Putin eskaliert – gegen Europa

Hans Rauscher

Putin eskaliert – gegen Europa

Attacken an der Grenze zum offenen Krieg – auch Österreich muss damit rechnen

Kolumne

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Hans Rauscher

Ein Mann sitzt an einem Schreibtisch in einem prunkvoll eingerichteten Raum mit Holzvertäfelung. Hinter ihm sind die russische Flagge und das russische Staatswappen zu sehen. Vor ihm liegen Dokumente.
Russlands Präsident Wladimir Putin setzt weiter auf Eskalation.

Was wird Wladimir Putin tun, wenn der Krieg gegen die Ukraine nicht so läuft, wie er sich das vorstellt? Wird er endlich in substanzielle Verhandlungen eintreten, endlich die eigenen Riesenverluste an Menschen und Material zur Kenntnis nehmen? Diese Frage bewegt die interessierte europäische Öffentlichkeit derzeit.

Putin gibt auch eine Antwort: Er eskaliert. Und zwar vor allem gegen die europäischen Unterstützer der Ukraine mit hybriden und kaum mehr versteckten Borderline-Angriffen. Borderline im dreifachen Sinn: an der geografischen Grenze, an der psychischen und an der zum offenen Krieg.

Verunsichern und destabilisieren

Die letzte Attacke war ein Drohnenangriff auf einen ukrainischen Zug knapp vor der polnischen Grenze. Eine Lokomotive wurde zerstört, aus einem anderen Zug mussten jedoch deswegen der frühere CIA-Chef und General David Petraeus, sowie die früheren Ministerpräsidenten von Schweden und Großbritannien, Carl Bildt und Boris Johnson, evakuiert werden. Sie hatten an einer Unterstützerkonferenz in Kyjiw teilgenommen.

Zuvor hat die deutsche Bundesregierung schlüssig erklärt, dass der russische Geheimdienst – bzw. die militärische Variante GRU – hinter dem missglückten Drohnenangriff auf eine ukrainische Frachtmaschine am Flughafen Leipzig steht. Hätte die Zündung der Semtex-Ladung funktioniert, wäre ein Inferno entstanden.

Zuletzt berichtet die Nato, dass es vergangenen Jahr rund 200 physische Angriffe auf das Gebiet ihrer Mitgliedsstaaten gegeben hat, die Cyber-Angriffe nicht gerechnet.

Die Strategie ist klar: Putin versucht, die Unterstützerstaaten der Ukraine – vor allem Deutschland, Polen, Großbritannien, Frankreich, die Skandinavier und die Balten – zu verunsichern, zu destabilisieren und so von der lebenswichtigen finanziellen und waffentechnischen Hilfe abzubringen.

Die politische Entwicklung in einigen Ländern hilft ihm dabei. Die derzeit umfragenstärksten Rechtsparteien AfD und FPÖ sind ausgesprochene Russenparteien. Das AfD-Spitzenpersonal reist dauernd nach Russland und stellt Putin als wohlwollenden Friedensfürst dar, mit dem man sich arrangieren müsse, nachdem Deutschland aus der EU ausgetreten sei. Die FPÖ unter Kickl ist weniger offen auf ähnlicher Linie.

Mit leeren Händen

Putin hofft offenbar darauf, die Ukraine im kommenden Winter durch erbarmungsloses Bombardement von zivilen Zielen in die Knie zwingen zu können. Die Ukraine hat ihre Fähigkeit zum Zurückschlagen gegen russische Energieeinrichtungen bewiesen. Dass sich beide verpflichtet hätten, gegenseitig nicht mehr Energieinstallationen anzugreifen, ist wohl nur eine Nachricht aus dem Never-Neverland von Trumps Gehirn. Seine Immobilienhändlertruppe, bestehend aus dem Schwiegersohn Jared Kushner und dem Golf-Buddy Steve Witkoff, ist auch vom letzten Trip aus Moskau mit leeren Händen zurückgekehrt.

Putin wird/muss also weiter eskalieren. Es ist daher mit einer Intensivierung der hybriden Angriffe auf Europa zu rechnen – und damit, dass die Eskalation irgendwann auch Österreich erreichen wird, wenn es dem Aggressor in Moskau geboten erscheint. Österreich ist zwar kein Nato-Staat und unterstützt die Ukraine nur unwesentlich, aber im Fall des Falles sind wir rein geografisch ein Transit-Gebiet für Waffenlieferungen. Dass Wien ein russischer Spionage-Hotspot ist, versteht sich von selbst. Wir können daher mit massiveren Maßnahmen rechnen, falls es Putin für notwendig hält. (Hans Rauscher, 15.9.2026)

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