Sachsen-Anhalt: Reaktionen auf AfD-Rekordsieg: «Wähler haben Respekt verdient»

Publiziert6. September 2026, 20:56

Sachsen-AnhaltReaktionen auf AfD-Rekordsieg: «Wähler haben Respekt verdient»

In der wegweisenden Landtagswahl hat die gesichert rechtsextremistische Partei über 40 Prozent der Stimmen geholt. Bild-Chefredaktorin fordert nun Gesprächsbereitschaft, beide Seiten zeigen sich bislang aber wenig gewillt für Koalitionen.

Benedikt Hollenstein

Deutsche Presse-Agentur

Darum gehts

  • Sachsen-Anhalt steht vor einer schwierigen Regierungsbildung – beide Seiten zeigen sich wenig kompromissbereit.
  • Die AfD holte deutlich über 40 Prozent und könnte erstmals den Ministerpräsidenten eines deutschen Bundeslandes stellen.
  • Die Wahl gilt als wegweisend und fand auch international viel Beachtung.

Das Resultat fiel schlussendlich klar aus – ob es der AfD in Sachsen-Anhalt auch für eine absolute Mehrheit reicht, ist derweil noch unklar: Die Partei, deren Landesverband Sachsen-Anhalt laut dem Verfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch gilt, hat am Sonntag deutlich über 40 Prozent der Stimmen erhalten.

Wie kompromissbereit sind die beiden Seiten?

Dazu schreibt «Bild»-Chefredaktorin Marion Horn: «[Der Wahlsieg der AfD] muss niemandem gefallen. Aber eine Demokratie beginnt damit, eine Wahl ernst zu nehmen.» Bei einem so klaren Resultat könnten die bisher regierenden Parteien nicht von einem Betriebsunfall reden – und müssten nun entsprechend kompromissbereit sein, fordert Horn.

Sie erwartet von Spitzenkandidat Siegmund, der der erste Ministerpräsident der AfD werden könnte, nun, dass dieser mit den anderen Fraktionen Gespräche zu einer Koalitionsbildung aufnimmt. Die anderen Parteien dürften sich diesen Gesprächen derweil nicht verweigern, so die Journalistin weiter.

Siegmund: Prinzipiell offen, praktisch nicht

Wie gut die Chancen dafür stehen, ist fraglich: Schon vor der Wahl zeigten sich beide Seiten wenig kompromissbereit. Ähnlich tönt es auch am Sonntag: Siegmund lehnt eine Minderheitsregierung unter Führung seiner Partei ab, falls diese nicht die absolute Mehrheit der Mandate gewinnt. Nach dem Wahlsieg werde es «keine Konstellationen geben mit Minderheitsregierung oder sowas», sagte Siegmund am Sonntagabend im ZDF. Prinzipiell wäre die AfD zwar offen für eine Koalition mit einer Partei, die einen neuen Kurs in der Migrations- und Energiepolitik umsetzen wolle, einen derartigen Partner sehe er aber derzeit nicht.

BSW-Spitzenkandidatin Claudia Wittig hat sich nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt offen für eine Zusammenarbeit in Sachfragen mit der AfD gezeigt. «Wir werden immer in der Sache entscheiden», sagte Wittig am Sonntagabend in der ARD. Da gebe es Themen wie die Energiepreispolitik, «das kann man mit der AfD zusammen machen», bei anderen Themen gebe es «vielleicht nicht so grosse Schnittmengen».

CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann hat derweil eine Zusammenarbeit mit der AfD und der Linken in Sachsen-Anhalt nach Schliessung der Wahllokale erneut abgelehnt: «Unsere Linien sind da klar: Es wird da keine Zusammenarbeit mit Linksextremen und Rechtsextremen geben.»

So fallen die internationalen Reaktionen aus

Derweil hat die Wahl auch international viel Beachtung erhalten: «Politische Wende in Deutschland?», fragt das polnische Portal «Onet». Und die «Gazeta Wyborcza» schreibt: «Exit Polls: AfD gewinnt. Wird sie in der Lage sein, die Regierung zu bilden?» Die Tageszeitung «Rzeczpospolita» widmet der Wahl einen Live-Ticker.

In Grossbritannien schreibt «The Times»: «Sollten sich die Hochrechnungen bestätigen, wäre das Ergebnis eine persönliche Demütigung für Friedrich Merz, dem geraten worden war, den Wahlkampf fast gänzlich zu meiden – aus Angst, seine persönliche Unbeliebtheit könnte der AfD Auftrieb geben. Der Stimmenanteil der CDU hat sich im Vergleich zum Ergebnis bei der letzten Landtagswahl in Sachsen-Anhalt im Jahr 2021 halbiert; damals konnte sie die AfD noch knapp abwehren.»

«Es handelt sich um das beste Ergebnis überhaupt für die Souveränisten in einem deutschen Bundesland, das den Weg für die erste rechtsextreme Regierung im Land seit 1945 ebnet und den Erfolg des lokalen Parteichefs Ulrich Siegmund krönt», schreibt derweil die italienische «La Stampa».

Benedikt Hollenstein

Benedikt Hollenstein (bho) ist seit 2021 bei 20 Minuten. Er schreibt für den Newsdesk und übernimmt dort auch Tagesleitungsschichten.

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