Polizei konnte Kollegen 200 Meter entfernt nicht warnen – EU zieht jetzt Konsequenzen

Stand: 01.10.2026, 07:18 Uhr

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Bei Unglücken an Grenzen verlieren Polizei und Feuerwehr oft sofort den Funkkontakt. Brüssel plant bis 2036 ein satellitengestütztes 5G-Netz, das das verhindern soll.

Brüssel – Die EU hat am Mittwoch (30. September) Pläne für ein neues, unionsweites Kommunikationssystem vorgelegt, das Polizei, Feuerwehr und andere nationale Rettungsdienste besser vernetzen soll. Ziel ist es, ihnen bei grenzüberschreitenden Krisen zu ermöglichen, sich schneller abzustimmen und Informationen effizienter auszutauschen.

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Dieser Artikel von Una Hajdari entstand in Kooperation mit Euronews

Damit sollen Verzögerungen und Missverständnisse reduziert werden, die bislang durch technische Barrieren an den Binnengrenzen der Union entstehen. Derzeit funken Einsatzkräfte in der 27 Staaten umfassenden Europäischen Union überwiegend per Funk, doch geschützte Kanäle enden meist an den Landesgrenzen.

Bei Unglücken an Grenzen verlieren Polizei und Feuerwehr oft sofort den Funkkontakt. Brüssel plant bis 2036 ein satellitengestütztes 5G-Netz, das das verhindern soll.

Bei Unglücken an Grenzen verlieren Polizei und Feuerwehr oft sofort den Funkkontakt. Brüssel plant bis 2036 ein satellitengestütztes 5G-Netz, das das verhindern soll. © picture alliance/dpa | Patrick Pleul

Das erschwert internationale Einsätze erheblich, heißt es in Brüssel, weil Informationen oft nur über Umwege weitergegeben werden können. Gemeinsam geplante Operationen stoßen daher im Ernstfall immer wieder auf technische Grenzen, obwohl die Behörden enger zusammenarbeiten wollen.

Neues EU-System für Notfallkommunikation

„Wenn eine Krise eintritt, müssen unsere Ersthelfer sofort über Behörden- und Landesgrenzen hinweg in ganz Europa kommunizieren können“, sagte der EU-Innenkommissar Magnus Brunner. Er betonte, dass Verzögerungen bei der Alarmierung und Koordinierung von Teams Menschenleben kosten können und daher ein modernes, interoperables System unverzichtbar sei.

Die EU wolle verhindern, dass technische Hürden die Arbeit von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdiensten ausbremsen. Mit dem geplanten „EU Critical Communication System“ sollen die Staaten ihre Notfallkommunikation von Funk auf Breitbandtechnologien wie 5G umstellen, was eine deutlich höhere Datenkapazität ermöglicht.

Nach Angaben aus Brüssel bereiten die meisten Länder diesen Schritt ohnehin bereits vor, weil ihre bestehenden Funknetze veraltet sind. Die EU will diesen Modernisierungsschub bündeln und zugleich sicherstellen, dass die neuen Systeme grenzüberschreitend kompatibel bleiben.

Zentrales Drehkreuz und Satelliten-Reserve

Die EU will anschließend dafür sorgen, dass die nationalen Systeme technisch miteinander harmonieren und sich problemlos verbinden lassen. Ein zentrales Drehkreuz soll den Datenaustausch koordinieren, damit Informationen schnell und sicher an die richtigen Stellen gelangen.

Ein eigenes Monitoringzentrum soll Cyberrisiken beobachten, Angriffe frühzeitig erkennen und die Mitgliedstaaten bei der Abwehr unterstützen, um die Integrität des Netzes zu schützen. Nach dem Konzept dienen EU-Satelliten als Reserve, falls bodengebundene Systeme ausfallen, etwa bei einem großflächigen Stromausfall oder der Zerstörung von Infrastruktur.

