Reparations-Forderung: Jamaika verlangt Milliarden von König Charles
Stand: 10.09.2026, 14:02 Uhr
Eine Delegation aus der Karibik landet in London. Im Gepäck hat sie ein Dokument, das den Palast rund um König Charles in eine heikle Lage bringt.
London – Als das britische Parlament 1833 die Sklaverei in den Kolonien abschaffte, floss eine gewaltige Summe, allerdings nicht an die Befreiten. 20 Millionen Pfund gingen an die Eigentümer der Plantagen, als Entschädigung für den Verlust ihres „Besitzes“. Der Betrag entsprach rund 40 Prozent der damaligen Jahreseinnahmen des britischen Schatzamts und war nur über einen Kredit zu stemmen, der erst 2015 vollständig getilgt wurde. Genau diese Jahreszahl ist inzwischen zum Kernargument einer Delegation geworden, die am Wochenende in London gelandet ist.

Jamaikas Kulturministerin Olivia Grange (80) reiste gemeinsam mit Mitgliedern des nationalen Reparationsrats an, im Gepäck eine Petition, die am Montag bei König Charles III. (77) eingereicht wurde. „Bis 2015 hat Großbritannien die Sklavenhalter bezahlt, weil wir als Eigentum galten“, sagte Grange laut GB News nach ihrer Ankunft.
Jamaika fordert Reparationen von England und König Charles
Die Forderung beläuft sich auf 7,6 Milliarden Pfund (ca. 8,8 Milliarden Euro). Formal richtet sich die Petition an König Charles III. (77) in seiner Funktion als Staatsoberhaupt Jamaikas: Er soll den Justizausschuss des Privy Council einschalten, jenes Londoner Gremium, das für einige Commonwealth-Staaten und britische Überseegebiete als letzte Berufungsinstanz dient. Die fünf Richter sollen klären, ob die Verschleppung von Afrikanern nach Jamaika rechtmäßig war, ob sie ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit darstellte und ob Großbritannien heute zur Wiedergutmachung verpflichtet ist.
Der Buckingham-Palast reagierte zurückhaltend. „Seine Majestät hat bei vielen Gelegenheiten zum Ausdruck gebracht, Wege finden zu wollen, historisches Unrecht zum Wohle der Gemeinschaften von heute aufzuarbeiten“, teilte ein Sprecher mit. Britische Regierungen haben Reparationszahlungen bislang konsequent abgelehnt.
„Wir haben Systeme geerbt, die unser Land und unsere Menschen weiter benachteiligen. Das Erbe im Bildungswesen, ja sogar im Gesundheitswesen, die Art und Weise, wie wir uns ernähren, unsere Ernährungsgewohnheiten – all das ist darauf zurückzuführen, womit wir und unsere Vorfahren ernährt wurden“, sagte Grange dem Guardian. Auf dem Programm der Delegation steht außerdem ein Termin im British Museum: Dort will Jamaika die Rückgabe von drei Taino-Schnitzereien erreichen, die 1792 in einer Höhle auf der Insel entdeckt und nach Großbritannien gebracht wurden. Verwendete Quellen: gbnews.com, theguardian.com