Archäologen rätseln: Was trieb reiche Römer in dieses gefährliche Küstengebiet?

Römische Siedlung trotzte den Fluten: Archäologen entdecken außergewöhnliche Fundstelle bei Brügge

Stand: 22.09.2026, 14:17 Uhr

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In Koolkerke finden Archäologen eine römische Siedlung. Sie hielt sich einst trotz häufiger Überschwemmungen hartnäckig an der unwirtlichen Küste.

Brügge – Vor rund 1.800 Jahren ließen sich römische Siedler mitten in einem Überschwemmungsgebiet nieder, das regelmäßig vom Meer geflutet wurde. Sie blieben dort, obwohl das wenig vernünftig erscheint. Die Entdeckung dieser ungewöhnlichen Ansiedlung in Koolkerke bei Brügge gibt den Forschern Rätsel auf, wie vrtnws.be berichtet.

Vor historischen Häusern in Brügge stehen Touristen an einer Anlegestelle für Ausflugsboote Schlange.

Nahe Brügge haben Archäologen eine römische Siedlung gefunden © Romain Fellens/dpa

Im Frühjahr stießen Archäologen bei Vorarbeiten für ein Regenwasser-Rückhaltebecken auf die Überreste der Siedlung aus dem Jahr 200 nach Christus. Das Besondere: Die Bewohner errichteten ihre Häuser in einem Gebiet, das damals deutlich näher am Meer lag und ständig von Fluten bedroht war. Sam De Decker von der Agentur für das Kulturerbe Flanderns vergleicht die Lage mit dem versunkenen Land Saeftinghe, einer heute unter Wasser liegenden Landschaft. Auch in Nordhessen wurde eine alte Siedlung gefunden.

Archäologen finden Siedlung in Überflutungsgebiet – Römer nutzten massive Dämme

Nur drei Kilometer entfernt hätten sichere Sandflächen zur Verfügung gestanden. Stattdessen bauten die Römer Dämme von 20 Metern Breite, die zusammen einen etwa 100 Meter langen Schutzwall bildeten. Die Archäologen vermuten laut vrtnws.be, dass wirtschaftliche Gründe die gefährliche Standortwahl rechtfertigten: vermutlich der direkte Zugang zum Seehandel und Möglichkeiten zur Salzgewinnung.

Die Gebäude selbst bestanden aus vergänglichen Materialien wie Lehm und Holz und sind kaum noch erhalten. Dafür fanden die Forscher reichlich Abfall der Siedler. Darunter sind Keramikscherben aus Italien und Südfrankreich, Gewandnadeln sowie Münzen. Diese Fundstücke belegen, dass die Bewohner wohlhabende Menschen waren.

Die Allgemeinheit kann die Ausgrabungsstätte für sehr begrenzte Zeit selbst besuchen

Am 23. September können Interessierte dem Bericht von vrtnws.be zufolge zwischen 16 und 20 Uhr an der Fortbekeweg in Koolkerke einen Blick auf die Ausgrabungsstätte werfen. Danach verschwinden Teile der Funde wieder unter der Erde, da die Bauarbeiten für das Wasserbecken beginnen. (Quelle: vrtnws.be)