Stand: 17.08.2026, 06:30 Uhr
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Das Polizeipräsidium Osthessen wurde am Wochenende mit einem Tag der offenen Tür gefeiert. Wir sprachen mit Polizeipräsident Michael Tegethoff über das Jubiläum.
Fulda – Das Polizeipräsidium Osthessen besteht seit 25 Jahren. Am Wochenende wurde das mit Hunderten Besuchern und vielen Ehrengästen bei einem Tag der offenen Tür in Fulda gefeiert.

Im Interview spricht Polizeipräsident Michael Tegethoff über die wichtige Arbeit von 1.100 Menschen für die Sicherheit von Hunderttausenden.
Herr Tegethoff, welche Bedeutung hat das Polizeipräsidium mit Sitz in Fulda für Hessen?
Wir sind eines von sieben Flächenpräsidien in Hessen und wurden im Januar 2001 im Rahmen einer Polizeireform neu gegründet. Das war damals etwas Besonderes, da Fulda im Gegensatz zu allen anderen Standorten in Hessen vorher noch kein Präsidiumssitz war und damit nicht auf vorhandenen Strukturen aufgebaut werden konnte. Das ist auch der Grund, warum wir diesen besonderen Anlass am Wochenende gefeiert haben: Wir tragen seit 25 Jahren Verantwortung für die Sicherheit in den Landkreisen Fulda, Hersfeld-Rotenburg und im Vogelsbergkreis. In unserem Zuständigkeitsbereich wohnen rund 450.000 Menschen und er umfasst etwa 4000 Quadratkilometer. Damit decken wir 20 Prozent der Fläche Hessens ab und sind insbesondere durch eine niedrige Kriminalitätsbelastung sowie hohe Aufklärungsquoten eine der sichersten Regionen in Hessen.
Was macht Ihr Polizeipräsidium besonders?
Ganz sicher die Menschen, die in unserer Behörde arbeiten. Sie verrichten ihren Dienst sehr engagiert und erfolgreich. Die meisten von ihnen kommen aus der Region und arbeiten für die Region. Sie sind durch Freunde, Familie und Vereine gut vernetzt. Zudem können wir uns auf starke Partnerschaften, insbesondere mit den Kommunen, den anderen Blaulichtorganisationen, der Justiz und vielen präventiv arbeitenden Stellen, wie den staatlichen Schulämtern, verlassen. Ich glaube, dass wir auch eine hohe Akzeptanz bei den Bürgerinnen und Bürgern genießen. Eine weitere Besonderheit für unsere Region: Wir haben mit dem Oberzentrum Fulda und den direkt angrenzenden Gemeinden Petersberg, Eichenzell und Künzell großstadtähnliche Strukturen, in denen es zu einer verdichteten Einsatzfrequenz kommt. Gleichzeitig betreuen wir weitläufig ländliche Bereiche wie die Rhön, den Vogelsberg oder Waldhessen mit weiten Anfahrtswegen zu den Einsatzorten. Hinzu kommen nationale und internationale Fernstraßen mit bedeutenden Verkehrsknotenpunkten. Diese Vielfalt prägt nicht nur unser Präsidium selbst, sondern bildet zugleich unsere tägliche Herausforderung ab, an allen Orten, wo wir als Freund und Helfer gebraucht werden, präsent, ansprechbar und handlungsfähig zu sein.
Wie viel Personal steht Ihnen für diese Aufgabe zur Verfügung?
Wir haben rund 1.100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verteilt auf alle drei Landkreise und in den unterschiedlichsten Bereichen wie Schutz- und Kriminalpolizei. Natürlich arbeiten aber auch viele Kolleginnen und Kollegen im Hintergrund, die in der Verwaltung und in technischen Bereichen die Arbeit der Vollzugsbeamtinnen und -beamten unterstützen und daher unverzichtbar sind.
Wie hat sich diese Zahl in den vergangenen Jahren entwickelt?
Positiv. Als das Präsidium 2001 gegründet wurde, waren es knapp 800 Beschäftigte. Insbesondere in den vergangenen fünf Jahren hatten wir durch die Sicherheitspakete der Landesregierung einen stärkeren Aufwuchs um circa 100 zusätzliche Vollzugsbeamtinnen und -beamte.
Brauchen Sie diese zusätzlichen Kräfte auch, weil die Arbeit insgesamt anspruchsvoller und komplexer geworden ist?
Die Arbeit ist komplexer geworden, ja. Die Kriminalität hat sich verändert – sie ist internationaler und vor allen Dingen digitaler geworden. Es gibt kaum noch Straftaten, bei denen digitale Spuren keine Rolle spielen. Das sind für uns Herausforderungen, auf die wir reagieren, aber auch Chancen, da Polizeiarbeit hierdurch effizienter werden kann.
Haben Sie ein Beispiel?
Wir arbeiten mittlerweile mit Smartphone-Apps, beispielsweise bei der Verkehrsunfall- oder der Strafanzeigenaufnahme. Auch die Onlinewache ist ein gutes Beispiel, weil sie es Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht, niedrigschwellig Delikte von zu Hause aus anzuzeigen.
