Aussage aus Polen sorgt für Wirbel: Sikorski spricht von schnellem NATO-Sieg gegen Russland – Putin-Seite tobt

Putin „ziemlich schnell besiegen“? Satz aus Polen lässt Russland wüten

Stand: 15.09.2026, 22:09 Uhr

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Die Sorge vor einer Eskalation zwischen Russland und der NATO wächst. Polens Außenminister sorgt mit seinen Äußerungen für scharfe Kritik aus Moskau.

Warschau/Moskau/Kiew – Ein Personenzug auf der Strecke von Kiew nach Warschau ist in der ukrainischen Region Wolhynien von einer Drohne getroffen worden. Nach Angaben der ukrainischen Staatsbahn Ukrzaliznytsia ereignete sich der Angriff rund zwei Kilometer von der polnischen Grenze entfernt. Mehr als 200 Menschen befanden sich demnach an Bord des Zuges. Verletzt wurde niemand. Das Zugpersonal sei rechtzeitig vor der drohenden Gefahr gewarnt worden. Nach einer Verzögerung von rund sechs Stunden konnte der Zug seine Fahrt in Richtung Polen fortsetzen.

Russlands Präsident Wladimir Putin

In den Nato-Staaten mehren sich die Warnungen, dass Russland in den kommenden Jahren zu einem Angriff auf das Bündnisgebiet in der Lage sein könnte. (Symbolbild) © Vyacheslav Prokofyev/dpa

In Warschau sorgte der Vorfall für Besorgnis. Ministerpräsident Donald Tusk berief eine Krisensitzung mit führenden Vertretern aus Politik und Militär ein. Im Anschluss erklärte er, eine Ausweitung russischer Aktivitäten auf polnisches Gebiet könne in den kommenden Wochen oder Monaten nicht ausgeschlossen werden.

Sikorski über mögliche Eskalation mit Moskau: Russland wäre „ziemlich schnell“ besiegt

Vor diesem Hintergrund sorgte eine Äußerung des polnischen Außenministers Radosław Sikorski für scharfe Reaktionen aus Moskau. Bei der Konferenz der Yalta European Strategy in Kiew sprach er über die Folgen eines möglichen russischen Angriffs auf Polen beziehungsweise die NATO. „Wenn Russland uns angriffe und wir alle Register zögen, würden wir Russland meiner Meinung nach ziemlich schnell besiegen“, sagte Sikorski und verwies dabei auf eine „erdrückende Überlegenheit“ des Bündnisses bei den Luftstreitkräften und nannte rund 2500 Flugzeuge. Gemeint war damit nicht allein die polnische Luftwaffe, sondern die gebündelten militärischen Fähigkeiten der NATO.

Russlands Krieg gegen die Ukraine rückt immer wieder bis an die Grenzen des Bündnisgebiets heran. Dazu kommen Drohnen- und Luftraumverletzungen, militärische Aktivitäten sowie Sabotagevorwürfe und andere Vorfälle, die unterhalb der Schwelle eines offenen Angriffs bleiben. Aus Moskau folgte scharfe Kritik. Maria Sacharowa, Sprecherin des russischen Außenministeriums, bezeichnete Sikorskis Aussage als „gehirnwaschende Russophobie“.

Tusk warnt vor russischen Angriffen: Eskalation könnte Polen erreichen

Regierungschef Tusk verwies darauf, dass Russland in der Vergangenheit bereits versucht habe, Grenzübergänge in Moldawien lahmzulegen. Man habe von Verbündeten zuvor Hinweise bekommen, dass der russische Plan Versuche beinhalten würde, die ukrainischen Grenzübergänge zu desorganisieren und möglicherweise auch zu zerstören – dies könne auch Polen betreffen.

Man müsse mit verstärkten Aktionen Russlands in den kommenden Wochen und Monaten rechnen, sagte Tusk weiter. „Wir können nicht ausschließen, dass diese Eskalation auch unser Staatsgebiet betreffen wird.“ Russland sei auch bereit, gegen Polen düsengetriebene Drohnen einzusetzen, warnte er.

Das Verteidigungsministerium in Moskau bestätigte am Morgen unter anderem Angriffe auf Objekte der Eisenbahninfrastruktur in der Westukraine. Diese würden den Transport von Militärgütern aus europäischen Ländern gewährleisten, hieß es.

Putin warnt NATO: Truppen in der Ukraine würden „Krieg mit Russland“ bedeuten

Erst kürzlich hatte der russische Präsident Wladimir Putin Europa eindringlich vor einer Stationierung eigener Soldaten in der Ukraine gewarnt. Eine Entsendung europäischer Truppen auf ukrainisches Gebiet käme aus seiner Sicht einem direkten Krieg mit Russland gleich. „Jetzt sprechen sie darüber, dass sie darüber nachdenken, Truppen auf ukrainisches Gebiet zu entsenden. Das bedeutet Krieg mit Russland“, sagte Putin vor Journalisten in Neu-Delhi.

Die Äußerungen fielen nach dem ersten Tag seiner Indienreise und wenige Stunden vor der Eröffnung des Brics-Gipfels. „Wozu drängen sie heute ihre Völker und ihre Länder? Zu einem Krieg mit der Russischen Föderation?“, fragte Putin. Europäische Staaten müssten sich seiner Darstellung zufolge darüber im Klaren sein, welche Konsequenzen eine Entsendung eigener Soldaten in die Ukraine hätte.

Russland als größte Gefahr: Tschechien warnt vor Angriff auf die Nato

In Europa mehren sich die Stimmen, die vor einem möglichen russischen Angriff auf NATO‑Staaten in den kommenden Jahren warnen. Auch das tschechische Verteidigungsministerium rechnet langfristig mit einem erhöhten Kriegsrisiko: Ein internes Strategiepapier zur Verteidigungsplanung bis 2045 warnt vor einem möglichen militärischen Konflikt in Europa, wie das Nachrichtenportal iROZHLAS.cz berichtet.

Demnach könnte ein Angriff auf das Gebiet eines Nato-Mitgliedstaates auch ohne vorherige Warnung erfolgen. Russland und China werden in dem Papier weiterhin als zentrale Bedrohungen für die europäische Sicherheitsordnung eingestuft. „Die größte Bedrohung für die Sicherheit der Tschechischen Republik geht von Russland aus“, heißt es darin.

Die Gefahren beschränken sich laut der Analyse nicht auf klassische militärische Angriffe. Russland und China verstärkten demnach auch hybride Aktivitäten wie „Sabotage, Desinformation und Cyberspionage“. (Quellen: Welt, Zusammenfassung der YES-Konferenz, iROZHLAS.cz, dpa, afp) (jal)