Stand: 17.08.2026, 06:30 Uhr
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Daniel Sangel kandidiert erstmals für den Brockeler Gemeinderat. Er hat eine Plattform erstellt, auf der Einwohner nicht nur Straßenschäden oder defekte Laternen melden können.
Brockel – „Ich kandidiere das erste Mal“, erzählt der Brockeler Daniel Sangel der Mediengruppe Kreiszeitung am Telefon anlässlich der Kommunalwahl am 13. September. Auf der SPD-Liste steht er auf Platz vier. Seine Chance, in den Gemeinderat gewählt zu werden, schätzt er auf fünfzig zu fünfzig. „Wenn, dann freue ich mich“, sagt er.
Start in Kommunalpolitik in Brockel
Bei der Kommunalwahl 2021 wurden im elf Sitze umfassenden Gemeinderat sechs Sitze an die CDU, vier an die Bürgerliste und einer an die FDP vergeben. „Ich bin während der letzten Wahlperiode nach Brockel gezogen“, berichtet Sangel. Bei der Bürgerliste sei er dann eingestiegen, „um mir das erst mal anzuhören“. Ehrenamtlich aktiv sei er immer schon gewesen. Angefangen bei der Freiwilligen Feuerwehr in seinem Heimatdorf, zuletzt fünf Jahre bei der Menschenrechtsorganisation Amnesty International in Hamburg.
Als er zurück aufs Land zog, sei er in der Kommunalpolitik und in der Brockeler Bürgerliste gelandet, wie er sagt. Parteipolitisch könne sich Sangel mit den Sozialdemokraten identifizieren, Parteimitglied sei er allerdings nicht. Er sei nicht mit allem einverstanden, was aktuell auf bundespolitischer Ebene passiert. Weil der stellvertretende Vorsitzende der Fraktion Bürgerliste, Mike Ertel, SPD-Mitglied ist, sei die Idee aber dennoch entstanden, sich für die diesjährige Kommunalwahl mit der SPD zusammenzutun. Hinzu kommen laut Sangel einige „Abgänge aus privaten Gründen“. Dazu zählten unter anderem Wegzüge und das hohe Alter einiger bisheriger Mitglieder. Für die kommende Wahl stehen zehn Kandidaten der CDU, sieben der SPD und ein Kandidat der AfD auf den zugelassenen Wahlvorschlägen.
„Ich habe zwei Jobs neben der Gemeindearbeit“, gibt Sangel einen Einblick. Ob das nicht zu viel sei, beantwortet er klar mit „Nein“, denn die Ratssitzungen könne man an einer Hand abzählen. Was sich ändern würde, sollte er in den Rat gewählt werden, sei keine Mehrarbeit. „Aber ich würde mitbestimmen und eigene Punkte einbringen“, so der Brockeler. Er sei immer schon politisch interessiert gewesen und „es macht mir Spaß“. Bei den auf den Flyern vorgestellten Themen, um die sich die Brockeler SPD kümmern möchte, stehen klassische Dorfthemen im Mittelpunkt.
Zusammenhalt im Dorf stärken
Sangel wolle zusammen mit seinen Mitstreitern „aktiv daran arbeiten, den Zusammenhalt bei uns im Dorf zu stärken, Menschen wieder stärker miteinander ins Gespräch zu bringen und ihnen mehr Möglichkeit zu geben, sich einzubringen und mitzugestalten“ – und das generationenübergreifend. Den Schlüssel sehen sie in konkreten Verbesserungen, wie digitale Dienstleistungen für alle nutzbar zu machen. Eine Idee hat der Brockeler Ehrenamtler dazu bereits umgesetzt: Auf einem selbst erstellten Dorfportal informiert er über Veranstaltungen und ermöglicht Bürgern unter anderem, Straßenschäden oder defekte Laternen zu melden. Auch Vereine und Veranstalter können dort auf ihre Angebote aufmerksam machen. Diese Idee, einfacher über Veranstaltungen informiert zu werden, sei von den Älteren an Sangel herangetragen worden. „Ich möchte aber nicht, dass man das Portal passiv konsumiert“, macht er deutlich. Die Idee hinter dem Portal sei ein aktives Einbringen der Brockeler füreinander. So könne man Anliegen aus dem Dorf direkt aufnehmen und sich regelmäßig austauschen. „Auch, weil ich nicht alles kenne“, erklärt der Zugezogene. Die Idee sei aus der Bürgerliste hervorgegangen, „ich habe das in die SPD mitgenommen“, erklärt dieser. Ihm sei es wichtig, „die Menschen abzuholen“. Ihm fehle in der Politik oft der direkte Bezug zu den Bürgern. Eine stärkere Einbindung der Brockeler in politische Entscheidungen ist einer der Schwerpunkte, um die sich die Brockeler SPD kümmern möchte.
Der Elefant im Raum
Warum sind solche proaktiven Angebote für die Bürger von der Politik wichtig? „Das ist immer der Elefant im Raum“, beginnt Sangel. Und eigentlich möchte er dem Thema nicht zu viel Raum geben. Doch man müsse das klar benennen, denn: „Wir haben einen Rechtsruck im Land.“ Und auch in Brockel stellt sich erstmals ein Kandidat für die AfD auf. Sangel habe den Eindruck, dass auf kommunalpolitischer Ebene, also direkt vor der eigenen Haustür der Menschen, wenig präventiv gegen einen Rechtsruck getan werde. So entstehe laut Sangel der Eindruck bei den Bürgern, das Problem sei weit weg. „Aber die AfD ist da, sie ist schon in den Köpfen der Wähler“, betont der Brockeler. „Ich möchte, dass wir uns mit dem Thema befassen“, fügt er hinzu. Noch sei man, so Sangel, in Brockel in der bequemen Position, dass es nur einen AfD-Kandidaten gibt. Doch darauf sollten sich die Brockeler nicht ausruhen, warnt der Ehrenamtler.
Damit die Gemeinde im Austausch bleibt, haben Sangel und seine Mitstreiter viele Ideen. Neben dem Dorfportal kann sich Sangel ein regelmäßiges Austauschtreffen zwischen Bürgern und Politikern vorstellen. Sein Ziel: „Die Menschen abzuholen“ und ihnen mehr Möglichkeiten zu geben, sich einzubringen.