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Rente mit 63 Warum 45 Beitragsjahre nicht 45 Arbeitsjahre bedeuten
16.09.2026 · 06:49 Uhr
Rentnerpaar genießt das schöne Wetter an einem See in Baden-Württemberg.
Foto: dpa/Sebastian Gollnow
Analyse | Berlin · Um die abschlagsfreie Rente für besonders langjährig Versicherte – die Rente mit 63 – zu beziehen, ist oft von 45 Beitragsjahren die Rede. Doch wirklich 45 Jahre gearbeitet und selbst eingezahlt haben nach Studien bestenfalls 60 Prozent der Bezieher.
Zunächst muss man das Zugangsalter erreichen. Bei der Einführung Mitte 2014 wurde das Zugangsalter auf 63 Jahre festgelegt. Seitdem steigt es schrittweise an. Für 1961 Geborene liegt es aktuell bei 64 Jahren und sechs Monaten. 1964 Geborene werden die Ersten sein, die erst mit 65 Jahren die abschlagsfreie Rente beziehen können – bis zu zwei Jahre früher als alle anderen Rentenversicherten. Voraussetzung ist aber, dass Antragsteller eine Versicherungszeit von 45 Jahren nachweisen können. Hier ist oft von Beitragsjahren die Rede, aber viele Bezieher haben nicht durchgehend 45 Jahre gearbeitet und selbst Pflichtbeiträge eingezahlt.
Zur Versicherungszeit zählen nämlich auch Erziehungszeiten von bis zu zehn Jahren pro Kind, Minijobs, bei denen Arbeitnehmer und der Arbeitgeber Beiträge gezahlt haben, Zeiten der nicht erwerbsmäßigen Pflege oder des Zivil- und Wehrdienstes, Pflichtbeiträge oder Anrechnungszeiten wegen des Bezugs von Arbeitslosengeld oder Sozialleistungen (auch Krankengeld), Ersatzzeiten wegen politischer Verfolgung in der ehemaligen DDR – und sogar auch freiwillige Beiträge in die Rentenkasse, wenn mindestens 18 Jahre Pflichtbeiträge vorhanden sind. Im Falle der Arbeitslosigkeit hat die Bundesagentur für Arbeit Rentenbeiträge für Betroffene geleistet.
„Seit 2014 haben diese Regelung 3,4 Millionen Rentnerinnen und Rentner genutzt, knapp 30 Prozent aller Zugänge bei den Altersrenten“, sagt der Wirtschaftsweise Martin Werding, der auch Mitglied der Rentenkommission war. Laut Rentenversicherung haben 145.194 Männer im Jahr 2025 erstmalig die Altersrente für besonders langjährig Versicherte in Anspruch genommen, bei den Frauen waren es 117.167. „Es zeigt sich, dass Männer, Personen mit höheren Rentenansprüchen und Berufe mit geringeren körperlichen Belastungen besonders stark repräsentiert sind“, sagt Ulrich Walwei vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB).
Die durchschnittliche Bruttorente der männlichen Bezieher lag im vergangenen Jahr bei 2095 Euro im Monat, die der Frauen bei 1.672 Euro. „Im Durchschnitt betragen die Zahlbeträge, nach Abzug von Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen, nach den Daten der Rentenversicherung rund 1.680 Euro im Monat, während langjährig Versicherte mit mindestens 35 Jahren rund 1.260 Euro im Monat erhalten, oft mit Abschlägen, falls auch sie vor der Regelaltersgrenze in Rente gehen“, sagt Werding.
Dazu liegen der Rentenversicherung keine belastbaren Zahlen vor. Vor gut zehn Jahren hatte aber die Rentenversicherung die Zusammensetzung der Versicherungszeiten untersucht, so Werding. „Die Resultate dürften immer noch annähernd zutreffen. Danach erfüllen weniger als 60 Prozent der Berechtigten die 45 Jahre allein mit Erwerbszeiten, bei den Männern rund drei Viertel, bei Frauen nur ein Drittel.“
Der Rentenexperte Axel Börsch-Supan hatte ebenfalls vor rund zehn Jahren nachgewiesen, dass Männer im Durchschnitt 38 Jahre Beiträge durch eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung erreichen, Frauen 35 Jahre. Fazit: Ein nennenswerter Teil der Bezieher – 40 Prozent oder sogar mehr – haben nicht persönlich durchgehend 45 Jahre Pflichtbeiträge gezahlt.
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