Raketen werden knapp: Trump soll Hegseth zur Rede gestellt haben
Stand: 06.08.2026, 19:24 Uhr
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Den USA gehen offenbar wichtige Raketen aus. Trump soll Verteidigungsminister Hegseth deshalb zur Rede gestellt haben. Das Weiße Haus dementiert.
Washington, D. C. – Im US-Verteidigungsministerium wächst offenbar die Sorge vor einem Mangel an wichtigen Raketen und Abfangwaffen. Präsident Donald Trump soll Verteidigungsminister Pete Hegseth deshalb bei einem Treffen in Camp David zur Rede gestellt haben. Das Weiße Haus bestreitet allerdings, dass es zu der geschilderten Auseinandersetzung gekommen sei.
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Dieser Artikel entstand in Kooperation mit telegraph.co.uk.
Nach Berichten der Washington Post und des britischen Telegraph wollte Trump von Hegseth wissen, warum er über die Lage der US-Munitionsbestände angeblich nicht ausreichend informiert worden sei. Der Präsident habe erklärt, er sei davon ausgegangen, das Problem sei bereits gelöst worden. Die Berichte berufen sich auf mehrere mit den Gesprächen vertraute Personen.

Trump soll Hegseth wegen Raketenmangels konfrontiert haben
Die mutmaßliche Auseinandersetzung ereignete sich demnach am Rande einer Kabinettssitzung am Freitag (31. Juli) in Camp David im US-Bundesstaat Maryland. Trump habe Hegseth gefragt, weshalb er offenbar über das Ausmaß der Engpässe im Unklaren gelassen worden sei. Der Verteidigungsminister soll die Verantwortung daraufhin teilweise seinem Stellvertreter Stephen Feinberg zugeschoben haben.
Trump habe Feinberg anschließend in einem aufgebrachten Telefonat zur Rede gestellt und wissen wollen, wie das Pentagon die Bestände wieder auffüllen könne. Nach Berichten über den Vorgang soll der Präsident sogar eine Entlassung seines stellvertretenden Verteidigungsministers ins Gespräch gebracht haben. Feinberg berief danach eine als Krisensitzung beschriebene Runde mit führenden Militär- und Verteidigungsexperten ein.
US-Armee soll wichtige Raketen nahezu aufgebraucht haben
Hinter dem Streit stehen Berichte über stark geschrumpfte US-Bestände an Langstrecken-Präzisionswaffen und Flugabwehrraketen. Reuters zufolge haben die USA im seit Monaten andauernden Krieg gegen den Iran praktisch alle verfügbaren Langstrecken-Präzisionsraketen eingesetzt. Genaue Bestandszahlen sind geheim und lassen sich nicht unabhängig überprüfen.
Die Engpässe sollen Trumps militärische Möglichkeiten gegenüber dem Iran inzwischen einschränken. Nach Angaben mehrerer Medien war die Munitionslage ein Grund dafür, dass Washington in den vergangenen Tagen von einer erneuten deutlichen Ausweitung der Angriffe absah. Trump hatte zuvor erklärt, er habe einen besonders großen Angriff angeordnet, diesen aber später wieder abgesagt.
Weißes Haus weist Bericht über Trump-Streit zurück
Das Weiße Haus bezeichnete die Darstellung als „Fake News“. Regierungssprecherin Karoline Leavitt erklärte, sie sei während des Aufenthalts in Camp David bei Trump und Hegseth gewesen. „Das ist buchstäblich nie passiert, und wir haben das der Washington Post immer wieder gesagt“, schrieb sie auf X.
Leavitt warf einem nicht namentlich genannten Informanten vor, Hegseth gezielt beschädigen zu wollen. Trump schätze seinen Verteidigungsminister und halte dessen Arbeit für hervorragend, erklärte die Sprecherin. Die Aussagen der Regierung widersprechen damit ausdrücklich den auf anonymen Quellen beruhenden Berichten der Washington Post und weiterer Medien.
Trump spricht von „massiven“ Munitionsbeständen
Trump selbst bestritt auf Truth Social einen gefährlichen Raketenmangel. Die Vereinigten Staaten verfügten über „massive Mengen“ an Munition, schrieb der Präsident. Zugleich verwies er auf neue Fabriken und Produktionsanlagen der amerikanischen Rüstungsindustrie.
Der Präsident drohte außerdem den Informanten hinter den Medienberichten. Die Urheber der von ihm als „verräterisch“ bezeichneten Aussagen würden gesucht, schrieb Trump. Gegen sie sollten langfristige Haftstrafen angestrebt werden. Ob die Veröffentlichung der Informationen tatsächlich einen Straftatbestand erfüllt, ist bislang nicht geklärt.
Raketenknappheit trifft auch die Unterstützung Kiews im Ukraine-Krieg
Die mutmaßlichen Engpässe betreffen nicht allein den Krieg gegen Iran. Auch für die Unterstützung Kiews im Ukraine-Krieg sind amerikanische Flugabwehrsysteme und Abfangraketen von zentraler Bedeutung. Berichte über knappe Patriot-Raketen und andere Abfangwaffen nähren deshalb die Sorge, Washington müsse zwischen mehreren Kriegsschauplätzen priorisieren.
Russland setzt gegen die Ukraine verstärkt ballistische Raketen ein, während die Bestände geeigneter Abfangwaffen begrenzt sind. Trump hatte im Juli noch über zusätzliche Patriot-Systeme für Kiew gesprochen, sich später jedoch zurückhaltender geäußert. Ob und in welchem Umfang die Ukraine weitere Systeme erhält, blieb zuletzt offen.
