Rentenreform in Gefahr?: Kretschmer droht mit Nein bei Renten-Abstimmung im Bundesrat

Rentenreform in Gefahr?Kretschmer droht mit Nein bei Renten-Abstimmung im Bundesrat

31.07.2026, 13:32 Uhr

Michael-Kretschmer-CDU-Ministerpraesident-von-Sachsen-sitzt-zu-Beginn-der-Konferenz-der-Regierungschefinnen-und-Regierungschefs-der-Laender-MPK-im-Bundesrat
Kretschmer lehnt die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ab. (Foto: picture alliance/dpa)

Friedrich Merz stellt seine Rentenreform als "Gesamtkonzept" vor, Sozialministerin Bas spricht sogar von einem "Gesamtkunstwerk". Sachsens Ministerpräsident Kretschmer sieht das anders und droht mit Blockade - doch allein kann er nur wenig ausrichten.

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer droht mit einem Nein im Bundesrat zu den schwarz-roten Reformplänen bei Rente und Pflege. Der CDU-Politiker kündigte dies für den Fall an, dass die Koalition ihre Pläne wie geplant umsetzen will. Dem Redaktionsnetzwerk Deutschland sagte Kretschmer: "Ohne Veränderungen werden wir bei der Renten- und der Pflegereform im Bundesrat nicht zustimmen können. Und wenn andere Länder auch nicht zustimmen, dann gibt es diese Renten- und Pflegereform nicht."

Am Donnerstag hatten Kretschmer und die zwei Ost-Ministerpräsidenten Sven Schulze (Sachsen-Anhalt) und Mario Voigt (Thüringen) sich bereits offen gegen einen umstrittenen Baustein der geplanten schwarz-roten Rentenreform gestellt. Dabei geht es um eine Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren.

Kretschmer hatte bereits darauf hingewiesen, dass die drei Länder zusammen zwölf Stimmen im Bundesrat haben. Damit könnten Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt ein Gesetz in der Länderkammer allerdings nicht allein aufhalten. Dort gibt es insgesamt 69 Stimmen, die Mehrheit beträgt 35 Stimmen. Aber auch andere kritisierten die geplante Abschaffung der Rente für besonders langjährig Versicherte, etwa Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke oder Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin Manuela Schwesig. Alle fünf ostdeutschen Länder zusammen kommen aber auch nur auf 19 Stimmen im Bundesrat.

"Wenig Verständnis für den Osten"

In dem Interview kritisierte Kretschmer, er sehe grundsätzlich "wenig Verständnis für den Osten in der aktuellen Bundesregierung". Das spiegele sich auch bei den anstehenden großen Reformvorhaben wie Gesundheit, Rente und Pflege wider. "In Sachsen liegen die Durchschnittsrenten bei 1300 bis 1500 Euro. Der Eigenanteil für einen Pflegeplatz liegt bei mehr als 3000 Euro. Hier kämpfen wir für die Menschen im Osten, die eben andere Erwerbsbiografien haben."

Bundeskanzler Friedrich Merz hatte bei der Vorstellung der 33 Empfehlungen der von der Regierung eingesetzten Rentenkommission im Juni gesagt: "Alle Elemente dieses Reformpakets müssen jetzt zügig umgesetzt werden." Man könne es sich nicht erlauben, einzelne Maßnahmen herauszunehmen oder abzulehnen. Alles greife ineinander und balanciere sich gegenseitig aus. "Sie bilden ein Gesamtkonzept, das nur in seiner Gesamtheit funktioniert." Sozialministerin Bärbel Bas hatte von einem "Gesamtkunstwerk" gesprochen.

Zu den Vorschlägen zählen im Kern eine langsame Erhöhung des Renteneintrittsalters und eine langfristige Stabilisierung der Renten durch den Aufbau einer eigenen Säule in der Rentenversicherung, bei dem Geld an den Aktien- und Kapitalmärkten angelegt werden soll.

Quelle: ntv.de, mwa/dpa