Rohöl-Mengen auf dem Stand von vor dem Iran-Krieg: Darum sinken die Spritpreise dennoch nicht
Stand: 06.10.2026, 13:32 Uhr
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Das Rohöl fließt wieder, doch an den Zapfsäulen bleibt es teuer. Warum Autofahrer und Unternehmen trotz steigender Fördermengen weiter tief in die Tasche greifen müssen.
Washington, D.C. / USA – Die Botschaften aus dem Weißen Haus klingen nach einem Befreiungsschlag: US-Präsident Donald Trump und seine Regierung betonen fast täglich, dass die Rohöl-Exporte aus den Golfstaaten wieder massiv anziehen und der Iran die Kontrolle über die strategisch entscheidende Straße von Hormus verloren habe. Laut Trump fließen wieder Rekordmengen durch die Meerenge – vergleichbar mit den 20 Millionen Barrel täglich vor Beginn der militärischen Eskalation.

Doch Autofahrer und Wirtschaftsbetriebe merken von diesem Aufwärtstrend an den Zapfsäulen bislang nichts. Im Gegenteil: Die Notierungen für die Nordsee-Referenzsorte Brent kletterten zuletzt wieder über die Marke von 100 US-Dollar pro Barrel (159 Liter) und verteuerten sich seit Jahresbeginn um rund 65 Prozent. Warum führt das zurückkehrende Angebot nicht zu sinkenden Preisen? Die Gründe liegen in einem komplexen Geflecht aus militärischen Risiken, logistischen Hürden und marktstrukturellen Problemen.
Reale Mengen hinken hinterher und sind teuer erkauft
Während politische Erfolgsmeldungen ein vollständiges Ende der Versorgungskrise suggerieren, zeichnen unabhängige Daten ein vorsichtigeres Bild. Wie die österreichische Tageszeitung Die Presse unter Berufung auf Tracking-Dienste wie Kpler berichtet, passieren derzeit rund 7,4 Millionen Barrel Rohöl pro Tag die Meerenge; inklusive alternativer Routen liegen die Gesamtexporte der arabischen Golfstaaten bei etwa 13 Millionen Barrel. Das ist eine deutliche Erholung, liegt jedoch weiterhin spürbar unter dem Vorkriegsniveau.
Zwar teilte Kuwait laut Angaben der Nachrichtenagentur dpa mit, inzwischen wieder 75 Prozent der Vorkriegsmenge zu fördern, und der staatliche saudische Ölkonzern Saudi Aramco senkte die Preise für asiatische Abnehmer, um Marktanteile zu sichern. Doch diese Transporte sind mit immensen Kosten verbunden: US-Kriegsschiffe müssen Tanker eskortieren, Routen führen im Zickzack an der Küste von Oman entlang, und irakisches Öl wird teils per Lastwagen an das Mittelmeer transportiert. Auch ineffiziente Umladungen von Schiff zu Schiff außerhalb der Meerenge treiben die Frachtraten weltweit in die Höhe.
Raffinerie-Engpässe: Aus Rohöl wird nicht automatisch Sprit
Ein entscheidender Grund, warum sinkende Rohöl-Notierungen nicht an der Zapfsäule ankommen, liegt in der nachgelagerten Verarbeitung. Wie eine Analyse der Wirtschaftswoche verdeutlicht, sind die Raffineriekapazitäten im Nahen Osten infolge von Kriegsschäden weiterhin massiv eingeschränkt. Die Folge ist ein kostspieliger weltweiter Logistik-Umweg: Tanker müssen das Rohöl zunächst zu unabhängigen Raffinerien nach China und Südkorea transportieren. Da die Nachfrage nach Diesel, Benzin und Kerosin jedoch vor allem aus der westlichen Hemisphäre kommt, müssen die fertigen Destillate anschließend erneut um die halbe Welt zurückgeschippert werden. Diese enormen Distanzen in Kombination mit explodierenden Frachtraten verteuern die Endprodukte drastisch – die Raffineriemargen bleiben historisch hoch.
