Putin will Frieden, Selenskyj blockiert – so dreht Trump die Schuldfrage im Ukraine-Krieg um

Ringen um Ende des Ukraine-Kriegs: Trump sucht den Blockierer – und aus seiner Sicht ist es nicht Putin

Stand: 13.10.2026, 22:06 Uhr

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Trumps Waffenstillstand scheitert. Er macht Selenskyj statt Putin zum Blockierer im Ukraine-Krieg – und fordert offen einen neuen Präsidenten in Kiew.

Washington, D.C. – In Gesprächen für ein Ende des Ukraine-Kriegs geht es nicht voran, auch ein von US-Präsident Donald Trump angekündigter Teilwaffenruhe floppt. Auf der Suche nach einem Schuldigen geriet der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj zunehmend ins Visier von Trump. „Ich glaube, Putin ist eigentlich mehr an einer Einigung interessiert als Selenskyj“, sagte der US-Präsident bei einem Pressegespräch auf der Joint Base Andrews, das das Weiße Haus teilte.

Trump und Putin in Anchorage.

US-Präsident Donald Trump hat Putin im Pressegespräch verteidigt (Archivbild). © Sergey Bulkin/Imago

Nur wenige Minuten zuvor hatte Trump Selenskyj und dem russischen Präsidenten Wladimir Putin noch beiden die Bereitschaft für ein Ende des Kriegs zugesprochen. „Ich glaube, beide sind dafür. Ich glaube, sie wollen eine Einigung erzielen, wissen aber nicht, wie. Aber wir werden sie dazu bringen, eine Einigung zu erzielen.“, hieß es dort.

Friedensverhandlungen im Ukraine-Krieg: Trump nimmt Selenskyj in die Pflicht

Später betonte Trump dann auf Nachfrage, wie er Putin zum Einhalten eines Friedensabkommens bringen wolle: „Wir müssen Selenskyj dazu bringen, dass auch er eine Einigung will.“ Putin wolle dem US-Präsidenten zufolge bereits einen Friedensdeal erzielen. Russlands Forderungen haben in der Vergangenheit massive Gebietsabtretungen und militärische Neutralität der Ukraine beinhaltet. Das Pressegespräch mit Trump fand statt, nachdem Selenskyj russische Verstöße gegen ein angebliches Abkommen für einen Teilwaffenstillstand gemeldet hatte.

Dabei lief offenbar bereits die Kommunikation des Teilwaffenstillstands holprig. Selenskyj gab gegenüber Axios an, dass die Mitteilung eines Waffenstillstands durch Trump eine „Neuigkeit“ für ihn gewesen sei. Man stimme dem Waffenstillstand im Energiesektor jedoch zu, wenn Russland ebenfalls zustimme. Der Kreml-Sprecher Dmitri Peskow erklärte nach Trumps Ankündigung laut NBC News: „Die Gespräche dauern an.“ Man werde sich dazu äußern, wenn es Neuigkeiten bei dem Thema gebe.

Trumps Waffenstillstand im Ukraine-Krieg: Selenskyj wusste offenbar von nichts

Die Einstellung der Ukraine und von Russland zu dem Waffenstillstand schien Trump am Montag (12. September) wenig zu interessieren. „Sie haben zugestimmt, weil ich gesagt habe, dass sie zugestimmt haben“, sagte er. Selenskyj selbst gab auf Telegram an, die Ukraine hätte nach der Verkündung eines Waffenstillstands im Energiesektor zwei Tage lang keine russischen Ölraffinerien oder andere Teile der Energieinfrastruktur angegriffen. Russland habe hingegen sechs ukrainische Energieanlagen am Montag (12. Oktober) angegriffen, schrieb Selenskyj auf der Onlineplattform X.

Laut Trump liege die Verantwortung für ein Scheitern der Feuerpause jedoch nicht nur bei Russland. Auf Nachfrage nach den russischen Verletzungen des Waffenstillstands betonte Trump, es habe „Verletzungen auf beiden Seiten“ gegeben. Er müsse sich das genauer anschauen, meint der US‑Präsident. Konkrete Vorfälle nannte Trump nicht. Die Angaben von Selenskyj und Trump konnten nicht unabhängig geprüft werden.

Trump relativiert Vorwürfe gegen Russland: Verstöße gegen Waffenstillstand auf beiden Seiten

Zuvor waren Trump und Selenskyj bereits wegen eines Dieselabkommens zwischen Russland und den USA aneinandergeraten. Nach Kritik des ukrainischen Präsidenten an dem Abkommen sagte Trump: „Es ist an der Zeit, dass die Ukraine einen neuen Präsidenten bekommt.“ Selenskyj hatte kritisiert, dass ein Diesel-Kaufabkommen der beiden Länder Russland mehr Geld für den Ukraine-Krieg zur Verfügung stellen würde.

Trump erklärte am Samstag (10. Oktober) weiter, Selenskyj wolle der Welt durch Angriffe auf russische Raffinerien „Probleme bereiten“. Der US-Präsident forderte: „Er soll verdammt noch mal damit aufhören.“ Dann schlug Trump vor, die Ukraine solle „sich einen neuen Staatschef suchen, der einen Deal aushandeln kann“. Am Sonntag (11. Oktober) gab Trump den angeblichen Energie-Waffenstillstand zwischen Russland und der Ukraine bekannt.

Kreml lehnt Selenskyjs Waffenstillstand-Vorstoß für Wahlen ab

Selenskyj schlug am Sonntag (11. Oktober) Reuters zufolge einen 60-tägigen Waffenstillstand vorgeschlagen, durch den Präsidentschaftswahlen in der Ukraine stattfinden könnten. Wahlen sind nach ukrainischem Recht in Kriegszeiten verboten.

Der Kreml-Sprecher Dmitry Peskow lehnte den Vorschlag ab, man wolle keinen Waffenstillstand. „Wir wollen langfristigen Frieden und sind bereit, alles in unserer Macht Stehende zu tun, um ihn zu erreichen“, sagte er weiter. Russland hatte den ukrainischen Präsidenten zuvor mehrfach einen illegitimen Anführer genannt und dazu gedrängt, dass die Ukraine Wahlen durchführen soll. (Quellen: Reuters, Axios, NBC News, BBC, eigene Recherche) (lismah)