AUDIO: Elbehof Wahrenberg-Chef sieht bei AfD-Wahlsieg "dunkle Zeiten" (2 Min)
Sorge vor der Landtagswahl
Warum der Chef des Elbehofs in der Altmark einen AfD-Wahlsieg fürchtet
Stand: 25.07.2026 16:41 Uhr
Seit 30 Jahren setzt sich Norbert Krebber auf dem Elbehof in Wahrenberg für Zusammenhalt, Umweltbildung und Demokratie ein. Nun fürchtet er, dass ein AfD-Wahlsieg die Förderung seiner Projekte gefährden könnte. Auch um seine persönliche Sicherheit macht er sich Sorgen.
von Katharina Häckl, MDR SACHSEN-ANHALT
Norbert Krebber, Chef auf dem Elbehof in Wahrenberg im Landkreis Stendal, weiß, wie sich das anfühlt, wenn nicht alle an einem Strang ziehen. Seit 30 Jahren arbeitet er daran, die Dorfgemeinschaft zu einen, hat dafür sogar extra die Netzwerkstatt "Storchendorf Wahrenberg" gegründet. Hat geredet mit Wahrenbergern, die sich nicht miteinander verstanden, und ihnen gesagt: Nur, weil ihr unterschiedlicher Meinung seid, können wir doch gemeinsam an einem Strang ziehen, Teil desselben Netzwerks sein.
Norbert Krebber leitet den Elbehof in Wahrenberg und hat Sorgen um seine Zukunft und die des Hofes.
Sein größter Erfolg in dieser Hinsicht: das 780-jährige Dorfjubiläum, das im September gefeiert wird. "Beinahe wäre es ausgefallen, weil wir uns nicht richtig koordinieren konnten. Hätten wir nicht das starke Dorf-Netzwerk gehabt, wäre der Zusammenhalt zu schwach gewesen, um so ein Fest selbstständig als Dorf zu organisieren."
"Demokratie ist Akrobatik"
Auch auf dem Elbehof geht es seit 30 Jahren um Netzwerke. Kinder und Jugendliche unterschiedlichster Herkunft lernen bei Zirkus- und Theaterprojekten, aus sich herauszukommen, sich zu öffnen, sich auf neue Freunde zu verlassen. Diese gemeinsame Kraft zu entwickeln, dazu gehöre eben auch Disziplin und Wahrnehmung, betont Norbert Krebber. "Wir müssen das üben. Das ist Akrobatik. Demokratie ist Akrobatik, fast schon ein Zirkus. Das müssen wir positiv besetzen."
Beim Zirkuscamp auf dem Elbehof Wahrenberg können Kinder Neues lernen und über sich hinauswachsen.
Netzwerke, die es zu bewahren gilt, sind für ihn neben der Dorfgemeinschaft auch die Verbandsgemeinde, der Landkreis, das Land, die Region und letztlich: Europa. Es nütze nichts, nur über Probleme zu schimpfen. Es müsse darum gehen, sagt der Aktivist, die Schwierigkeiten zu benennen und sie gemeinsam zu bewältigen.
Sorgen bei Wahlsieg der AfD
Was die Zukunft seines offenen, vielfältigen Elbehofs betrifft, sieht er bei einem Sieg der AfD bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt dunkle Zeiten auf sich zukommen. Vor allem, was die Förderung durch das Land betrifft. Die AfD ist gegen "Regenbogenkram" und fordert "Kein Steuergeld für Vereine der Klimaindustrie".
Nun, der Elbehof ist auch eine Umweltbildungsstätte, direkt an der Elbe gelegen, nur mit viel Ehrenamt am Leben gehalten. Auf den Dächern prangen Solarpaneele, gerade werden die Gebäude gedämmt – als Vorab-Maßnahme zum Einbau von Wärmepumpen. Auf dem Hof trifft man auf Benjes-Hecken und grünes Leben. Das Ehrenamt, das den Hof so besonders macht, wird auch durch Landesgelder gefördert. Das müssten die Leute begreifen, wird Norbert Krebber forsch, dass solche Projekte wie der Elbehof zerschlagen werden sollen im Falle eines AfD-Wahlsieges.
Die Unterstützung durch das Land sieht er auf jeden Fall gefährdet. Dabei müsste es, sagt Norbert Krebber, für Umweltzentren, Umweltschulen noch viel mehr Förderung geben. "Aber das, was wir jetzt aufgebaut haben, was wir haben vom Land, das mühevoll Aufgebaute, das seh ich in Gefahr. Da können wir uns im Moment nicht drauf verlassen." Der Elbehof bekommt bis jetzt 5.000 Euro jährlich aus dem Programm "Partnerschaft für Demokratie" und für die Zirkus- und Theaterworkshops zwischen 10.000 und 12.000 Euro. Die Summe, die in Frage steht, geht also gen 20.000 Euro.
Elbehof-Chef sieht sich selbst in Gefahr
Auch um seine eigene Person ist ihm nicht wohl, spielt er einen AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt gedanklich durch. Immerhin ist Krebber eine der lautesten Stimmen in der Altmark, wenn es um Toleranz, Offenheit, Vielfalt, Klimagerechtigkeit geht. Das habe man ja in der Wahlkampagne der Partei gehört, "dass sie sich schon überlegen: Wie gehen sie mit den Leuten um, die dagegen angehen?" Man müsse damit rechnen, auf solch einer Liste zu landen. "Wir kommen da hin, dass man sich wirklich überlegen muss, was man so macht und wie man was macht und wem man was erzählt."
Das macht Norbert Krebber wütend und traurig. Das gab es doch alles schon einmal bis 1989, dass man eben nicht frei reden durfte, selbst in einem winzigen Ort wie Wahrenberg nicht, sagt er. Unvorstellbar für ihn, dass 37 Jahre nach dem Mauerfall dieses Argument für einige anscheinend nicht mehr viel zählt.
Wer den Elbehof Wahrenberg besucht, findet aktuell eine Idylle – noch.
Überall in der Altmark finden sich gerade Initiativen zusammen, um den Menschen klarzumachen, was im Fall eines Wahlsieges der AfD auf sie zukäme, wieviel Freiheit sie verlieren würden. Ein paar Wochen vor der Wahl – das ist ein bisschen spät, kritisiert Norbert Krebber, und demonstriert aber trotzdem mit. Netzwerke, sagt er, werden besser und stärker, je erfahrener und engmaschiger sie werden.
MDR (Katharina Häckl, Alisa Sonntag); erstmals veröffentlicht am 24.06.2026