"Remigration" für Kinder: Der kalkulierte Ragebait der FPÖ

Muzayen Al-Youssef

"Remigration" für Kinder: Der kalkulierte Ragebait der FPÖ

Letztlich geht es der FPÖ bei ihrem Versuch, den Begriff "Remigration" zu verankern, darum, ein völkisches Verständnis von Herkunft durchzusetzen

Kommentar

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Muzayen Al-Youssef

Ein Mann im Anzug und mit Brille spricht gestikulierend an einem Mikrofon. Im Vordergrund sind Blumen sichtbar, der Hintergrund ist unscharf und dunkelblau beleuchtet.
FPÖ-Chef Herbert Kickl verteidigte im Sommer den Begriff "Remigration" als "neutral".

Als der Innsbrucker Gemeinderat Fabian Walch (FPÖ) die Namen der Kinder einer Innsbrucker Schule postete, dürfte er den Eklat einkalkuliert haben. Es wirkt wie ein Déjà-vu: Schon 2023 verlas sein Parteikollege Johann Tschürtz (FPÖ) im burgenländischen Landtag die Namen von Volksschülern und forderte ohne näheren Kontext die Abschiebung straffällig gewordener Asylwerber.

Mit einem Unterschied: Walch forderte zunächst "Remigration" von Schulkindern. Dass er nach Kritik an "Deportationsfantasien", wie es die SPÖ formulierte, zurückruderte und behauptete, eigentlich straffällige Ausländer und nicht Kinder gemeint zu haben, ist fadenscheinig.

Walch veröffentlichte keine Liste straffälliger Asylwerber, sondern die Namen unmündiger Kinder. Zudem ist die Abschiebung krimineller Ausländer ohnehin geltendes Recht – laut BMI passierte dies heuer bereits rund 2000mal.

Bewusst schwammig gehalten

Das Vorgehen ist nicht neu, Walch nutzt bewusst jenen Kampfbegriff, den FPÖ und AfD seit der Veröffentlichung eines Buchs des rechtsextremen Identitären Martin Sellner offensiv propagieren: "Remigration". Ihre Definition dafür bleibt bewusst schwammig, doch Sellner war eindeutig: Es ist ein Euphemismus für ethnische Homogenisierung und Massenabschiebungen – auch von Staatsbürgern.

Dieses Spiel mit Mehrdeutigkeit ist Teil der Strategie. Walch agiert wie ein klassischer Internettroll: Zuerst der Tabubruch, dann der rhetorische Rückzug, alles angeblich gar nicht so gemeint. Die FPÖ beherrscht diesen Ragebait, die Agitation als Selbstzweck meisterlich. Es geht um den kalkulierten Dammbruch, der so lange in Feeds gespült wird, bis er alltäglich erscheint.

Letztlich wollen Walch und Konsorten ein völkisches Verständnis von Herkunft verankern. Ein Ali, ein Mohammed, ein Mustafa soll niemals als Österreicher gesehen werden. Völlig unabhängig davon, ob er hier geboren ist, ob er ein Leben aufgebaut hat – und ob er längst eingebürgert ist.

Die Regierung sollte alles dagegen tun, um dieses Gedankengut nicht salonfähig werden zu lassen. Doch statt klare Kante zu zeigen, als etwa eine ÖIF-Studie zuletzt ergab, dass die Mehrheit der Bevölkerung keine Roma, Sinti oder Muslime als Nachbarn wolle, ließ Integrationsministerin Claudia Bauer (ÖVP) das ohne Kontextualisierung so stehen. Wer Ausgrenzung hinnimmt, bereitet rechten Brandstiftern den Boden – und überlässt Minderheiten ohne Lobby ihrem Schicksal. (Muzayen Al-Youssef, 21.9.2026)

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