Polizei, Medien, Russland: Hier sind sich BSW und AfD einig

Sachsen-Anhalt

Hier sind sich BSW und AfD einig – und hier nicht

Von afp

Aktualisiert am 11.09.2026 - 18:19 UhrLesedauer: 3 Min.

Die AfD und das BSW könnten in Sachsen-Anhalt zukünftig zusammenarbeiten. Dafür gibt es in einigen Bereichen schon gemeinsame Grundlagen.

Als einzige Partei im neuen Landtag von Sachsen-Anhalt will das BSW Gespräche mit der Wahlsiegerin AfD führen. Weil ihr die absolute Mehrheit zum Durchregieren fehlt, braucht die AfD Unterstützer. Das BSW will zwar nicht mit der Partei koalieren, ist aber bereit, bei Sachthemen zusammenzuarbeiten.

Es gibt zahlreiche Schnittmengen. Einige Beispiele aus den Wahlprogrammen:

Innere Sicherheit, Polizei und Verfassungsschutz

Beide Parteien möchten den Katastrophenschutz ausbauen sowie Feuerwehren und Polizei stärken. Die AfD will die Landespolizei auf mindestens 7.500 Vollzugsbeamte aufstocken, das BSW fordert bis 2028 einen Aufbau auf rund 7.000 Stellen.

Kritisch sehen beide die Rolle des Verfassungsschutzes und unterstellen diesem, ein politisches Machtinstrument zu sein. Die vom Landesverfassungsschutz als gesichert rechtsextremistisch eingestufte AfD will die Behörde zu einem Inlandsgeheimdienst umbauen, vorrangig zur Terror- und Spionageabwehr. Bei der Beurteilung verfassungsfeindlicher Bestrebungen sollen nach ihrem Willen nur noch "harte, objektiv feststellbare Kriterien" ausschlaggebend sein – etwa Gewaltbereitschaft.

Das BSW fordert unter Verweis auf das Recht auf Meinungsäußerung die Abschaffung der Extremismuskategorie "verfassungsschutzrelevante Delegitimierung des Staates", die seinerzeit während der Hochphase der Querdenker-Demonstrationen eingeführt wurde. Medienberichten zufolge hat das Bundesamt für Verfassungsschutz diese eigenständige Kategorie vor einigen Monaten bereits wieder gestrichen.

Mehr Bürgerbeteiligung

Sowohl AfD als auch BSW wollen in Sachsen-Anhalt Volksinitiativen, Volksbegehren und Volksentscheide erleichtern und die Hürden dafür senken.

Wirtschaft und Energieversorgung

AfD und BSW wollen die Meisterausbildung fördern, um handwerkliche Berufe aufzuwerten. Einig sind sich beide Parteien auch in dem Ziel, die Strom- und Benzinpreise für Unternehmen und Privathaushalte zu senken. Das ist allerdings keine Ländersache. Die AfD kündigte in ihrem Regierungsprogramm daher eine Bundesratsinitiative zur Absenkung der Stromsteuer an.

Auch Auflagen für Windkraft- und Fotovoltaikanlagen wären in beiderseitigem Interesse. So sollen Solaranlagen bevorzugt auf bereits versiegelten Flächen wie auf Dächern oder Parkplätzen installiert werden. Damit enden aber schon die Gemeinsamkeiten bei erneuerbaren Energien. Während das BSW diese für "unverzichtbar" hält und für einen "maßvollen" Ausbau plädiert, plant die AfD die Kappung jeglicher Subventionen für die Energiewende und ein Windkraftmoratorium.

Gemeinsamkeiten lassen sich hingegen speziell beim Blick auf Russland erkennen. Sowohl AfD als auch BSW fordern ein Ende der Sanktionen und eine Wiederaufnahme der Gasimporte aus Russland nach Deutschland über die Nord-Stream-Pipeline.

Aufarbeitung der Corona-Pandemie

Beide Parteien möchten im Landtag einen Untersuchungsausschuss zur Pandemie einrichten.

Medien

Die Parteien wollen den öffentlich-rechtlichen Rundfunk mindestens reformieren und werfen ihm zu viel politische Nähe und aufgeblasene Strukturen vor. Die AfD will noch weitergehen und die Rundfunkstaatsverträge umgehend kündigen.

Familie und Bildung

AfD und BSW streben beitragsfreie Kitas und kostenlose Schulbücher für alle an. Übereinstimmendes Ziel ist auch, angesichts des Geburtenrückgangs Grundschulen vor allem auf dem Land zu erhalten – etwa durch niedrigere Vorgaben für Schülerzahlen. Schnittmengen gibt es auch beim Thema Digitalisierung: Das BSW will bis Klasse acht keine Smartphones und Tablets im Unterricht, die AfD will Smartphones bis einschließlich Klasse zehn untersagen.

Es gibt aber auch nicht zu vereinbarende Unterschiede zwischen beiden Parteien. Während die AfD das mehrgliedrige Schulsystem ausbauen und die Wiedereinführung von Haupt- und Realschule prüfen will, tritt das BSW für ein längeres gemeinsames Lernen ein und findet, das gegliederte Schulsystem habe sich "überlebt".

Differenzen bei Asyl, Inklusion und sexueller Orientierung

Auch in anderen zentralen Punkten gibt es zwischen AfD und BSW keine Übereinstimmung. Während die AfD etwa beim Haushalt auf einer Schuldenbremse zum Schutz kommender Generationen besteht, befürwortet das BSW die Aufnahme von Schulden für Investitionen in Infrastruktur, Bildung und wirtschaftliche Entwicklung.

Das BSW steht darüber hinaus uneingeschränkt zum Grundrecht auf Asyl, während die AfD dieses gern abschaffen würde. Das BSW befürwortet eine gezielte, staatlich gesteuerte Anwerbung von Fachkräften aus dem Ausland, die AfD will hingegen keine "kulturfremden" Fachkräfte und möchte das Problem des Fachkräftemangels in erster Linie durch eine "Geburtenwende" und die Rückholung gut ausgebildeter Deutscher aus dem Ausland lösen.

Die AfD bezeichnet die Ehe zwischen Mann und Frau als Normalfall. Das BSW verweist auf die Rechte aller Bürger – unabhängig von Geschlecht, sexueller Orientierung oder Geschlechtsidentität. Zudem will die AfD die Inklusion in Schulen beenden, während das BSW die Inklusion von Menschen mit Behinderungen flächendeckend umsetzen und stärken will.