Trotz Milliardengewinn: Münchner Versicherer streicht 800 Jobs und schließt drei Standorte
Stand: 24.10.2026, 18:45 Uhr
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Der Versicherungskonzern Generali will in Deutschland 800 Arbeitsplätze abbauen. Drei Standorte stehen vor dem Aus – gleichzeitig investiert das Unternehmen Millionen in KI.
München – Der Versicherungskonzern Generali steht wirtschaftlich gut da. Mehr als eine Milliarde Euro operatives Ergebnis erzielte das Unternehmen 2025 allein in Deutschland. Dennoch müssen sich Hunderte Beschäftigte auf erhebliche Veränderungen einstellen. Der Versicherer plant den Abbau von rund 800 Arbeitsplätzen und will drei deutsche Standorte vollständig aufgeben.
Betroffen sind Aachen, Nürnberg und Stuttgart. Bis Ende 2030 sollen die dortigen Teams mit anderen Niederlassungen zusammengeführt werden. Wie Generali am Freitag (23. Oktober) mitteilte, handelt es sich um einen umfassenden Umbau, mit dem das Unternehmen seine Kosten senken und die Wettbewerbsfähigkeit verbessern will.
Generali schließt drei Standorte – 800 Arbeitsplätze fallen weg
Künftig soll sich die Generali Deutschland auf fünf Regionalzentren konzentrieren: München, Köln, Karlsruhe, Hamburg und Saarbrücken. Die Beschäftigten aus Aachen sollen nach Köln wechseln, die Teams aus Nürnberg nach München und jene aus Stuttgart nach Karlsruhe. Daneben bleiben Spezialstandorte in Frankfurt, Leipzig und Berlin bestehen.
Hinter dem Umbau stehen auch veränderte Arbeitsbedingungen. Weil Beschäftigte häufiger mobil oder im Homeoffice arbeiten, benötigt der Versicherer nach eigenen Angaben weniger Büroflächen. Die Zusammenlegung soll deshalb Gebäudekosten sparen und die Zusammenarbeit erleichtern.
Besonders überraschend kommt die Entscheidung in Aachen. Dort wurde erst vor vergleichsweise kurzer Zeit erheblich in einen neuen Gebäudekomplex investiert. Nach Informationen des WDR flossen gut 100 Millionen Euro in den Standort. Nun steht er dennoch vor dem Aus.
Die Beschäftigten wurden laut WDR am Freitag per E-Mail über die Pläne informiert. Für Montag ist demnach eine außerordentliche Mitarbeiterversammlung vorgesehen.
Stellenabbau trotz Milliardenergebnis: Generali investiert in KI
Der Arbeitsplatzabbau erfolgt nicht aus einer akuten wirtschaftlichen Notlage heraus. Generali zählt zu den größten Versicherungsgruppen in Deutschland und betreut mehr als neun Millionen Kunden.
Im Geschäftsjahr 2025 erzielte das Unternehmen Beitragseinnahmen von 15,5 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis erreichte 1,04 Milliarden Euro. Nach eigenen Angaben beschäftigt Generali in Deutschland rund 9100 Menschen. Die geplanten 800 wegfallenden Arbeitsplätze entsprechen rechnerisch knapp neun Prozent dieser Belegschaft.
Gleichzeitig kündigt der Versicherer hohe Investitionen an. Ein dreistelliger Millionenbetrag soll in die Modernisierung der IT, Digitalisierung und Anwendungen künstlicher Intelligenz fließen.
Die neuen Technologien sollen Abläufe effizienter machen und die Produktivität erhöhen. Dadurch sollen künftig Tätigkeiten im Umfang von 800 Arbeitsplätzen entfallen. Welche konkreten Berufsgruppen besonders betroffen sein werden, geht aus der bisherigen Mitteilung nicht hervor.
Darüber hinaus will Generali bestimmte Aufgaben künftig von externen Dienstleistern erledigen lassen. Auch interne Organisations- und Führungsstrukturen sollen vereinfacht werden.
Was bedeutet der Stellenabbau für die Beschäftigten?
Generali verspricht, die Veränderungen sozialverträglich umzusetzen. Der Abbau soll insbesondere über bevorstehende Renteneintritte, natürliche Fluktuation sowie freiwillige Altersregelungen erfolgen.
Personalvorstand Arne Benzin verweist zudem auf eine Arbeitsplatz- und Standortgarantie bis Ende 2030. Die langfristige Planung solle helfen, gemeinsam mit der Arbeitnehmervertretung tragfähige Lösungen zu entwickeln.
Allerdings sind die Einzelheiten noch nicht abschließend geregelt. Das Unternehmen hat Verhandlungen mit dem Konzernbetriebsrat über die geplanten Veränderungen aufgenommen.
Zugleich sollen neue Beschäftigte eingestellt werden, die Qualifikationen für künftig benötigte Aufgaben mitbringen. Damit verändert sich nicht nur die Zahl der Arbeitsplätze, sondern auch das Anforderungsprofil innerhalb des Unternehmens. (Quellen: Generali, WDR, AFP) (mare)