Digitalisierung kann aber auch zum Problem werden. Gefälschte Fotos und sogar Videos können heutzutage mittels Künstlicher Intelligenz (KI) ohne große technische Expertise schnell und einfach erstellt werden. Wo früher ein Foto als klarer Beweis gelten konnte, ist das heute nicht mehr so einfach. Inwiefern verändert das die Polizeiarbeit?
Das ist natürlich eine Herausforderung. Bildmaterial ist heute kein automatischer Beweis mehr. Deshalb müssen wir jede digitale Spur forensisch prüfen. Ein aktuelles Beispiel ist der Alsfelder Bürger, der bei der Fußball-WM in den USA im Publikum fotografiert wurde. Das Bild wurde dann so manipuliert, dass er aussah wie Adolf Hitler. Hierzu läuft ein Strafverfahren.
Welche weiteren Problemfelder haben sich durch die Digitalisierung für die Polizei ergeben?
Es sind neue Kriminalitätsphänomene entstanden, die im digitalen Raum stattfinden beziehungsweise bei denen digitale Medien eine große Rolle spielen, beispielsweise in Bereichen der Kinder- und Jugendpornografie, Hassreden oder Betrugsstraftaten sowie durch Cyberangriffe und Schadsoftware von Erpressern. Wir reagieren darauf, indem wir zum Beispiel im Bereich der sexualisierten Gewalt und Kinderpornografie eine spezialisierte Einheit in unserem Präsidium eingerichtet haben. Dort werden Kinder- und Jugendpornografie, aber auch Sexualdelikte, bei denen es zu Missbrauchstaten gekommen ist, zentral bearbeitet. Personal wird also auch benötigt, um solchen Phänomenen Rechnung zu tragen und neue Schwerpunkte zu setzen. Zudem spielen in diesem Bereich auch technische Beweissicherungs- und Auswertemöglichkeiten eine wichtige Rolle, um die Masse an sichergestellten Datenträgern zu bewältigen.
Technisch verändert sich die Polizei, etwa mit Bodycams, aber auch mit Drohnen. Welche Rolle spielen die fliegenden Helferinnen für die Polizeiarbeit?
Wir setzen sie zur Tatortarbeit ein, etwa um Übersichtsaufnahmen aus großer Höhe anzufertigen, was vorher ein Hubschrauber hätte erledigen müssen. Die Drohne ersetzt den Hubschrauber in vielen Fällen, aber auch bei Aufklärungs- und Suchmaßnahmen, und sie kommt bei der Unfallaufnahme zum Einsatz. Schwerpunktmäßig werden Drohneneinsätze aber im hessischen Polizeipräsidium gebündelt, wo die Fliegerstaffel über eine Drohneneinheit verfügt. Diese war zum Beispiel während des Hessentags in Fulda vor Ort, wo sie fremde Drohnen detektieren konnte und in der Lage gewesen wäre, diese im Bedarfsfall abzuwehren.
Sie sind seit knapp vier Jahren im Amt. Welche Meilensteine hat das Präsidium in dieser Zeit aus Ihrer Sicht erreicht?
Neben der Digitalisierung war der gerade erwähnte Hessentag ein Meilenstein für uns. Mehr als eine Million Menschen haben zehn Tage lang gefeiert, während mehr als 3.500 Kolleginnen und Kollegen für Sicherheit gesorgt haben. Wir haben auf unseren Einsatz, der bürgernah und nicht überbordend wahrgenommen wurde, sehr positive Resonanz aus der Bevölkerung erfahren. Die Menschen haben sich sehr sicher gefühlt. Das war nur dank intensiver Vorbereitung und viel Engagement aller Beteiligten und Sicherheitspartner möglich. Darauf bin ich sehr stolz.
Sie sprechen es an: Neben der tatsächlichen Sicherheitslage spielt auch die gefühlte Sicherheit eine immer größere Rolle. Wie hat sich das aus Ihrer Sicht in den vergangenen Jahren entwickelt?
Das Sicherheitsgefühl kann aus unterschiedlichsten Richtungen negativ beeinflusst werden. Dazu gehören Angsträume, aber auch die mediale Berichterstattung, zum Beispiel über Gewaltverbrechen, und natürlich Gerüchte in den sozialen Medien, in denen viel spekuliert wird.
Wie begegnen Sie dem?
Mit eigener Kommunikationsarbeit, aber auch mit einer erhöhten Präsenz, gerade in Bereichen, wo es dunkle Ecken gibt oder sich kriminelle Personengruppen aufhalten, was zur Verunsicherung beiträgt. Hier arbeiten wir ebenso eng mit unseren Partnern zusammen, denn Sicherheit ist keine alleinige Aufgabe der Polizei, sondern auch die der Kommunen oder der Bundespolizei am Bahnhof. Außerdem wollen wir mit dem KOMPASS-Programm die Sicherheit stärken.
