Die Bundesregierung reagiert entschlossen: Sie macht Russland für den Sprengstoffanschlag am Leipziger Flughafen verantwortlich und schöpft damit die politischen und diplomatischen Möglichkeiten aus, die ein Staat gegenüber einem anderen nutzen kann, mit dem er sich nicht im Krieg befindet.
Größerer Druck auf die russische Schattenflotte dürfte Moskaus Ölgeschäft stören. Die Schließung des Russischen Hauses in Berlin und die des Generalkonsulats in Bonn waren ohnehin überfällig angesichts der Angriffe auf deutschem Territorium.
Denn Leipzig steht nicht alleine. Neu ist zwar das Ausmaß – Sprengstoff gegen Frachtflugzeuge. Doch der Vorgang ist nur ein Mosaiksteinchen in einer viel größeren russischen Kampagne gegen die Bundesrepublik und andere westliche Staaten.
Seit Langem verbergen sich hinter der Chiffre „hybride Kriegsführung“ zahllose Attacken Russlands gegen die Bundesrepublik: Spionagedrohnen kreisen über Kasernen, Häfen und anderen sensiblen Gebieten. Militärgerät wird sabotiert, kritische Infrastruktur angegriffen. Dazu kommen Cyberattacken, etwa gegen die Deutsche Flugsicherung. Sogar Morde.
Schon fast turnusgemäß flammte im Vorfeld der Landtagswahlen im September die sogenannte Matrjoschka-Kampagne gegen deutsche Politiker wieder auf. Dabei werden Landtagskandidaten teils absurder Vorwürfe beschuldigt.
Zur Bundestagswahl zirkulierte etwa ein Video, wonach Kanzlerkandidat Friedrich Merz (CDU) während eines Jagdausflugs ein Eisbärbaby getötet habe.
Die deutschen Nachrichtendienste ordneten dieses und andere Fake-Videos schließlich dem militärischen russischen Auslandsgeheimdienst GRU zu.
Dass manche dieser Geschichten schon auf den ersten Blick absurd klingen, macht sie nicht harmlos. Es geht nicht darum, möglichst glaubwürdige Geschichten zu erfinden, sondern darum, zunehmend Zweifel zu säen, an Politikern, an Wahlen und schließlich an der Demokratie selbst. Und offenbar verfangen solche Zweifel – siehe Sachsen-Anhalt.
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Erst Ende August wurde zudem öffentlich, dass Sicherheitsbehörden im Oktober 2025 ein Waffenversteck in einem Waldstück in der Nähe des Müggelsees gefunden hatten. Dahinter sollen russische Geheimdienste und Attentatspläne stehen.
Und nun wurden am Leipziger Flughafen mehrere Drohnen und Sprengstoff gefunden. Über Leipzig werden Waffenlieferungen an die Ukraine abgewickelt.
Berlin, die EU, die westlichen Partner werden sich anders aufstellen müssen, um Russland Einhalt zu gebieten. Ja, es ist wichtig, nicht selbst unnötig zu eskalieren. Dazu dienen die Regeln des Völkerrechts. Doch wenn sich einer dauerhaft nicht daran hält, genügt es nicht, am Ende behaupten zu können, man habe auf der richtigen Seite gestanden. Insofern ist die jetzige, entschiedene Reaktion so sinnvoll wie nötig.
Wichtig ist eine rasche und spürbare Umsetzung. So wie Innenminister Alexander Dobrindt (CSU) an seinen Grenzkontrollen gegen illegale Migration festhält, muss künftig jeder Tanker, der im Verdacht steht, russisches Öl zu transportieren oder Spionage zu ermöglichen, kontrolliert werden.
Geheime Maßnahmen der Nachrichtendienste
Bewusst unklar ließ man, welche konkreten Maßnahmen der deutschen Nachrichtendienste vorgesehen sind. Denn die sollen nach dem Willen der Bundesregierung künftig analog zu Geheimdiensten anderer Staaten selbst intervenieren dürfen. Gut so. Allein die Ankündigung solcher Maßnahmen ist eine Veränderung der deutschen Haltung.
Doch letztlich ist nicht entscheidend, wie das Sanktionspaket in Deutschland bewertet wird. Relevant ist, ob all das Eindruck auf Putin macht.
Die deutsche Reaktion kann dabei nur eine Seite der Medaille sein. Sollte all das einmal mehr am russischen Regime abprallen, ist es an der Bundesregierung, das Land besser gegen russische Angriffe zu schützen.
Man erinnere sich: Anlass all dessen war ein Angriff mit Drohnen.
Doch ein Dreivierteljahr nach Dobrindts Drohnenoffensive ist die Bilanz ernüchternd. Das Drohnenabwehrzentrum: offenbar mehr Papiertiger als ernstzunehmende Sicherheitszentrale. Die Spezialeinheit: noch nicht voll im Dienst und wahrscheinlich zu klein. Gefährdete Flughäfen: unzureichend geschützt.
Beim Thema Drohnen sollte der Bundesinnenminister endlich den Schulterschluss mit den Ländern suchen – und zwar nicht nur symbolisch. Maßnahmen sind das eine. Der Schutz kritischer Infrastruktur muss nun endlich sehr ernsthaft angegangen werden.