Verbrenner-Aus vor dem Aus: EU-Parlament einigt sich wohl auf Kompromiss – das sind die neuen CO2-Ziele

Rücktritt vom Verbrenner-Aus rückt näher – EU-Parlament einigt sich wohl auf Kompromiss

Stand: 20.10.2026, 14:21 Uhr

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Das faktische Verbrenner-Aus ab 2035 wackelt: Die Mitte-Fraktionen im EU-Parlament haben sich nach Medienberichten auf einen Kompromiss verständigt.

Brüssel / Berlin – Das vollständige Verbot für Neuzulassungen von Autos mit Verbrennungsmotor ab 2035 steht vor dem Aus. In der Nacht zum 20. Oktober 2026 haben sich die Verhandlungsführer der konservativen EVP, der sozialdemokratischen S&D und der liberalen Renew Europe im Europäischen Parlament auf eine deutliche Aufweichung der CO₂-Flottenziele geeinigt, wie der Spiegel exklusiv berichtet.

Emmanuel Macron und Friedrich Merz wollen das Verbrenner-Aus auf EU-Ebene weiter abschwächen

Emmanuel Macron und Friedrich Merz wollen das Verbrenner-Aus auf EU-Ebene weiter abschwächen. Experten warnen vor den Folgen. © Sebastian Kahnert/Sebastian Kahnert/dpa; Bildmontage: IPPEN.MEDIA

Der Kompromiss sieht vor, den CO₂-Ausstoß von Neuwagen bis 2035 im Vergleich zu 2021 nicht wie ursprünglich geplant um 100 Prozent, sondern nur um 87,5 Prozent zu senken. Die reguläre Absenkung soll bei 95 Prozent liegen, Hersteller erhalten jedoch einen Abschlag von bis zu 7,5 Prozentpunkten, wenn sie klimafreundlich hergestellten („grünen“) Stahl in Neufahrzeugen verwenden. Für die Automobilbranche bedeutet dies: Der Verkauf von Neuwagen mit Benzin-, Diesel- oder Hybridantrieb bleibt auch nach 2035 ohne Strafzahlungen möglich.

Deutsch-französischer Schulterschluss ebnete den Weg

Den Weg für die parlamentarische Einigung hatte ein deutsch-französischer Gipfel geebnet. Wie die Deutsche Presse-Agentur am 16. Oktober mit Verweis auf Handelsblatt-Quellen berichtete, hatten sich Bundeskanzler Friedrich Merz und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron zuvor auf eine gemeinsame Linie verständigt. „Das Verbrenner-Aus ist dann damit Geschichte“, bilanzierte Kanzler Merz den Vorstoß. Der deutsch-französische Vorstoß und der Schutz europäischer Autobauer wurde auch auf Merkur.de thematisiert.

Verbrenner-Aus-Aus: So kommt es jetzt zur endgültigen Entscheidung

22. Oktober 2026: Voraussichtliche Abstimmung im Verkehrs- sowie im Industrieausschuss des EU-Parlaments.

Anfang November 2026: Abstimmung im federführenden Umweltausschuss des Parlaments.

Dezember 2026: Geplante Abstimmung im Plenum des Europäischen Parlaments über die gemeinsame Verhandlungsposition.

Anfang 2027: Geplanter Start der finalen Trilog-Verhandlungen zwischen dem EU-Parlament und dem Rat der EU-Mitgliedstaaten.

Reaktionen auf Stopp von Verbrenner-Aus: Erleichterung in Berlin, Kritik von den Grünen

In der Bundespolitik und im EU-Parlament löste bereits die deutsch-französische Einigung ein geteiltes Echo aus. Vizekanzler und SPD-Chef Lars Klingbeil betonte die industriepolitische Bedeutung: „Wir wollen nicht, dass in Deutschland nur noch Komponenten aus Asien zusammengeschraubt werden, sondern dass entscheidende Komponenten hier entwickelt und hier produziert werden.“ Bundesumweltminister Carsten Schneider (SPD) unterstrich: „Elektroautos werden sich in jedem Fall durchsetzen, weil sie technisch überlegen sind und man beim Fahren viel Geld sparen kann.“ Gleichzeitig mahnte er klare Investitionen und Jobgarantien der Autobauer in Deutschland an.

Aus den Reihen der EU-Parlamentarier begrüßte Jan-Christoph Oetjen (FDP) die Aufweichung: „Flexibilität für die Automobilhersteller und Technologieoffenheit bei der Erreichung unserer Klimaziele helfen nicht nur den Herstellern, sondern auch den Zulieferern.“ CDU-Verkehrspolitiker Jens Gieseke bezeichnete das Ergebnis als „ausgewogenen Kompromiss zwischen den Interessen der Hersteller und Zulieferer“.

Scharfe Kritik kommt hingegen von den Grünen. Der Europaabgeordnete Michael Bloss warnte: „Eine Abschwächung der Regulierung kostet Planungssicherheit, verzögert, dass gute und günstige E-Autos hier produziert werden und riskiert, dass Europa technologisch auf dem Weltmarkt weiter den Anschluss verliert.“ (Verwendete Quellen: Spiegel, tagesschau.de, Deutsche Presse-Agentur, Europaparlament, Handelsblatt, Merkur.de-Archiv) (stma)