Stellen Sie fest, dass das tatsächlich wirkt?
Die Wirkung unserer präventiven Maßnahmen ist schwer zu messen. Diesbezüglich gibt es bisher noch keine wissenschaftliche Erhebung mit einem Vorher-Nachher-Vergleich für unsere Region, sodass ich dazu keine abschließende Auskunft geben kann. Im Vergleich der letzten 25 Jahre lässt sich jedoch feststellen, dass die Anzahl der Straftaten erheblich abgenommen hat, nämlich um rund 25 Prozent, gemessen an dem höchsten Wert. Die Spitze lag bei 25.500 Straftaten im Jahr 2006. Aktuell lagen wir im Jahr 2025 bei einem Gesamtstraftatenaufkommen von 18.400. Auch in der langfristigen Betrachtung sinken die Straftaten. Dies dürfte sicherlich auch mit unseren präventiven Maßnahmen zu tun haben.
Die Schere zwischen der tatsächlichen und der gefühlten Sicherheit scheint auseinanderzugehen: Während die Region tatsächlich immer sicherer wird, scheinen sich die Menschen immer unterschiedlicher zu fühlen.
Das Sicherheitsniveau wird oft anders wahrgenommen, als es sich in den Statistiken zeigt, das ist richtig. Wir versuchen deshalb, die Realität durch die Vorstellung der polizeilichen Kriminalstatistik und durch begleitende Veranstaltungen besser zu vermitteln. Wir führen beispielsweise alljährlich eine Veranstaltung durch, bei der Menschen im Mittelpunkt stehen, die Zivilcourage gezeigt haben, auch um zu zeigen: Es gibt diesen Gegenpol.
Nichtsdestotrotz ist die Gesellschaft heute eine andere als noch vor 25 Jahren. Das oft zitierte „rauere Klima“ trifft immer wieder Einsatzkräfte, auch von der Polizei. Wie gehen Sie damit um?
Unsere Kolleginnen und Kollegen merken das jeden Tag: Übergriffe auf Polizeibeamte, Widerstände, Beleidigungen, Respektlosigkeiten. Die Zahlen sind zwar nicht gestiegen, aber weiterhin auf einem hohen Niveau. Wir beobachten diese Entwicklung daher mit Sorge und reagieren mit einer angepassten Ausbildung, Kommunikationstraining und Bodycams. In letzter Konsequenz setzen wir auch auf Abschreckung, beispielsweise durch Taser.
Betrachten wir das Gesamtbild. Wie zufrieden sind Sie aktuell damit, wie Ihr Polizeipräsidium aufgestellt ist?
Obwohl immer „Luft nach oben“ ist, bin ich sehr zufrieden. Wir sind so aufgestellt, dass wir unsere Kernaufgabe – Verantwortung für die Sicherheit der Menschen hier in unserer Region zu tragen – gut erfüllen können. Die positive Entwicklung hinsichtlich der Kriminalität zeigt aus meiner Sicht, dass wir einen guten Job machen. Dasselbe gilt bei Verkehrsunfällen: Die Unfallzahlen sind in den letzten drei Jahren – gegenläufig zum Landestrend – rückläufig. Die Anzahl der im Straßenverkehr zu Tode gekommenen Personen ist von 76 im Jahr 2001 auf 17 im Jahr 2025 zurückgegangen – ein Minus von mehr als 75 Prozent. Beides ist unter anderem das Ergebnis engagierter Polizeiarbeit, für die ich an dieser Stelle meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Danke sagen möchte.
Was plant Ihr Präsidium für die Zukunft?
Die Digitalisierung wird uns weiter begleiten, und deshalb müssen wir uns insbesondere in diesem Bereich ständig technisch und personell weiterentwickeln. Wir möchten uns im Bereich der Prävention noch besser aufstellen, etwa mit Schutzfrauen und -männern vor Ort (SvO). Sie haben keinen festen Auftrag wie Straftatenbekämpfung oder eigene Ermittlungen, sondern sind dafür gedacht, Ansprechpartner für den Bürger und für die Kommune in einer Stadt oder in einer Gemeinde zu sein und vor allem präventiv zu wirken. Das soll – wie auch der freiwillige Polizeidienst – für eine weiterhin bürgernahe Polizeiarbeit sorgen. Eine Polizeiarbeit auf Augenhöhe stärkt das Vertrauen der Bürger in unsere Arbeit und sorgt für ein positiveres Sicherheitsgefühl.
Michael Tegethoff (61) ist seit November 2022 Präsident des Polizeipräsidiums Osthessen in Fulda. Tegethoff wurde in Fulda geboren und begann seine Laufbahn mit 19 Jahren im mittleren Dienst der hessischen Polizei. Er durchlief alle Laufbahngruppen und absolvierte ein Studium an der Deutschen Hochschule der Polizei in Münster. Er war unter anderem in Offenbach, Hanau und Fulda sowie im hessischen Innenministerium und leitete zeitweise die Polizeidirektion Kassel.