US-Unternehmen Covenant plant anscheinend Rüstungsfabrik in oder bei Leipzig

"Tomahawk"-Marschflugkörper der USA sollen wohl ersetzt werden

AUDIO: Mittelstreckenraketen made in Sachsen? (3 Min)

US-StartUp Covenant

Mögliche Pläne für Rüstungsfabrik in oder bei Leipzig

Stand: 01.09.2026 21:11 Uhr

Das US-Rüstungsunternehmen Covenant erwägt anscheinend eine Produktion von Marschflugkörpern in oder in der Nähe von Leipzig. Details sind kaum bekannt: Das Unternehmen erklärte, sich frühestens in zwei Wochen äußern zu wollen. Die Stadt Leipzig und das Land halten sich bedeckt. Doch die Diskussion hat bereits begonnen.

von MDR AKTUELL

  • Rüstungsunternehmen will wohl Marschflugkörper nahe Leipzig bauen.
  • Covenant kritisiert Veröffentlichung – Details frühestens in zwei Wochen.
  • Vermutlich wird ein Standort nahe dem Flughafen Leipzig/Halle gesucht.
  • Thema soll am Mittwoch im Stadtrat von Leipzig debattiert werden

Das Rüstungsunternehmen Covenant will in oder in der Nähe von Leipzig eine Produktionsstätte für Marschflugkörper bauen. Das haben Recherchen von MDR AKTUELL bestätigt. Über die mögliche Ansiedelung hatte Ende der vergangenen Woche zuerst die Nachrichtenagentur Reuters berichtet.

Covenant ist ein US-amerikanisches Rüstungs-Startup mit einem Ableger in Frankfurt am Main. Seit Mai ist das Unternehmen im Lobbyregister des Deutschen Bundestags eingetragen.

Beteiligte Stellen halten sich bedeckt

Mehrere Stellen, die mit dem Vorhaben in Verbindung stehen könnten, äußerten sich bislang nicht näher oder verwiesen auf einen späteren Zeitpunkt. Dazu gehört auch die Stadt Leipzig.

Covenant setzt auf kostengünstige Mittelstreckenwaffe

Das Unternehmen Covenant wurde erst vor zwei Jahren gegründet. Bisher hat es die Mittelstreckenwaffe "Anthem" entwickelt, die deutlich kostengünstiger als vergleichbare Marschflugkörper sein soll. US-Medien zufolge wurde sie Anfang August auf einem Militärgelände in Marokko getestet. Dabei seien auch deutsche Beobachter gewesen.

Nach dem unbestätigten Bericht der Nachrichtenagentur Reuters soll es um eine Jahresproduktion von bis zu 1.000 Stück und Auslieferungen schon ab 2027 gehen und Komponenten überwiegend aus Deutschland und Europa kommen. Auch hieß es in dem Bericht, das Bundesverteidigungsministerium suche derzeit nach günstigen Marschflugkörpern in großer Stückzahl, auch weil die USA ihre ohnehin teureren "Tomahawk"-Marschflugkörper ohnehin nicht mehr liefern wollten.

Covenant unglücklich über Leak der Informationen

Covenant selbst veröffentlichte noch keine Informationen dazu. Auf Anfrage von MDR AKTUELL verwies das Unternehmen an eine Agentur, die Pressearbeit für das Unternehmen in Deutschland übernommen habe. Ein Mitarbeiter der Agentur erklärte MDR AKTUELL, Covenant sei unglücklich, dass Informationen über das Vorhaben schon öffentlich geworden seien. Auch seien nicht alle bisher gemachten Angaben korrekt. Man wolle sich erst in zwei Wochen zu Details äußern.

Standort vermutlich nahe dem Flughafen

Offen ist neben vielen Details, etwa zum Zeitplan der Ansiedlung, auch der von Covenant womöglich ins Auge gefasste Standort. Vermutet wurde jedoch, dass dieser in der Nähe des Flughafens Leipzig/Halle liegen soll.

Auch die Staatskanzlei und das sächsische Wirtschaftsministerium wollten sich auf Anfrage von MDR AKTUELL nicht äußern, ebenso nicht die Wirtschaftsförderung. In einem gemeinsamen Statement hieß es nur: Grundsätzlich sehe man Ansiedlungen von Rüstungsbetrieben positiv, weil sie die Industrie nach vorn bringen könnten und die deutsche Verteidigungsfähigkeit.

Bereits rege Debatten im Stadtrat von Leipzig

Erste Reaktionen auf eine mögliche Ansiedlung der US-Rüstungsfirma gibt es aus dem Leipziger Stadtrat. Die Linke-Fraktion sagte MDR AKTUELL, sie stelle sich "ganz klar" gegen jede Ansiedlung "kriegsdienlicher Unternehmen". Linke-Fraktionschefin Franziska Riekewald sagte MDR AKTUELL: "Als Stadtrat sollten wir schon involviert sein, wenn die Stadtverwaltung offensichtlich Gespräche mit Investoren führt", vor allem dann, wenn die "hoch umstritten" seien. Die Linke hat nach eigenen Angaben eine Anfrage an den Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) gerichtet.

Wann er die Anfrage beantworten muss, soll sich in der Stadtrats-Sitzung am Mittwoch entscheiden. Auch andere Parteien im Stadtrat erklärten, von der Sache aus der Presse davon erfahren haben. Es sind aber nicht alle Fraktionen gegen eine solche Ansiedlung. Bei SPD, Grünen oder der Freien Fraktion sieht man durchaus auch Vorteile für Sicherheit, Wirtschaft und Beschäftigung in der Stadt.

Reuters, MDR AKTUELL (ksc)