Atacms und neue Präzisionsraketen gelten als besonders knapp
Zu den betroffenen Waffen gehören Berichten zufolge die taktischen Boden-Boden-Raketen Atacms sowie die neueren Precision Strike Missiles, kurz PrSM. Beide Systeme ermöglichen präzise Angriffe auf Ziele in größerer Entfernung. Hinzu kommen Abfangraketen für die Luftverteidigung, deren Produktion technisch aufwendig und zeitintensiv ist.
Selbst neue Aufträge lösen das Problem daher nicht kurzfristig. Die Herstellung bestimmter Raketen kann nach Angaben aus dem Umfeld des Pentagon bis zu zwei Jahre dauern. Der Krieg gegen Iran legt damit eine strukturelle Schwäche der US-Rüstungsindustrie offen: Der Verbrauch hochentwickelter Munition übersteigt zeitweise die Produktionsgeschwindigkeit.
Welche US-Raketen laut Berichten besonders knapp sind
| Waffensystem | Funktion | Berichteter Stand | Mögliche Folgen |
|---|---|---|---|
| ATACMS | Präzise Boden-Boden-Rakete für Ziele in großer Entfernung | Die US-Armee soll „praktisch alle“ verfügbaren Bestände eingesetzt haben. | Weniger Möglichkeiten für präzise Angriffe aus sicherer Entfernung |
| Precision Strike Missile (PrSM) | Moderner Nachfolger der ATACMS mit größerer Reichweite | Auch die PrSM-Bestände sollen nahezu aufgebraucht sein. | Kurzfristig kaum ersetzbare Lücke bei weitreichenden Präzisionsschlägen |
| Tomahawk | Seegestützter Marschflugkörper für Angriffe auf weit entfernte Ziele | Laut Reuters wurde seit Kriegsbeginn knapp die Hälfte des weltweiten US-Bestands eingesetzt. | Weniger Optionen für Angriffe von Schiffen und U-Booten aus |
| Patriot-Abfangraketen | Luftverteidigung gegen Flugzeuge, Drohnen und ballistische Raketen | Analysten schätzen, dass etwa 65 Prozent der Bestände verbraucht wurden; CSIS verortet den Restbestand unter 1.000 Stück. | Druck auf den Schutz eigener Stützpunkte und auf Lieferungen an die Ukraine |
| THAAD-Abfangraketen | Abwehr ballistischer Raketen in großer Höhe | Schätzungen zufolge wurden rund 38 Prozent der Bestände eingesetzt. | Geringere Reserven für den Schutz von US-Truppen und Verbündeten |
| Weitere Präzisions- und Flugabwehrmunition | Unterschiedliche Angriffs- und Abwehrsysteme | Genauere Bestandszahlen sind geheim. Das Pentagon erklärt, weiterhin über ausreichende Fähigkeiten zu verfügen. | Washington könnte Einsätze stärker priorisieren oder riskantere Alternativen wählen |
Hinweis: Die Angaben beruhen auf Reuters-Berichten, Analysen von CSIS und weiteren öffentlich verfügbaren Schätzungen. Genaue US-Bestände sind geheim und lassen sich nicht unabhängig überprüfen. Das Weiße Haus und das Pentagon bestreiten, dass den Streitkräften die für ihre Einsätze benötigte Munition ausgehe. Frühere Hochrechnungen zum Zeitpunkt einer vollständigen Erschöpfung beruhten auf dem damaligen Verbrauchstempo und waren keine gesicherten Prognosen.
Hegseth fordert rund 58 Milliarden Euro zusätzlich
Hegseth hatte den US-Kongress bereits im Juli um zusätzliche Mittel für den Krieg und die Wiederauffüllung der Bestände gebeten. Von insgesamt 88 Milliarden Dollar sollten rund 67 Milliarden Dollar (circa 58 Milliarden Euro) unmittelbar für den Iran-Krieg, militärische Einsatzbereitschaft und neue Munition verwendet werden.
Der Verteidigungsminister bezifferte die bisherigen Kriegskosten bei einer Senatsanhörung auf 37,5 Milliarden Dollar, umgerechnet rund 32,5 Milliarden Euro. Die Summe enthält laut Reuters auch erwartete Kosten bis Ende September und bildet deshalb nicht zwingend alle tatsächlichen Aufwendungen ab.
Analyse sieht US-Kosten für Iran-Krieg bei rund 131 Milliarden Euro, Raketenmangel wird für Trump zum politischen Risiko
Eine Analyse des Telegraph kommt zu einer erheblich höheren Summe. Das Blatt schätzt die tatsächlichen Kosten des Kriegs gegen den Iran auf 151,3 Milliarden Dollar, also etwa 131 Milliarden Euro. Der große Unterschied erklärt sich durch verschiedene Berechnungsmethoden. Während das Pentagon nur bestimmte militärische Ausgaben und bereits veranschlagte Kosten berücksichtigt, rechnet die Analyse weitere Folgekosten und den Ersatz verbrauchter Waffen ein. Eine abschließende und unabhängig bestätigte Gesamtsumme liegt bislang nicht vor.
Für Trump ist die Debatte auch innenpolitisch heikel. Ein öffentlich bekannt werdender Munitionsmangel widerspricht seinem Anspruch, die militärische Stärke der USA wiederhergestellt zu haben. Zugleich könnte der Eindruck entstehen, dass die begrenzten Bestände darüber entscheiden, welche militärischen Optionen dem Präsidenten noch zur Verfügung stehen.
Noch schwerer wiegt der mutmaßliche Konflikt innerhalb der Regierung. Während das Weiße Haus jede Auseinandersetzung bestreitet, zeichnen mehrere Medien das Bild eines frustrierten Präsidenten, der sich von seinen engsten Verteidigungspolitikern schlecht informiert fühlt. Sicher belegt ist bislang lediglich, dass Trump die Berichte öffentlich zurückweist und zugleich scharf gegen deren Informanten vorgeht.