, fährt erschöpft auf der Zielgeraden einer Etappe der Tour de France in einer alpinen Umgebung.
Sepp Kuss verspielte den Tagessieg mit zwei Stürzen im Finish.

Zum Unglücksraben avancierte Kuss. Der Visma-Teamkollege des während dieser Tour ausgeschiedenen Mitfavoriten Jonas Vingegaard stürzte zunächst in einer engen Kurve und prallte gegen ein Absperrgitter. Und dann noch ein zweites Mal bei einer Abfahrt. Der US-Amerikaner hatte dabei noch Glück, dass er von einem Fangzaun vor einem lebensgefährlichen Absturz bewahrt wurde. Durch das zweite Malheur zog Carapaz vorbei. "Ich selbst hatte keine große Angst", sagte Kuss später im französischen TV: "Ich bin glimpflich davongekommen."

Dahinter wich Pogacar auch nach einer Evenepoel-Attacke nicht von Del Toro, brachte den Youngster sicher und möglichst flott ins Ziel.

Verkürze Schlussetappe

Die Tour endet am Sonntag traditionell auf den Champs-Elysées in Paris. In Gefahr ist das Gelbe Trikot dann nicht mehr. Die 21. und letzte Etappe wird aufgrund schwerer Waldbrände von ursprünglich geplanten 133 Kilometern um 44 auf 89 verkürzt. Wie die Organisatoren mitteilten, hat das französische Innenministerium entschieden, einen Teil der ursprünglich für die Absicherung der Schlussetappe eingeplanten Sicherheitskräfte abzuziehen. Die Einheiten sollen stattdessen die Einsatzkräfte in den von den Bränden betroffenen Regionen unterstützen. Besonders prekär ist die Lage in der Gironde nahe Bordeaux.

Der offizielle Start erfolgt um 17.50 Uhr nicht mehr in Thoiry westlich der Hauptstadt, sondern an der Ziellinie in Paris. Die Fahrer absolvieren zwei zusätzliche Runden auf den Champs-Élysées, bevor sie zum Rundkurs am Montmartre fahren. Planmäßig enden soll die 113. Ausgabe der Großen Schleife um etwa 19.45 Uhr.

Da möglicherweise Regen einsetzen wird, könnte die Jury wie schon 2025 die Zeit für das Gesamtklassement jedoch bereits 50 Kilometer vor dem Ziel anhalten, damit auch Pogacar und Kollegen in den engen, mit Pflastersteinen versehenen Gassen angreifen können und ein möglicher Sturz ohne Folgen für die Endabrechnung bliebe. In dieser wollen auch die zwei angetretenen Österreicher aufscheinen: Marco Haller (147.) fehlen noch 89 Kilometer, um seine elfte Tour zu beenden, für Pogacar-Teamkollege Felix Großschartner (32.) wäre es die vierte Zielankunft bei der prestigeträchtigsten Radrundfahrt der Welt. (sid, APA, red, 25.7.2026)

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