Dark Romance vor Gericht: Wann wird ein Roman zur Kinderpornografie?

Publiziert25. Juli 2026, 04:47

Dark RomanceRoman mit Lehrer-Schülerin-Sex wird zum Justizfall

Gewalt, Machtgefälle und Minderjährige: Im Netz wird heftig diskutiert, wann Dark Romance problematische Inhalte romantisiert statt kritisch erzählt. Ein Jurist erklärt, wann Inhalte bedenklich oder sogar strafrechtlich relevant werden.

Deborah Gonzalez

Darum gehts

  • Ein Dark-Romance-Roman mit einer sexuellen Beziehung zwischen einem Lehrer und seiner minderjährigen Schülerin löst auf Booktok eine Debatte aus.
  • Kritiker werfen dem Genre vor, sexuelle Gewalt oder Missbrauch teilweise zu romantisieren und fordern klare Grenzen sowie Altersfreigaben.
  • Ein Jurist ordnet ein, wo das Schweizer Strafrecht die Grenze zwischen literarischer Freiheit und strafbaren Inhalten zieht.

Ein 34-jähriger Lehrer entwickelt sexuelles Interesse an einer 16-jährigen Schülerin. Zwischen den beiden kommt es zu sexuellen Handlungen, die von einem deutlichen Machtgefälle geprägt sind.

Im Verlauf der Geschichte werden ausserdem sexuelle Gewalt und Zwang beschrieben. Trotzdem wird der Roman als Dark Romance verkauft. Genau dieses Buch sorgt derzeit nicht nur in der Buchcommunity für Diskussionen, sondern beschäftigt auch die Justiz.

Keine Angaben zu konkreten Vorwürfen

Der Fall wirft zugleich eine grundsätzliche Frage auf: Wo endet Dark Romance – und wo beginnt die Romantisierung strafbarer Handlungen? Das Genre gehört seit Jahren zu den erfolgreichsten auf Booktok. Die Geschichten handeln oft von Mafia-Bossen, Entführern oder anderen moralisch fragwürdigen Figuren.

Gewalt, Machtgefälle und toxische Beziehungen gehören häufig zu den festen Bestandteilen der Handlung. Fans betonen, dass es sich um reine Fiktion handelt. Kritiker sehen das deutlich differenzierter.

Im konkreten Fall der deutschen Autorin Jessica Schwarz handelt es sich um den Roman «Die Fehler unseres Lebens». 20 Minuten hat die Autorin um eine Stellungnahme gebeten. Sie wollte sich auf Anfrage jedoch nicht äussern. In ihrer Antwort schreibt sie, sie werde sich erst «dazu äussern, wenn die Sache gerichtlich geklärt wurde». Danach stehe sie gerne für ein Interview zur Verfügung.

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Öffentlich bekannt ist bislang lediglich, dass ein Gerichtsverfahren läuft. Weitere Informationen zum Inhalt des Verfahrens oder zu den konkreten Vorwürfen sind derzeit nicht bekannt.

Ausschliesslich pornografische Zwecke

Darf ein Roman überhaupt strafbare Handlungen schildern? Grundsätzlich ja, sagt der Schweizer Strafverteidiger Camill Droll. «Insbesondere bei der Darstellung von Gewalt gibt es keine inhaltlichen Grenzen, sofern diese lediglich beschrieben wird», erklärt der Fachanwalt für Strafrecht.

Eine Ausnahme bestehe nur dann, wenn ein Werk aktiv zu Straftaten aufrufe, etwa durch Hass- und Diskriminierungsaufrufe oder direkte Aufforderungen zu Straftaten. «Dabei muss jedoch immer unterschieden werden, ob es sich um ein Kunstprojekt handelt oder ob die Aufforderung der eigentliche Zweck des Werks ist.»

Camill Droll ist Fachanwalt für Strafrecht.

Camill Droll ist Fachanwalt für Strafrecht.Privat

Komplizierter werde es bei sexuellen Darstellungen mit Minderjährigen oder Tieren. «Strafrechtlich relevant kann ein Roman werden, wenn er ausschliesslich pornografischen Zwecken dient und keinen schutzwürdigen literarischen, kulturellen oder wissenschaftlichen Wert aufweist», sagt Droll. Dass ein Roman ohne Bilder überhaupt den Straftatbestand der Pornografie erfüllen könne, sei grundsätzlich möglich. Entscheidend sei aber der Zweck des Werkes.

«Grauzonen sind gross»

«Mir ist allerdings kein Gerichtsentscheid bekannt, in dem ein entsprechender Roman als solcher verboten wurde», so Droll. Ganz ausgeschlossen seien Verfahren gegen Bücher trotzdem nicht. «Die Grauzonen sind grundsätzlich gross», heisst es weiter. Dennoch seien Romane und andere literarische Werke bislang nur selten Gegenstand strafrechtlicher Verfahren geworden.

Seiner Einschätzung nach werde das auch so bleiben, sofern der Gesetzgeber die Bestimmungen nicht verschärfe oder der Markt nicht mit Werken überschwemmt werde, die primär sexuelle Handlungen mit Minderjährigen oder Tieren zum Gegenstand hätten.

Autorin im Kinderschutzregister

Dass Bücher trotzdem strafrechtliche Folgen haben können, zeigt ein Fall aus Australien. Die Autorin Tori Woods wurde Anfang Jahr schuldig gesprochen, nachdem ein Gericht ihren Roman «Daddy’s Little Toy» als Material mit Bezug zu sexuellem Kindesmissbrauch eingestuft hatte. Obwohl die Hauptfigur im Buch 18 Jahre alt ist, befand das Gericht, sie werde sprachlich und in ihrem Verhalten wie ein kleines Kind dargestellt und sexualisiert.

Woods wurde unter anderem wegen der Herstellung, des Besitzes und der Verbreitung solchen Materials schuldig gesprochen. Sie erhielt eine 18-monatige Bewährungsstrafe ohne Gefängnis und wurde für acht Jahre in das australische Kinderschutzregister eingetragen

Liest du Dark Romance? Wenn ja, wieso? Und wenn nein, wieso nicht? Und: Welche Inhalte sind für dich noch Teil des Genres – und wann geht dir eine Geschichte zu weit? Schreib uns deine Meinung unten ins Formular.

Deborah Gonzalez

Deborah Gonzalez (dgo) arbeitet seit 2021 bei 20 Minuten. Sie ist Stellvertretende Ressortleiterin Gesellschaft & Community.

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