Das Portal finanzmarktwelt.de verweist darauf, dass insbesondere bei fertigen Kraftstoffen wie Diesel eine spürbare Verknappung herrscht. Eingeschränkte Raffineriekapazitäten und blockierte Diesel-Exporte aus dem Nahen Osten lassen sich kurzfristig nicht kompensieren. Raffinerien weltweit arbeiten am Limit. Dadurch entkoppeln sich die Preise für Endprodukte spürbar vom reinen Rohölpreis – die sogenannte Raffineriemarge bleibt historisch hoch.
Service: Clever tanken und Sprit sparen
Solange die Kraftstoffpreise auf hohem Niveau verharren, können Autofahrer mit einfachen Kniffen bares Geld sparen:
Die Uhrzeit nutzen: Durch die 12-Uhr-Regelung (Preiserhöhungen dürfen nur einmal täglich mittags erfolgen) ist das Tanken am Vormittag – besonders zwischen 10:00 und 11:00 Uhr – meist deutlich billiger.
Autobahn-Raststätten meiden: Kraftstoff an Fernstraßen ist drastisch teurer. Bereits ein kurzer Abstecher an Stationen im Umland spart oft zweistellige Cent-Beträge pro Liter.
Apps einsetzen: Vergleichs-Apps wie Clever Tanken, mehr-tanken oder ADAC Drive zeigen die günstigsten Anbieter im Umkreis minutengenau an.
Fahrzeug optimieren: Richtiger Reifendruck und das Entfernen von ungenutzten Dachboxen oder Ballast senken den Verbrauch spürbar. Zudem vertragen fast alle Benziner das günstigere Super E10.
Ausgezehrte Lager und Inflationsabsicherung
Ein weiterer preistreibender Faktor ist der weltweite Nachholbedarf. Während der akuten Phase der Seeblockade griffen Staaten und Energiekonzerne massiv auf strategische Ölreserven zurück. Nach Schätzungen von Energie-Analysten fielen die weltweiten Lagerbestände um Hunderte Millionen Barrel. Zusätzliche Fördermengen fließen daher vorrangig in das Wiederauffüllen dieser leeren Speicher und erreichen den Endmarkt nur verzögert.
Gleichzeitig heizen die internationalen Finanzmärkte die Preise an: Investoren und Fonds nutzen Öl-Futures verstärkt als Absicherung gegen die anhaltende Inflation, was den Preis auch ohne physische Knappheit stützt.
Das Damoklesschwert im Persischen Golf
Hinzu kommt die anhaltende militärische Unsicherheit, die einen dauerhaften Preisrückgang verhindert. Neben den Berichten der britischen Schifffahrtsbehörde UKMTO über erneuten Tanker-Beschuss droht eine weitere Zuspitzung des Konflikts: Laut Informationen des Wall Street Journal plant Donald Trump nach den US-Zwischenwahlen neue Militärschläge im Iran. Zur Absicherung haben die USA bereits einen dritten Flugzeugträgerverband mit rund 10.000 Soldaten entsendet, der Ende Oktober im Arabischen Meer eintreffen soll.
Zudem beschädigten vom Iran unterstützte Milizen erst vor wenigen Wochen die wichtige saudische Ost-West-Pipeline mit Drohnen. Solange Förderanlagen, Terminals und Seewege akut bedroht sind, bleibt ein massiver geopolitischer Risikoaufschlag im Ölpreis eingepreist.
„Die Sorgen um das Angebot bleiben bestehen, weshalb es für den Markt schwierig ist, über längere Zeit auf fallende Preise zu setzen“, fasst Naohiro Niimura von der Energieberatung Market Risk Advisory gegenüber Bloomberg die Lage zusammen. Auch Nahost-Experten wie Esfandyar Batmanghelidj von der Denkfabrik Bourse&Bazaar betonen, dass die gesamte Energieinfrastruktur am Golf weiterhin akut bedroht ist.
Solange keine diplomatische Stabilisierung greift, bleibt ein massiver geopolitischer Risikoaufschlag im Ölpreis eingepreist – und hält damit auch die Preise an den Tankstellen auf hohem Niveau. (Verwendete Quellen: Deutsche Presse-Agentur, Wirtschaftswoche, Die Presse, finanzmarktwelt.de, The Wall Street Journal, Bloomberg, UKMTO, Kpler, Energy Aspects, Bourse & Bazaar, eigenes Archiv) (stma)