Rare Eierschwämmchen Hitze bremst Pilzsaison aus – «es ist ganz schitter»
Pilzexpertin Maria Neuhäusler sagt: Die Hoffnung stirbt zuletzt. Wie das unterirdische Geflecht unter der Trockenheit leidet und weshalb sich die Pilzsaison in Zukunft immer weiter nach hinten verschieben könnte.
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06.08.2026, 12:41
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Wer derzeit im Schweizer Unterland auf die Suche nach Eierschwämmchen geht, kehrt meist mit leerem Korb heim. «Im Moment ist es ganz schitter», sagt Maria Neuhäusler, Pilzexpertin und Co-Präsidentin der Vereinigung der amtlichen Pilzkontrollorgane der Schweiz (VAPKO).
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Bild 1 von 3. In der Regel ist die beste Sammelzeit für Eierschwämmchen, auch Pfifferlinge genannt, vom Juli bis September. Doch heuer dürfte der Ertrag sehr bescheiden ausfallen.
Bildquelle: Keystone/Christian Beutler.
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Bild 2 von 3. Allenfalls stösst man im Wald auf einen Schönfuss-Röhrling. Dieser Pilz ist jedoch für den Menschen giftig und wegen des bitteren Geschmacks nicht geniessbar.
Bildquelle: IMAGO / Zoonar.
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Bild 3 von 3. Mit Glück und Geduld stösst man eventuell auf einen Speisetäubling.
Bildquelle: IMAGO / Lebrac.
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Was es jetzt braucht, sei viel Geduld und Glück. Obwohl der Sommer mit seiner Mischung aus Hitze und Gewittern eigentlich gute Bedingungen schaffen könnte, ist die Realität eine andere. «Man findet ein paar schöne Röhrlinge, ein paar Zentimeter lang», berichtet Neuhäusler. Doch die Ausbeute sei insgesamt sehr mager. Normalerweise würde man bei solchen Bedingungen mehr erwarten, doch die Trockenheit im Boden verhindert, dass die Pilze richtig spriessen. Kleine Pilze findet man derzeit am ehesten noch in höheren, alpinen Lagen, sagt die Pilzexpertin.
Die Hoffnung stirbt zuletzt.
Für die anstehende Hauptsaison im Herbst zeichnet sich ein schwieriger Start ab. Die Erfahrungen aus vergangenen Extremsommern wie 2003, 2011 oder 2018 zeigen, dass auf grosse Hitze meist anfänglich eine schlechte Saison folgt. Dennoch bleibt die Expertin optimistisch: «Die Hoffnung stirbt zuletzt.» Es brauche nun dringend ausgiebige Niederschläge. Lokale Gewitter allein reichen oft nicht aus. Nötig seien mehrere flächendeckende Regengüsse sowie feuchter Morgennebel, um das Wachstum anzuregen.
Pilz-Schonzeiten beachten
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Keystone/Christian Beutler
Pilzesammeln ist in der Schweiz kantonal geregelt. Viele Kantone kennen Schonzeiten oder Sperrtage, etwa Zürich, Graubünden und Glarus mit Sammelverbot vom 1. bis 10. jedes Monats. In anderen Kantonen gelten Nacht-Sperrzeiten oder abweichende Vorschriften. Wer Pilze sammelt, sollte die Regeln seines Kantons vor dem Sammeln prüfen.
Hier geht es zur Übersicht der Vereinigung amtlicher Pilzkontrollorgane der Schweiz
Das Rätsel der Fruchtkörper
Warum und wann Pilze nach einer Trockenphase plötzlich wieder spriessen, bleibt selbst für die Wissenschaft ein Stück weit ein Rätsel. «Es ist mega unberechenbar», betont Neuhäusler. Die genauen Mechanismen, die einen Pilz zur Fruktifikation – also zur Bildung der sichtbaren Fruchtkörper – anregen, seien nach wie vor nicht vollständig geklärt.
Das Problem liegt tief im Boden, vermutet die Pilzexpertin: Das unterirdische Myzel, das eigentliche Geflecht des Pilzes, leidet unter der anhaltenden Trockenheit. Der Pilz brauche Wasser, sagt Maria Neuhäusler. Sie glaubt, dass sich das Geflecht in tiefere, feuchtere Erdschichten zurückzieht oder über Symbiosen mit Bäumen Wasser austauscht. Ein Rückzug, der Spuren hinterlässt. Das Myzel benötige nach einer langen Hitzeperiode viel Zeit, um sich zu regenerieren und wieder aktiv zu werden. Das erkläre auch, warum die Pilze selbst nach einsetzendem Herbstregen oft stark verzögert und dezimiert auftauchen.
Verschiebung der Saison birgt Risiken
Angesichts der Klimaveränderung stellt sich die VAPKO auf dauerhaft heissere Sommer ein. Früher hätte man die Pilzkurse noch abgesagt. Heute würden sie trotzdem durchgeführt. Ohne Pilze seien die Kurse schon «harzig», meint die Pilzexpertin. Dank eines grossen Netzwerks würden sie dann aber aus der ganzen Schweiz Pilze für den Unterricht erhalten.
Man habe die Pilzkurse und Exkursionen auch schon um zwei Wochen nach hinten verschoben. Doch auch diese Strategie birgt ein Risiko: der Frost. «Wenn im Herbst der erste richtige Frost da ist, dann ist die Pilzsaison schlagartig beendet», sagt Neuhäusler mit Blick auf Kurse in höheren Regionen wie dem Bündnerland. Trotz der schwierigen Aussichten für 2026 hoffen Sammler und Experten nun auf einen baldigen, erlösenden Wetterumschwung, der die Pilze wieder wie aus Zauberhand aus dem Boden schiessen lässt.
Radio SRF 1, 05.08.2026, 7:17 Uhr; noes