Regierung bereitet Zivildienst vor: Ein bisschen Pflicht täte Deutschland gut

Regierung bereitet Zivildienst vor Ein bisschen Pflicht täte Deutschland gut

04.08.2026 · 20:37 Uhr

 Zwei Zivildienstleistende der Malteser kümmern sich um eine Dialysepatientin im Rollstuhl.

Zwei Zivildienstleistende der Malteser kümmern sich um eine Dialysepatientin im Rollstuhl.

Foto: Jan Woitas/dpa-Zentralbild/dpa/Jan Woitas

Meinung | Berlin · Die Bundesregierung bereitet sich auf einen möglichen neuen Zivildienst vor. Das ist vernünftig – und sollte nicht nur als Ersatz angesehen werden. Denn ein soziales Pflichtjahr wäre für die Gesellschaft insgesamt ein Gewinn.

Ein halbes Jahrhundert prägten junge Zivildienstleistende in Krankenhäusern, Pflegeheimen oder Behinderteneinrichtungen das Bild der Gesellschaft mit. Bis zur Aussetzung der Wehrpflicht absolvierten mehr als zweieinhalb Millionen Menschen einen entsprechenden Dienst, anstatt zur Bundeswehr zu gehen. Nun bereitet die Bundesregierung die Grundlagen für einen neuen Zivildienst vor.

Vorausschauende Politik: Vorbereitung vor der Krise

Das Familienministerium erkundigte sich dafür bei Verbänden und Organisationen nach möglichen Kapazitäten. Das ist aus zwei Gründen gut. Zum einen ist es schlicht vernünftig, dass sich die Regierung Gedanken macht, bevor eine mögliche Krise eintritt. Falls es zur Wiedereinführung einer Wehrpflicht käme, bräuchte es schließlich einen Ersatzdienst. Dass für ein solches Szenario Vorbereitungen durchgespielt werden, sollte man von vorausschauender Politik erwarten dürfen.

Prominente Stimmen für ein soziales Pflichtjahr

Aber auch unabhängig davon ist es gut, dass das Familienministerium vorfühlt. Denn die Einführung eines wie auch immer ausgestalteten sozialen Pflichtjahrs wäre ein Gewinn. Darauf haben prominente Stimmen in der Vergangenheit stets hingewiesen, unter ihnen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Carsten Linnemann als ehemaliger CDU-Generalsekretär oder Bundestagsvizepräsident Bodo Ramelow von den Linken.

Freiheit versus gesellschaftlicher Nutzen

Die Vorteile liegen auf der Hand: Junge Menschen aus unterschiedlichen sozialen Kontexten würden zusammenkommen und Verantwortung für andere übernehmen. Natürlich wäre ein Pflichtdienst auch ein Eingriff in die persönliche Freiheit. Aber diesem Eingriff stünde ein konkreter gesellschaftlicher Nutzen gegenüber: Junge Erwachsene würden soziale Berufe kennenlernen, ihren Horizont erweitern und sich für andere einsetzen. Der Staat würde ihnen für eine begrenzte Zeit etwas abverlangen. Profitieren würden davon aber alle.

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