Pro & Kontra: Männerschnupfen

Pro & Kontra

Pro & Kontra: Männerschnupfen

Der Männerschnupfen existiert. Aber ist er wirklich schlimm(er)?

Pia Kruckenhauser Daniel Retschitzegger

Man blowing his nose while lying sick in bed
Der Männerschnupfen existiert. Aber ist er wirklich schlimm(er)?

Pro & Kontra ist eine in der STANDARD-Beilage "RONDO" erscheinende Rubrik, die auf humoristische Weise Themen aus dem Alltag diskutiert. Dieser Artikel stammt aus dem aktuellen RONDO Exklusiv zum Thema "Männer".

Pro:

Ja, es gibt ihn tatsächlich. Der Männerschnupfen existiert. Die immunologische Forschung hat nachgewiesen, dass Männer Infektionen potenziell intensiver spüren als Frauen.

Schuld daran sind die Gene. Und die Hormone. Viele Gene, die für das Immunsystem relevant sind, sitzen auf dem X-Chromosom – und weil Frauen über zwei davon verfügen, haben sie eine Art Backup. Zudem stimuliert Östrogen eine stärkere Immunantwort. Eh klar, frau ist ja für den Fortbestand der Menschheit zuständig.

Also ja, Männerschnupfen ist schlimm(er). Rechtfertigung fürs Jammern ist das trotzdem keine. Es ist nämlich ebenso gut erforscht, dass Männer Beschwerden subjektiv für schlimmer halten als Frauen.

Glücklich ist, wer einen Mann des Herzens wie die Autorin hat. Ist er einmal krank, ist er zwar auch sehr arm – aber er will dabei seine Ruhe haben. Gut so, denn helfen kann man ihm ohnehin nicht, Gliederschmerzen sind nicht teilbar. Dafür bleiben ausreichend Zeit und Nerven, kräftigende Suppe für die Rekonvaleszenz zu kochen. (Pia Kruckenhause, 17.9.2026)

Kontra:

Bei leidenden Männern muss ich immer an eine Szene aus "Scrubs", eine meiner liebsten Serien, denken. Die geht so: Eine Frau liegt in den Wehen und ihr Mann, der daneben sitzt, beißt sich unabsichtlich auf die Zunge. Wer von den beiden in diesem Moment mehr Qualen leidet, können sich die Leser dieser Zeilen schon denken. Liebe männliche Kollegen, reissts eich zam. Schnupfen ist unangenehm und mag bei uns wirklich stärker ausgeprägt sein.

Trotzdem taugt eine rinnende Nase nicht für die Rolle des geschundenen Kriegers. In der U-Bahn am Heimweg vor sich hin zu schniefen, ist mühsam. Mit den Entbehrungen des Odysseus hat es trotzdem wenig gemeinsam. Erkundigt euch, welche Schmerzen manche Frauen einmal im Monat ertragen müssen und falls ihr euch fragt, warum ihr davon noch nie etwas mitbekommen habt, ist das bereits die Antwort. Tatsächliche physische und psychische Schmerzen sollten nicht totgeschwiegen werden.

Wer wirklich krank ist, hat Mitgefühl und Betreuung verdient. Wenn Mann sich selbst bemitleidet, ödet er damit aber hauptsächlich seine Umgebung an. (Daniel Retschitzegger, 17.9.2026)

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