Lawinenunglück: Rekordalpinist Nirmal Purja ist tot

Lawinenunglück

Nach dem Lawinenunglück am Donnerstag im Norden Pakistans ist der Leichnam des international bekannten nepalesisch-britischen Bergsteigers Nirmal Purja gefunden worden. Das teilte Purjas Alpinismusunternehmen Elite Exped am Samstag mit. „In tiefer Trauer und mit unermesslichem Herzschmerz bestätigen wir, dass Nirmal Purja in tragischer Weise sein Leben nach der Lawine am Broad Peak verloren hat.“ Auch die neun weiteren Mitglieder der Bergsteigergruppe seien gestorben.

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Bereits am Vorabend hatte die Regionalregierung von Gilgit-Baltistan, das Teil der zwischen China, Indien und Pakistan umstrittenen Region Kaschmir ist, mitgeteilt, dass die Leichname von drei anderen Mitgliedern der internationalen Bergsteigergruppe gefunden worden seien. Dabei handelte es sich um eine US-Amerikanerin, eine Omanerin und einen Nepalesen.

Die Rettungskräfte hatten ihre Suche nach vermissten Mitgliedern der Gruppe am Samstag fortgesetzt, nachdem die Suche am Freitag wegen schwieriger Wetterbedingungen unterbrochen werden musste. Der Broad Peak im Karakorum-Gebirge ist der zwölfthöchste Berg der Welt. Er wurde 1957 erstmals von einer österreichischen Expedition bestiegen.

Die Lawine hatte die zehnköpfige Expedition am Donnerstag erfasst, als die Gruppe in rund 6.600 Meter Höhe zum Gipfel des 8.047 Meter hohen Broad Peak aufstieg. Nach Angaben von Naila Kiani vom pakistanischen Alpinismusverein ACP deuten Daten der Ortungsgeräte darauf hin, dass die Bergsteiger mehrere hundert Meter den Hang hinabgeschleudert wurden.

der nepalesische Extrembergsteiger Nirmal Purja in der Netflix-Doku „14 Peaks: Nothing is impossible“
Nirmal Purja bestieg 2019 alle Achttausender in 189 Tagen

Tod bei Rekordjagd

Der 43-jährige Purja hatte zuletzt versucht, als erster Mensch alle 14 Achttausender der Erde zweimal ohne zusätzlichen Sauerstoff zu besteigen. Bereits 2019 stellte Purja mit Unterstützung von Seven Summit Treks, einem der größten nepalesischen Expeditionsanbieter, einen Weltrekord auf.

Innerhalb von nur sechs Monaten und sechs Tagen bestieg er alle 14 Achttausender der Erde. Der vorherige Rekordhalter, der Südkoreaner Kim Chang Ho, hatte dafür sieben Jahre, elf Monate und sechs Tage benötigt. Mittlerweile wurde Purjas Rekord von der Norwegerin Kristin Harila unterboten.

Den Broad Peak zu besteigen sei ursprünglich nicht Teil seines Plans gewesen, schrieb Purja am Montag in seinem letzten Beitrag auf der Plattform X. Nach einer Besteigung des Gasherbrum II – einem weiteren pakistanischen Achttausender – fehlte ihm aber nur diese Besteigung zur Erreichung seines Ziels und er disponierte um.

Auf der Plattform X schrieb er: „Broad Peak, ich bitte um nichts anderes als einen sicheren Aufstieg und eine sichere Rückkehr. Ich nehme keinen einzigen Berg als selbstverständlich hin. In dem Moment, in dem mein Fuß das Basislager verlässt, geht es zu 100 Prozent darum.“

Schlange von Bergsteigern im Jahr 2019 auf dem Weg zur Spitze des Mount Everests
Purja hielt den Massentourismus auf dem Mount Everest fest

Purja war es auch, der 2019 das legendäre Bild der Menschenschlange auf dem Gipfel des Mount Everest aufnahm, das weltweit für Aufsehen sorgte und die Diskussion über den Massentourismus auf dem höchsten Berg der Welt neu entfachte.

Anerkennung brachte Purja auch die erste Winterbesteigung des K2 im Jahr 2021. Sie fand im Rahmen kommerzieller Expeditionen statt, um die enormen Kosten des Projekts zu finanzieren. Der historische Erfolg ging schließlich auf das Konto eines rein nepalesischen Teams, eines Zusammenschlusses verschiedener Expeditionsanbieter, darunter auch Purjas Firma Elite Exped.

Star mit Imageschaden

Die Netflix-Produktion „14 Peaks: Nothing Is Impossible“ widmete sich 2021 seiner Leistungen. Sie zeigte die extremen Wetterbedingungen, denen Bergsteiger in den Höhen ausgesetzt sind, und handelte von dem Balanceakt zwischen Leben und Tod bei Purjas Extremexpedition.

Drei Jahre später jedoch begann sein Image zu bröckeln, wie die „Süddeutsche Zeitung“ am Samstag berichtete. Ende Mai 2024 veröffentlichte die „New York Times“ einen Artikel mit der Überschrift „Für Bergsteigerinnen gehen die Gefahren über Lawinen und Stürme hinaus“, in dem zwei Frauen Purja sexuelle Belästigung vorwarfen.

Zu einem Strafverfahren kam es nicht. Dennoch löste der Bericht weltweit eine Debatte aus und beschädigte den Ruf Purjas, der durch seinen Rekord zum internationalen Superstar des Höhenbergsteigens geworden war. Seine Aktivitäten in den sozialen Netzwerken nahmen deutlich ab, bevor er schrittweise wieder in die Öffentlichkeit zurückkehrte. Die Anerkennung für seine Leistungen schmälerte das kaum.