Regiert demnächst ein Linksbündnis in Berlin? Die neuesten Umfragen zur Wahl
Wie die Parteien vor der Wahl am 20. September in Berlin abschneiden, welche Koalitionen im Stadtstaat möglich sind – und was die Menschen umtreibt. Hier gibt es die aktuellen Zahlen.
03.09.2026, 08.21 Uhr
3 Leseminuten
AktualisiertIm NZZ-Wahltrend liegen CDU und Linke in Berlin nahezu gleichauf. Grüne und AfD folgen mit geringem Abstand; die Sozialdemokraten, die derzeit mit der CDU regieren, liegen deutlich zurück.
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Die Christlichdemokraten hatten erst kürzlich ihren Spitzenkandidaten ausgetauscht – gut zwei Monate vor der Wahl zum Abgeordnetenhaus, dem Berliner Landesparlament. Nach monatelanger Kritik an falschen Angaben zu seinem Krisenmanagement während des grossen Stromausfalls im Januar gab der Regierende Bürgermeister Kai Wegner seine Kandidatur auf.
In der ersten Erhebung nach dem Wechsel Mitte Juli konnte die CDU davon offenbar profitieren. Allerdings gewann auch die Linke und lag damit zum zweiten Mal in Folge in einer einzelnen Umfrage auf Platz eins.
Für den Wahltrend bündelt die NZZ mehrere Umfragen; neuere Erhebungen werden stärker gewichtet als ältere. Die folgende Übersicht zeigt die Zahlen der einzelnen Institute.
Anstelle Wegners führt nun Stefan Evers die CDU in den Wahlkampf. Der bisherige Finanz- und Kultursenator war zugleich Wegners Stellvertreter. Zuvor war er Generalsekretär der Berliner CDU und an ihrem erfolgreichen Wahlkampf von 2023 beteiligt. Evers steht nicht für einen politischen Bruch mit dem bisherigen Senat.
Die Linke tritt mit Elif Eralp an. Die Eltern der Juristin zogen nach dem türkischen Militärputsch von 1980 nach Deutschland. Im Wahlkampf verspricht Eralp ein schärferes Vorgehen gegen «illegale Wuchermieten» und grosse Wohnungskonzerne.
Die schwarz-rote Koalition hätte gemäss den jüngsten Umfragen keine Mehrheit mehr im Abgeordnetenhaus. Eine klare Mehrheit hätte im NZZ-Wahltrend dagegen ein Bündnis aus Linken, Grünen und SPD. Rechnerisch möglich wäre auch eine Koalition aus CDU, Grünen und SPD.
Eine neue Regierung müsste vor allem bei Verkehr und Wohnen liefern. In Umfragen nennen die Befragten diese Themenfelder besonders häufig als wichtigste Probleme. In der Stadt fehlt Wohnraum, die Angebotsmieten liegen fast 70 Prozent höher als vor zehn Jahren.
Darin unterscheidet sich Berlin von den ebenfalls im September wählenden Flächenländern Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt, wo Migration, Wirtschaft und Bildung stärker im Vordergrund stehen.
Diese Themengewichtung dürfte vor allem der Linken entgegenkommen, die den Wahlkampf konsequent auf bezahlbares Wohnen und soziale Fragen ausrichtet.
Bleibt das linke Lager bis September so stark, wäre ein Bündnis mit Grünen und SPD die naheliegendste Regierungsoption. Für die CDU käme dagegen nur ein Dreierbündnis mit SPD und Grünen infrage, da sie eine Zusammenarbeit sowohl mit der AfD als auch mit der Linken ausschliesst. Wer am Ende regiert, dürfte deshalb vor allem von SPD und Grünen abhängen.
So berechnet die NZZ den Wahltrend
Für die Schätzung der jüngsten Umfragewerte wertet die NZZ die auf wahlrecht.de veröffentlichten Umfragen aus und führt sie für jede Partei zu einem gewichteten Durchschnitt zusammen; neuere Erhebungen zählen stärker als ältere. Die statistische Fehlermarge liegt in der Regel bei höchstens ±3 Prozentpunkten. Auch der NZZ-Wahltrend ist eine Momentaufnahme – keine Prognose.
Für die Koalitionsoptionen rechnet die NZZ die prozentualen Stimmenanteile aus den Umfragen nach dem Sainte-Laguë/Schepers-Verfahren in Sitze um – ohne Berücksichtigung von Überhang- und Ausgleichsmandaten sowie einer möglichen Grundmandatsklausel. Zusätzlich wird geprüft, ob eine Koalition für ihre Mehrheit auf Parteien nahe der 5-Prozent-Hürde angewiesen ist.
Bei den wichtigen Problemen beziehen sich die ausgewiesenen Themen auf solche, die wahlberechtigte Befragte in dem Stadtstaat als besonders drängend empfinden. Sie sind nicht mit den am Wahlabend oft genannten «wahlentscheidenden Themen» gleichzusetzen, also mit den Gründen, die für die persönliche Wahlentscheidung ausschlaggebend waren. Beides kann auseinanderfallen, etwa wenn Wähler ein Problem zwar als wichtig ansehen, ihre Stimme aber dennoch einer anderen Partei geben, weil sie deren Positionen insgesamt näherstehen oder ihr stärker vertrauen.
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