„Verdammt nicht einfach“: Merz kämpft nach CDU-Debakel um seinen Reformkurs – und gibt ein Versprechen
Stand: 16.09.2026, 06:53 Uhr
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Der Kanzler steht stark unter Druck. Doch so leicht gibt er nicht auf. Von seinem Reformkurs lässt er sich jedenfalls nicht abbringen.
Berlin – Friedrich Merz macht gerade schwere Zeiten durch. Der Kanzler steht nach dem Debakel der CDU bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt unter erheblichem Druck. Selbst aus den eigenen Reihen wird seine Führungsstärke zunehmend infragegestellt. Das Wort „Kanzlertausch“ macht immer häufiger die Runde.

Da tut ein Wohlfühlevent sichtlich gut. Und das durfte Merz am Dienstagabend (15. September) endlich mal wieder genießen. Da trat der Kanzler vor rund 170 jungen Menschen bei einer Veranstaltung der Konrad-Adenauer-Stiftung (KAS) in Berlin auf. Anlass war der 77. Jahrestag der Wahl Konrad Adenauers zum ersten Bundeskanzler am 15. September 1949.
Merz unter Druck – ein Abend gibt ihm kurz Rückhalt
Die KAS hatte in die „Deep Eventlocation“ auf einem ehemaligen Brauerei-Gelände im Berliner Stadtteil Prenzlauer Berg geladen. Als Merz den unterirdischen Säulengewölbekeller betrat, gab es erst einmal langen Applaus. „Vielen Dank für die freundliche und liebevolle Begrüßung“, sagte der Kanzler.
Das Publikum setzte sich aus Stipendiaten der Stiftung, Vertretern von Jugendorganisationen, Jugendoffizieren der Bundeswehr sowie Auszubildenden der örtlichen Industrie- und Handelskammer zusammen. Unter normalen Umständen wäre der Auftritt ein Routinetermin gewesen. Die Umstände sind jedoch nicht normal.
Merz lässt sich von seinem Reformkurs nicht abbringen
Bei der Diskussion mit den jungen Gästen gab sich Merz aber kämpferisch. Als er von Emilie Antonia Höslinger vom Ifo-Institut auf die geplanten Reformen der Bundesregierung angesprochen wurde, war seine Antwort eindeutig: „Ja, ich möchte diese Reformen durchsetzen“, antwortete Merz – und erntete dafür Applaus. Als Höslinger nachhakte, ob das ein Versprechen sei, schränkte der Kanzler ein: „Ja, das ist ein Versprechen, den ernsthaften Versuch zu unternehmen, das hinzubekommen.“
Ja, ich möchte diese Reform durchsetzen. Ja, das ist ein Versprechen, den ernsthaften Versuch zu unternehmen, das hinzubekommen.
Mehr könne er nicht tun, sagte Merz und verwies auf seine begrenzte Rolle im parlamentarischen Prozess. „Ich habe eine Stimme im Deutschen Bundestag von 630.“ Zwar könne er Reformen auch mit seiner Richtlinienkompetenz im Kabinett durchsetzen. Aber: Sobald ein Vorhaben das Kabinett verlassen habe, befinde man sich „auf der hohen See des Deutschen Bundestages“. Und dort benötige er eine Mehrheit der Abgeordneten. „Das wird ein Kraftakt werden, aber ich möchte es erreichen“, betonte Merz.
Kann Merz die Wende schaffen? Der Kanzler kämpft
Auch das Thema Vertrauen in die Politik sprach Merz offen an. Auf einen entsprechenden Hinweis aus dem Publikum gestand er ein, große Teile der Bevölkerung hätten „kein wirkliches Vertrauen“ mehr in Politik und Bundesregierung. Sie liefen daher „einfachen Lösungen“ rechts und links außen nach.
Merz rief dazu auf, mehr Zuversicht zu vermitteln: „Wir sind ein Land unter Stress, aber wir sind auch gleichzeitig ein Land mit fantastischen Möglichkeiten.“ Merz räumte ein, dass Optimismus den Deutschen nicht „in der Volksseele“ liege. „Ich bin auch Sauerländer und kein Rheinländer, aber ich arbeite daran, dass wir das gemeinsam hinbekommen.“
KAS-Abend in Berlin: Merz sammelt „ein Stück Kraft“
Doch Merz weiß nur zu gut, dass die politische Lage angespannt bleibt. So droht seiner Partei bei der Wahl in Mecklenburg-Vorpommern am 20. September ein neues Desaster. Aktuelle Umfragen vor der MV-Wahl 2026 sehen die CDU bei gerade einmal 7 Prozent. Das wäre das historisch schlechteste Ergebnis der CDU bei einer Landtagswahl. Gleichzeitig wird am selben Tag in Berlin das Abgeordnetenhaus neu gewählt. Bundespolitische Konsequenzen dürften sich aus der Berlin-Wahl allerdings kaum ergeben, weil die politische Situation in der Bundeshauptstadt als nicht vergleichbar mit anderen Ländern gilt.
Merz hat für den Abend des Wahlsonntags eine offizielle Präsidiumssitzung in der Berliner CDU-Parteizentrale einberufen. Das ist ungewöhnlich: Normalerweise tagen Parteigremien erst am Montag nach einer Wahl. Noch während Merz im Gewölbekeller sprach, wurde die Absage seiner New-York-Reise bekannt. Merz hatte ursprünglich am Mittwoch vor der UN-Vollversammlung sprechen wollen. Am selben Tag kommt die Unionsfraktion im Bundestag zusammen. Immerhin bot ihm der KAS-Abend eine kurze Verschnaufpause. Am Ende erklärte er, die Veranstaltung habe ihn motiviert und ihm „ein Stück Kraft“ gegeben „in einer Zeit, die verdammt nicht einfach ist“. (Quellen: FAZ, Spiegel, SZ, dpa) (cs)