Stand: 01.10.2026, 07:19 Uhr
Neues San Siro für die EM 2032: Inter und Milan unter Zeitdruck. Die Entwürfe kommen bald – zieht Bürgermeister Sala die Zügel an?
In hundert Jahren hat das altehrwürdige San Siro die Kunst des Wartens gelernt. Was sind da noch 40 Tage, bis der Entwurf des künftigen Stadions präsentiert wird? Die eigene Veranstaltung findet zwischen Ende Oktober und Anfang November statt, während die Büros von Foster+Partners und Manica weiter am Design feilen und an der Präsentation arbeiten. Es handelt sich um dasselbe renommierte Architekturbüro, das das neue Wembley in London entworfen hat. Nach ersten Hinweisen haben die Architekten jedoch einige Details des alten Giuseppe-Meazza-Stadions beibehalten.
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Dieser Artikel von Filippo Conticello entstand in Kooperation mit Gazzetta dello Sport.
Bisher haben die Nerazzurri von Inter und die Rossoneri vom AC Mailand, die seit vergangenem November Eigentümer der Anlage sind, die künftige Kapazität mit 71.500 Plätzen angegeben, darunter über 13.000 „Premium“-Sitze. Konkrete Renderings fehlen der Stadt allerdings noch. Dieser Moment wird einen hohen Symbolwert haben, aus Sicht der Fans und der Bürger soll er dem Projekt Substanz verleihen und eine neue Phase einläuten. Bürgermeister Beppe Sala machte am Rande einer Veranstaltung Druck: „Ich hoffe, dass die Klubs sehr bald das neue Rendering des Stadions zeigen und garantieren, dass die Anlage für die Europameisterschaft 2032 fertig sein wird.“

Enge Fristen für das EM-Projekt
Sein römischer Amtskollege Roberto Gualtieri konnte in einem ganz anderen Zusammenhang bereits genauere Zeitpläne nennen. Das erhöht den Druck auf Mailand. Die Europameisterschaft, die Italien gemeinsam mit der Türkei organisiert, bestimmt den Kalender und setzt klare Rahmenbedingungen. Die Frist der EM verlangt einen äußerst strengen Zeitplan. Jede Verzögerung könnte Mailand das Turnier kosten.
Die entscheidende Frist
Der Plan sieht vor, das neue Stadion im Jahr 2031 zu vollenden, genau ein Jahr vor dem Turnier, wie es die strengen Vorgaben der Uefa verlangen. Um dieses Ziel zu erreichen, haben Stadt und Region vereinbart, die notwendigen Verfahren bis zum Sommer 2027 abzuschließen. Im zweiten Halbjahr 2027 sollen die Bagger rollen. Die Planungs- und Genehmigungsmaschinerie läuft bereits, seit die Gesellschaft Stadio San Siro Spa am 16. März den Umsetzungsplan eingereicht hat.
Im Anschluss folgen die Prüfung des technisch-wirtschaftlichen Machbarkeitsprojekts, die Umweltverträglichkeitsprüfung und die Konferenz der beteiligten Behörden. Alle Maßnahmen sind miteinander verknüpft: von der Verlegung des Patroclo-Tunnels über den Bau des neuen Stadions bis hin zum anschließenden teilweisen Abriss des Giuseppe-Meazza-Stadions. Jede Verzögerung in einem dieser Schritte hätte direkte Auswirkungen auf den Gesamtzeitplan bis 2031.
Gleichzeitig müssen Stadt und Region sicherstellen, dass die einzelnen Verfahren nahtlos ineinandergreifen, um juristische Blockaden zu vermeiden. Auch die Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien und der Uefa spielt eine Rolle, damit das Projekt rechtzeitig alle internationalen Anforderungen erfüllt. Die kommenden Jahre werden daher von einer engen Abstimmung zwischen allen Institutionen und den Klubs geprägt sein.
Erste Veränderungen rund um das Stadion
Unterdessen hat sich rund um das Stadion bereits einiges verändert. Die Profis beider Mailänder Klubs nutzten nach der Sommerpause bereits vermehrt die U-Bahn, da Parkplätze rund um die Arena zunehmend weichen. Im Juni wurde die Südkasse abgerissen – ein Überbleibsel aus nostalgischen Zeiten der Weltmeisterschaft 1990 und eine vorbereitende Maßnahme für das Bauvorhaben.
In der Zwischenzeit wird das Giuseppe-Meazza-Stadion weiterhin Inter und AC Mailand beherbergen, während direkt daneben sein Nachfolger entsteht. Nach Berechnungen der Klubs wird das neue San Siro einen Wert von 2 Milliarden und 149 Millionen Euro erreichen. Weiterhin steht der verpflichtende Gang vor das Verwaltungsgericht Tar an, ausgelöst durch zahlreiche Klagen der Bürgerinitiativen.
Dennoch haben AC Mailand und Inter Mailand, sowie die Eigentümer RedBird und Oaktree, nicht die Absicht, das Tempo ihres Projekts zu drosseln. Sie wollen an ihrem Zeitplan festhalten und die Arbeiten trotz der Rechtsstreitigkeiten und der politischen Debatte vorantreiben. Entscheidend wird sein, wie das Gericht die Klagen bewertet und welche Auflagen es möglicherweise für das weitere Verfahren macht, doch die Klubs bereiten sich darauf vor, das Projekt in jedem Fall weiterzuführen.