Potsdamer Vereine stellen sich vor: 75 Jahre Sport an der Berliner Straße beim ESV Lokomotive Potsdam

Vereine stärken den gesellschaftlichen Zusammenhalt, und prägen in ihrer Vielfalt das Gesicht einer Stadt. Vereine integrieren, sind ein Mittel gegen Einsamkeit und Anonymität. Sie fördern das Miteinander, das Wir. Um der Bedeutung von Vereinen in Potsdam gerecht zu werden, stellen die Potsdamer Neuesten Nachrichten Aktive in der Serie „Vereinsmeierei“ vor.

Heute: ESV Lokomotive Potsdam e.V. Die Fragen beantwortete Jürgen Happich, 1. Vorsitzender des Vereins.

Was sollten Potsdamerinnen und Potsdamer über Ihren Verein wissen?
Der ESV Lokomotive Potsdam wurde 1951 gegründet und ist unter dem Motto „Mehr als ein Verein, seit 1951“ heute mit 14 Abteilungen einer der vielfältigsten Sportvereine der Stadt: Das reicht von Leichtathletik über Wassersport an unserer eigenen Marina an der Havel bis zu Fußball, Kegeln, Karate, Tanzsport und weiteren Sportarten. Wir zählen rund 1300 Mitglieder aller Altersgruppen. In diesem Jahr feiern wir zudem unser 75. Jubiläum, das wir am 26. September 2026 groß begehen werden.

ESV Lokomotive Potsdam, 1. Vorsitzender Jürgen Happich (2026)

Jürgen Happich ist 1. Vorsitzender des ESV Lokomotive Potsdam.

© Olaf Gutowski, gutfilm medien / ESV Lok Potsdam

Warum ist die Arbeit Ihres Vereins bedeutsam?
Wir bringen Menschen aller Generationen zusammen – vom Nachwuchs bis zu unseren Meisterathletinnen und -athleten, die international für Furore sorgen: Allein in der Leichtathletik haben unsere Mastersportler 53 WM-Goldmedaillen und 63 EM-Goldmedaillen sowie zwölf Weltrekorde errungen. Damit zeigen wir, dass Sport in jedem Alter Leistung, Gemeinschaft und Lebensfreude stiften kann.

Welches Vorurteil über Ihren Verein stimmt nicht?
Viele denken, ein Verein mit „Lokomotive“ im Namen und Wurzeln in der DDR-Zeit sei verstaubt oder nur etwas für ältere Mitglieder. Das Gegenteil ist der Fall: Wir arbeiten gerade intensiv an einer Modernisierung unserer Abteilungen, unseres Erscheinungsbilds und unserer Satzungen und sind für Mitglieder jeden Alters offen – von der Nachwuchsförderung bis zum Mastersport.

Was ist Ihr größter Vereinserfolg?
Nach der Neugründung 1990 – aus der BSG wurde der juristisch und wirtschaftlich selbstständige ESV – ist es uns in den zurückliegenden 36 Jahren gelungen, den komplexen Sportbetrieb auf unserem Sportgelände in der Berliner Straße auf konstant hohem Niveau zu sichern. Als größter Erfolg ist zu werten, dass wir trotz vollständiger Eigenfinanzierung die Modernisierung unserer Infrastruktur gestemmt haben – mit dem Neubau des Vereinsheims, der Rekonstruktion der Altbauten sowie zusätzlichen Spiel- und Trainingsplätzen. Das war nur durch Verzicht, Entbehrungen und das große Engagement unserer Mitglieder möglich.

Von welchem gemeinsamen Erlebnis spricht man in Ihrem Verein noch heute?
In einem Mehrspartenverein unserer Größe sind herausragende gemeinsame sportliche Erlebnisse eher abteilungsspezifisch geprägt. Auf Vereinsebene bleibt jedoch die Eröffnung unseres neu gebauten Vereinsheims im Jahr 2000 nach einjähriger Bauzeit unvergessen. Der eigentliche gemeinsame Nenner über alle Abteilungen hinweg ist leider ein anderer: die seit nunmehr 26 Jahren andauernde Auseinandersetzung um unser Grundstück – und damit um die Zukunft des Vereins und die Nachhaltigkeit unseres Sportangebots in der Berliner Straße.

Was wünschen Sie sich als Verein von Oberbürgermeisterin Noosha Aubel?
Wir wünschen uns zukünftig einen relevanten, den Gegebenheiten entsprechenden Betriebskostenzuschuss. Von unserem Sportangebot profitieren nicht nur unsere Mitglieder, sondern die gesamte Bevölkerung Potsdams. Die 100-prozentige Kostenträgerschaft des Vereins – unter anderem für Betriebsführung und Instandhaltung – findet bislang keine finanzielle Abbildung in einer gerechtfertigten Größenordnung. Ebenso hoffen wir auf eine faire und konstruktive Lösung im langjährigen Grundstücksstreit mit dem Bundeseisenbahnvermögen, damit wir endlich langfristig und sicher planen können.

Wie kann man Ihren Verein am besten unterstützen?
Am meisten helfen uns neue Mitglieder, ehrenamtliches Engagement in unseren Abteilungen sowie finanzielle oder materielle Unterstützung bei der Sanierung unserer Sportanlagen. Auch Sachspenden oder Sponsoring rund um unser 75. Jubiläum am 26. September 2026 sind herzlich willkommen.

Wo und wie kann man in Ihrem Verein mitmachen?
Interessierte können sich direkt über unsere Website lok-potsdam.de oder persönlich bei den jeweiligen Abteilungen melden – wir freuen uns über neue Gesichter in allen 14 Abteilungen, von Leichtathletik und Wassersport bis Kegeln und Karate.