Diese Weltraumkomponente soll sicherstellen, dass wichtige Kommunikationskanäle auch bei Naturkatastrophen, Sabotageakten oder anderen Großschadenslagen offenbleiben. So will Brüssel verhindern, dass Rettungsteams in besonders kritischen Momenten ohne verlässliche Verbindung dastehen.

Einsatzszenarien von Waldbränden bis Antiterror

Breitband statt klassischem Funk soll es Einsatzkräften ermöglichen, Videos, Nachrichten und Standortdaten in Echtzeit zu teilen, in der Regel über ein Smartphone oder ähnliche Endgeräte. Der EU-Plan schreibt jedoch kein bestimmtes Gerät vor, damit die Mitgliedstaaten eigene Lösungen wählen können.

Entscheidend sei, dass die verwendeten Technologien denselben Standards entsprechen und sich reibungslos in das gemeinsame System einfügen. EU-Beamte nannten Waldbrände, Anti-Terror-Einsätze, Bedrohungen durch Drohnen sowie Such- und Rettungsaktionen im Mittelmeer als Beispiele, bei denen die Technologie entscheidend sein könnte.

In diesen Situationen müssten oft verschiedene nationale Behörden eng zusammenarbeiten, etwa bei der Verfolgung von Verdächtigen über Grenzen hinweg oder bei der Ortung von Schiffbrüchigen. Auch Streitkräfte könnten das System nutzen, falls sie sich dafür entscheiden und entsprechende Schnittstellen eingerichtet werden.

Lehren aus Einsätzen an EU-Binnengrenzen

Brunner verwies auf die Schwierigkeiten während des großen Waldbrands in diesem Sommer im belgischen Naturgebiet Hohes Venn an der Grenze zu Deutschland, bei dem Einsatzkräfte aus mehreren Ländern beteiligt waren.

„In dem Moment, in dem ein Ersthelfer die Grenze überschreiten musste, funktionierte sein Funkgerät nicht mehr“, sagte er und machte deutlich, wie schnell Rettungsketten dadurch unterbrochen wurden. Koordination und Lagebilder hätten über Umwege hergestellt werden müssen, was wertvolle Zeit gekostet habe.

In einem anderen Fall verwies er auf eine Schießerei in den Niederlanden, nur 200 Meter von Belgien entfernt, die eine grenzüberschreitende Polizeiverfolgung auslöste, „bei der jede Minute zählte“.

Aber mit dem derzeitigen System konnte das niederländische Einsatzzentrum in Maastricht seine Kollegen im belgischen Lüttich nicht direkt warnen – und damit auch nicht die Einsatzkräfte auf der Straße. Dies habe gezeigt, wie gefährlich Kommunikationslücken unmittelbar an Binnengrenzen sein können.

Beteiligte Unternehmen und Zeitplan bis 2036

Die EU-Kommission erklärte, die kritischen Bestandteile des Systems würden von europäischen Unternehmen entwickelt, um strategische Abhängigkeiten von Drittstaaten zu verringern.

EU-Vertreter, die anonym bleiben wollten, nannten Airbus, das italienische Unternehmen Leonardo und die österreichische Firma Frequentis als Teilnehmer eines Pilotprojekts, das technische Machbarkeit und Sicherheitsanforderungen testen soll. Weitere Firmen könnten in späteren Phasen hinzukommen, wenn das System ausgebaut wird.

Die Satelliten-Reserve könnte aus dem derzeit entstehenden EU-Satellitenverbund Iris² kommen, fügten sie hinzu, der ebenfalls für sichere Regierungs- und Behördenkommunikation ausgelegt wird. Nach dem Willen Brüssels soll das System bis 2036 vollständig einsatzbereit sein und in allen Mitgliedstaaten verfügbar zur Verfügung stehen.

Die Regierungen der EU-Länder und das Europäische Parlament müssen dem Plan jedoch noch zustimmen und die entsprechenden Rechtsgrundlagen sowie Finanzierungszusagen beschließen.