Die Rheinbrücke von Rees hängt an 80 Schrägseilen aus Stahl. Die müssen für die nächsten 25 Jahre geschützt werden. Das Verfahren dafür ist neuartig. Es geht um sogenannte Wickelroboter.
Korrosionsschutz per Klebeband
An den Rheinbrücken setzt strassen.nrw diese Roboter zum ersten Mal ein, um eine ganze Brücke zu bearbeiten. Die Wickelroboter arbeiten sich jedes einzelne Seil entlang und kleben in einem Arbeitsgang Klebeband auf den Stahl. Und das passiert Meter für Meter, begleitet von zwei Technikern im Hubsteiger, die den Roboter per Fernbedienung steuern.
Sie halten ihn in regelmäßigen Abständen an, um zwei neue Rollen Klebeband einzulegen. Das Band ist zweilagig gestrafft.
Mit dem Roboter geht's schneller, bequemer und vermutlich preiswerter
Lediglich Standstreifen und Fußgängerweg sind gesperrt an der Brücke, der Autoverkehr rollt weiter auf zwei Spuren. Ein großer Vorteil, erklärt Projektleiter Leonard Schulte-Hammerschmidt von strassen.nrw: "Normalerweise müssten wir diese Schrägseile aufwändig einhausen und dann Stück für Stück neuen Korrosionsschutz aufbringen."
So aber ist kein Gerüst notwendig - schon der Aufbau würde Wochen in Anspruch nehmen. Auch mit Wickelroboter wird die Sanierung mehr als eine Million Euro kosten, aber: "Grundsätzlich sind wir davon überzeugt, dass wir hier die günstigere Variante haben, weil alleine die Bauzeit sich auf wenige Monate beschränkt."
Wickelroboter sind sonst weltweit im Einsatz
Die "Rheinharfe" wird 60 - und soll noch lange halten
Im nächsten Jahr feiert die Brücke von Rees ihren 60. Geburtstag. Kurz vor Weihnachten 1967 wurde sie feierlich von Bundespräsident Heinrich Lübke eingeweiht. Dabei hatte sie eigentlich gar keinen guten Start.
Denn in der Bauphase war ein 95 Meter langes Teilstück eingestürzt. "Es ist Sachschaden entstanden, einige Autos haben darunter gelitten, aber es sind keine Menschen verletzt worden oder gestorben", sagt Michael Scholten vom Geschichtsverein in Rees. Eine Brücke, die wegen ihrer vielen Schrägseile schnell einen Spitznamen bekam: die "Rheinharfe".
Rheinbrücke in Rees weniger beansprucht als andere Brücken
Im Gegensatz zu vielen anderen Rheinbrücken ist ein Neubau kein Thema, sagt Leonard Schulte-Hammerschmidt. Die Brücke könne mit normalen Ausbesserungsarbeiten noch lange dem Verkehr standhalten. Auch weil sie deutlich weniger beansprucht wird als andere Brücken: "Wir haben in Rees circa 15.000 Fahrzeuge am Tag mit einem geringen Schwerlastanteil. Wenn Sie mal vergleichen: Eine Rheinbrücke in Düsseldorf, die wir auch betreuen, hat 50.000 Fahrzeuge am Tag."
Und so ist der Korrosionsschutz ein wesentlicher Schritt, um die Brücke zukunftsfest zu machen. Mit dem neuen Klebeband sollen die 80 Schrägseile wieder 25 Jahre lang Wind und Wetter trotzen.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen und Gespräche des WDR-Reporters vor Ort
- strassen.nrw
- WDR-Archiv
- Geschichtsverein Rees
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 02.09.2026, 19:30 Uhr