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Vom Privatparkplatz bis zum Zebrastreifen Stadt Wiesbaden entfernt 170 selbst gemalte Straßenmarkierungen
Die Stadt Wiesbaden will ein neues Verkehrsleitsystem einführen. Bei den Vorbereitungen dafür fällt auf: In den Straßen wimmelt es von Markierungen, die dort eigentlich nicht hingehören.
Mitarbeiter der Stadt entfernen Markierungen am Boden, die dort eigentlich nicht sein dürften. Bild © Hanna Neuberger (hr)
Minutenlang, Meter für Meter, muss Hassam Aldim die Bordsteinkante mit einer Flex bearbeiten, damit die weiße Farbschicht darauf langsam dünner wird und irgendwann ganz verschwindet. "An anderen Stellen geht man einmal mit der Farbe drüber, und es ist weg", sagt Aldim. Die Farbe auf der schiefen Bordsteinkante sei aber besonders hartnäckig.
Bild © hr
Dabei ist die Markierung an einer Einfahrt im Wiesbadener Rheingauviertel erst der Anfang einer langen Liste, durch die sich Aldim und seine Kolleginnen und Kollegen in den kommenden sechs Monaten Straße für Straße, Stadtteil um Stadtteil, durch Wiesbaden arbeiten sollen.
Vom Privatparkplatz bis zum Zebrastreifen im Kreisverkehr
Um ein neues, digitales Verkehrsleitsystem einzurichten, habe man alle Straßen digital "abgescannt", erklärt Marc Dahlen (CDU), Mobilitätsdezernent der Stadt. Dann habe man die Aufnahmen mit den offizielen Daten aus dem Verkehrskataster abgegblichen und festgestellt: "Da sind einige Markierungen dabei, die da nicht hingehören."
Meist gehe es um weiße Markierungen für vermeintliche Parkplätze, Halteverbote oder größere Einfahrten, aber auch ein Zebrastreifen mitten in einem Kreisverkehr stehe auf der Liste. Insgesamt habe man rund 170 Markierungen gefunden, über das gesamte Stadtgebiet verteilt.
"Das klingt auf den ersten Blick vielleicht amüsant", so Mobilitätsdezernent Dahlen. "Tatsächlich können solche Eingriffe aber gefährlich werden." Auch weil die illegale Farbe teilweise den Straßenbelag angreife, müssten die gefälschten Markierungen nun weg.
Weitere Informationen
Digitales Verkehrsleitsystem in Wiesbaden
- Die Stadt Wiesbaden will mit ihrem Projekt "Digi-V" unter anderem Ampeln vernetzen und mit Sensoren und Kameras laufend Verkehrs-, Umwelt- und Wetterdaten sammeln.
- Die Daten werden in Echtzeit ausgewertet, sodass der Verkehr über Ampelschaltungen und digitale Schilder je nach Situation so gelenkt werden soll, dass es weniger Staus gebe.
Verursacher sollen vorerst keine Strafen zahlen
An der Einfahrt im Rheingauviertel, wo Hassam Aldim und sein Kollege an diesem Donnerstag den Anfang machen, ist ein Pfeil auf den Gehweg gemalt, der in eine Einfahrt zeigt. Drumherum grenzen weitere weiße Linien den Bereich der Einfahrt ab - eine davon, die besonders Hartnäckige, auf der Bordsteinkante.
Mit der Flex werden die Self-made-Parkplätze entfernt. Bild © Hanna Neuberger (hr)
Wer die Linien aufgemalt haben könnte? Als der Hausmeister des Hauses vorbeikommt, will er sich dazu nicht äußern. Verständnis dafür, dass die Markierungen nun verschwinden sollen, hat er aber nicht: "Es geht ja nur darum, dass die Leute sehen, dass da eine Ein- und Ausfahrt ist", sagt der Mann. Ohne die Markierungen werde der Bereich ständig zugeparkt.
Dezernent: "Sparen Sie sich die Farbe"
Laut der Stadt steht bei der aktuellen Aktion nicht im Vordergrund, die mutmaßlichen Verursacher zu finden oder zu belangen. Bei wiederholten Verstößen behalte man sich aber vor, die Kosten für die Schäden und die Entfernung dann auch von den Verursachern erstatten zu lassen.
Zunächst wird also die Stadt die Kosten für die Entfernungs-Aktion tragen. In welcher Höhe? Das lasse sich noch nicht abschätzen, sagt Dezernent Dahlen. Ihm gehe es nun erst einmal um die Sensibilisierung: "Sparen Sie sich die Farbe, sparen Sie sich den Weg in den Baumarkt. Wir werden es wieder wegmachen."
Ende des Videobeitrags