Reparieren statt wegwerfen: Was die neue EU-Vorgabe verändert

Stand: 11.09.2026, 13:30 Uhr

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ARCHIV - Elektrogerät kaputt? Im Repair Café kann man es kostenlos reparieren. (zu dpa: „Repair Cafés: Gemeinsam reparieren statt wegwerfen“) Foto: Florian Schuh/dpa-tmn - Honorarfrei nur für Bezieher des dpa-Themendienstes +++ dpa-Themendienst +++

Elektrogerät kaputt? Im Repair-Café kann man es kostenlos reparieren. © Florian Schuh/dpa

Die EU hat ein Recht auf Reparatur eingeführt. Was das für Verbraucher – auch in psychologischer Hinsicht – bedeutet. Die Kolumne „Gastwirtschaft“.

Das Inkrafttreten einer EU-Vorgabe zum „Recht auf Reparatur“ hat rasch viele Fragen ausgelöst, die sich auf den Rechtekatalog und die praktische Umsetzung einer solchen Zusicherung beziehen. Verbraucherzentralen etwa sehen sich nun mit Fragen zu Garantie- und Vertragsaspekten oder zu Ersatzteilpflichten konfrontiert. Die Initiative reiht sich ein in Aufforderungen, dem schnellen Konsum und dem Wegwerfen den Spiegel vorzuhalten.

Michael Jäckel

Michael Jäckel. © Privat

Das Thema beschäftigt die Wissenschaft natürlich seit langem. Im Jahr 2018 etwa erschien der Band „Kulturen des Reparierens und die Lebensdauer der Dinge.“ Es gehe dem Verbraucher um ein Gefühl von Selbstermächtigung und Unabhängigkeit. Er möchte den Dingen auf den Grund gehen, nicht nur etwas in Anspruch nehmen, sondern auch verstehen, was da vorgeht. Die Entfremdung von dieser Fähigkeit hat viele Gesichter. Am deutlichsten wird es, wenn der Markt selbst einen Nutzen für sich erkannte. „Vom Konsumenten zum Prosumenten“ galt als Fazit der Suche nach Erklärungen für das Aufkommen einer Do-it-Yourself-Bewegung: nicht nur verbrauchen, sondern mitwirken: etwas zuschneiden, zusammenschrauben, eigenständig und dauerhaft funktionsfähig machen.

Das führt zur psychologischen Bedeutung des Reparierens. Es gleicht einer Produktrettung. Es steht für die Wertschätzung menschlicher Arbeit und signalisiert eine Abneigung gegen Verschwendung. Ein Gefühl von Gemeinschaft mag aufkommen, wenn man damit nicht alleine gelassen wird. „Do it together“ wird vielfältig ermöglicht: Im Repair-Café werden die kompetente Hilfe und die Lernwerkstatt-Atmosphäre geschätzt, die Wissensallmende des Internets gleich einem Anleitungswettbewerb. In Krisensituationen verstärkt sich zudem die Kreativität, es wird mehr selbst gemacht und geholfen, die Aufmerksamkeit für Fehlentwicklungen wird gestärkt, der eigene Konsum wird mehr reflektiert. So vereinen sich „Konsumrebellen“ mit unterschiedlichen Ansprüchen an den gewünschten Wandel.

Weitergehend verändert der Leitgedanke „Aus Alt mach Neu“ den Lebenszyklus von Produkten und Rohstoffen – zum Recycling etwa gesellt sich das Upcycling. Auch hier ist der Markt längst erwacht und überrascht mit Ideen der Andersverwertung von Dingen, die eigentlich ausgedient hatten. Im Grundsatz gilt auch hier: recht so. Der Autor ist Professor für Soziologie. Von 2011 bis 2023 war er Präsident der Universität Trier.