Robotaxis in München: Warum Waymo ausgerechnet Bayern als EU-Startpunkt wählt
Stand: 26.08.2026, 08:31 Uhr
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Waymo startet 2027 fahrerlose Taxis in München, der ersten EU‑Stadt für den Google-Ableger. Kartierungsfahrten beginnen in Wochen, Genehmigungen fehlen noch.
München – München wird zum Reallabor für ein Geschäftsmodell, das in Deutschland bislang nur auf dem Papier existierte. Waymo, die Robotaxi-Tochter von Alphabet, kündigte an, Ende 2027 einen regulären fahrerlosen Fahrdienst in der bayerischen Landeshauptstadt zu starten, wie das Unternehmen in einem Blogeintrag mitteilte.
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Damit wäre München die erste Stadt innerhalb der Europäischen Union mit kommerziellem Waymo-Betrieb ohne Sicherheitsfahrer. Bereits in den kommenden Wochen sollen erste Fahrzeuge auf Münchner Straßen unterwegs sein, zunächst manuell gesteuert, um das Straßennetz zu kartieren, berichtet heise.

Co-CEO Tekedra Mawakana bezeichnete München laut heise als „einen der absoluten Top-Standorte für Mobilität und Technologie“ und kündigte Investitionen in einen lokalen Flottenbetrieb an.
„Die Ankündigung von Waymo ist ein Meilenstein für das autonome Fahren in Bayern. Die ersten Testfahrzeuge werden in den kommenden Wochen zunehmend im Münchner Stadtbild sichtbar sein“, sagte Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger laut BR.
Genehmigungen fehlen, der Rechtsrahmen steht seit 2021
Rechtlich bewegt sich Waymo auf vorbereitetem Terrain. Deutschland schuf bereits 2021 die gesetzliche Grundlage für fahrerlosen Straßenverkehr im Regelbetrieb und gilt laut TechCrunch als erstes EU-Land mit einem Rechtsrahmen für Level-4-Autonomie, bei der kein menschliches Eingreifen mehr vorgesehen ist.
Aktuell besitzt Waymo laut Daten des Kraftfahrt-Bundesamts jedoch noch keine Testgenehmigung in Deutschland, während Firmen wie Mobileye und Volkswagen bereits Level-3-Zulassungen halten.

Für den späteren fahrerlosen Betrieb muss Waymo erst mit dem Kraftfahrt-Bundesamt sowie Landes- und Kommunalbehörden die Zulassung erwirken, so t3n. Der politische Rückenwind ist da: Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger bezeichnete die Ankündigung laut Google News Wirtschaft (DE) als „Meilenstein für das autonome Fahren in Bayern“ und formulierte das Ziel, Robotaxis bereits zur IAA Mobility 2027 praktisch einzusetzen.
Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesverkehrsminister, wertete die Entscheidung laut heise als Beleg dafür, dass „reguläre autonome Mobilitätsdienste in Deutschland im Regelbetrieb möglich“ seien.
US-Bilanz mit über 350 Millionen autonomen Kilometern
Waymo stützt seine Expansion auf eine umfangreiche Betriebshistorie in den USA. In elf Großräumen, darunter Los Angeles, Phoenix und San Francisco, hat der Dienst nach Unternehmensangaben mehr als 350 Millionen Kilometer ohne menschliche Steuerung zurückgelegt und über 20 Millionen bezahlte Fahrten durchgeführt, wie WirtschaftsWoche berichtet.
Waymo meldet auf Basis eigener Erhebungen ein Vielfaches weniger Unfälle mit Schwerverletzten sowie mit Fuß- und Radverkehr im Vergleich zu menschlichen Fahrern.
Diese Zahlen stammen jedoch aus unternehmenseigenen Auswertungen. Eine unabhängige Prüfung für den deutschen Kontext steht aus. Für München ist relevant: Testfahrten in London sorgten laut Google News Wirtschaft (DE) bereits für Anwohnerbeschwerden wegen lauter Rangiermanöver beim Kartieren enger Straßen.
Bayerns Staatskanzleichef Florian Herrmann verwies laut heise zudem auf die Standortstärke mit starken Automobilherstellern, Zulieferern und einer leistungsfähigen KI-Landschaft und kündigte an, regulatorische Hürden abbauen zu wollen.
Konkurrenz aus München selbst formiert sich bereits
Waymo trifft in München nicht auf ein leeres Feld. Uber und das israelische KI-Unternehmen Autobrains hatten bereits ein gemeinsames Robotaxi-Programm mit Level-4-Flotte für die Stadt angekündigt, wie heise berichtet.
Parallel bereitet Waymo laut eigenen Angaben den Marktstart in London für 2026 vor, wo Wayve und Uber sowie der chinesische Anbieter Baidu mit Lyft und Freenow um Marktanteile ringen, so TechCrunch.
Für Münchens Taxigewerbe und den ÖPNV bedeutet das wachsenden Konkurrenzdruck aus mehreren Richtungen gleichzeitig. Konkrete Reaktionen von Münchner Taxiverbänden liegen bislang nicht vor, ebenso wenig eine offizielle Stellungnahme der Münchner Verkehrsgesellschaft zu möglichen Auswirkungen auf den öffentlichen Nahverkehr.
Business Punk Check
Fakt ist: Waymo hat einen Starttermin genannt, keine Genehmigung liegt vor. Die Sicherheitsstatistik stammt vollständig von Waymo selbst, eine unabhängige deutsche Bewertung fehlt bislang.
Interessant ist die Doppelrolle Münchens als politisch gewünschter Vorzeigestandort und gleichzeitig als Stadt mit etabliertem Taxigewerbe, das um Kunden bangen dürfte. Offen bleibt, wie das Kraftfahrt-Bundesamt die Zulassung im Detail gestaltet und ob Anwohnerproteste wie in London auch in München Wirkung zeigen.