Polen reagiert auf russische Drohnen an der NATO-Ostflanke: Kampfpiloten erhalten Schießbefehl

Stand: 29.09.2026, 13:58 Uhr

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Eine Mikoyan MIG-29 der polnischen Luftwaffe während eines Überflugs über Dänemark.

Eine Mikojan-Gurewitsch MIG-29 der polnischen Luftwaffe – hier während eines Überflugs über Dänemark. © IMAGO / Andy Rouse / Avalon

Polen reagiert auf jüngste Drohnenvorfälle im Grenzgebiet. Künftig will man rigoros gegen russische Bedrohungen vorgehen – selbst ohne Sichtkontakt.

Warschau – Polen hat seine Regelungen für den Abschuss fremder Fluggeräte im eigenen Luftraum deutlich verschärft. Cezary Tomczyk, Staatssekretär im Verteidigungsministerium, erklärte am Montag, polnische Kampfpiloten dürften künftig „auf Grundlage von Radardaten oder anderen Informationen, die in das System eingespeist werden, die Entscheidung treffen, ein fremdes Fluggerät abzuschießen“.

Bislang war für einen Abschuss eine visuelle Identifizierung des Fluggeräts zwingend erforderlich. Diese Voraussetzung entfällt nun. Tomczyk betonte, dass ein radarbasierter Abschuss „in der Regel einem Kriegszustand oder dem Kriegsrecht vorbehalten“ sei. Die Regeländerung begründete er mit der konkreten Bedrohungslage: Polen sei „täglich mit der Möglichkeit konfrontiert, dass Drohnen in sein Hoheitsgebiet eindringen“. Man könne „angesichts von Bedrohungen nicht untätig bleiben, und alles deutet darauf hin, dass es davon nur noch mehr geben wird“, fügte der Minister hinzu.

Vorfälle häufen sich: Drohneneinschlag an ukrainisch-polnischer Grenze

Die Entscheidung fällt in eine Zeit erhöhter Alarmbereitschaft in Osteuropa. In den vergangenen Monaten kam es wiederholt zu Drohnenvorfällen in NATO-Ländern an der Ostflanke des Bündnisses – darunter Polen und die baltischen Staaten. Erst am Montagabend kam es in der ukrainischen Grenzregion zu Polen erneut zu einer Drohnenattacke unweit eines Grenzübergangs.

„Eine düsengetriebene Drohne ist auf ukrainischer Seite etwa zwei Kilometer vom Grenzübergang zu Polen in Dorohusk eingeschlagen“, schrieb Polens Verteidigungsminister Wladyslaw Kosiniak-Kamysz auf X. Der Luftraum über Polen wurde demnach nicht verletzt. Die Drohne beschädigte nach ukrainischen Angaben mit der Druckwelle der Explosion jedoch das Gebäude der Grenzkontrollstelle. „Es liegen keine Meldungen über Verletzte oder Tote vor“, schrieb Roman Romanjuk, Leiter der Oblast-Verwaltung von Wolyn, auf Telegram. Er bat die Bewohner der Region, in Schutzräumen zu bleiben.

Tusk warnt vor hybriden Angriffen auf NATO‑Staaten – auch Dänemark ist alarmiert

Polens Regierungschef Donald Tusk hatte Anfang September erklärt, „der russische Plan“ umfasse nach Geheimdienstinformationen „hybride Angriffe“ mit Drohnen und Raketen auf Länder, die die Ukraine unterstützen. Ziel Russlands sei es, den Zusammenhalt innerhalb der NATO zu schwächen.

Auch der dänische Auslands- und Militärnachrichtendienst FE sieht eine wachsende Gefahr. Geheimdienstchef Thomas Ahrenkiel warnte vor einem „geringen, aber wachsenden Risiko“, dass Russland „einen begrenzten militärischen Angriff gegen ein oder gegen mehrere NATO-Länder an der Grenze zu Russland ausführen wird“. Einen vollständigen Einmarsch in einen Mitgliedstaat hält er jedoch für „höchst unwahrscheinlich“. Russische Vorbereitungen für einen solchen Schritt würden „mehrere Monate“ erfordern und wären „schwer zu verheimlichen“, so Ahrenkiel.

Polen als Schlüssel-Land im Ukraine-Krieg

Polen nimmt in dem Konflikt eine besondere Stellung ein. Das NATO-Mitglied grenzt an die russische Exklave Kaliningrad, das mit Russland verbündete Belarus sowie an die Ukraine und gilt als wichtigster Umschlagplatz für westliche militärische und humanitäre Hilfe für Kiew. Seit Beginn des russischen Angriffskriegs im Februar 2022 hat Warschau Moskau wiederholt „Sabotage“ vorgeworfen und dem EU-Staat gedroht. Regierungschef Tusk will am kommenden Freitag in die Ukraine reisen. (Quellen: X, dpa, AFP) (nak)