Saison 2026 Eifel, Mosel und Hunsrück: Wann kommen endlich die Pilze?
Kradenbach/Bitburg/Wittlich · Seit Wochen ist es in den Wäldern in der Eifel, an der Mosel und im Hunsrück trocken: Die Speisepilze fehlen. Pilzexperte Klaus Rödder sagt, ob die Saison 2026 noch zu retten ist.
29.09.2026 , 06:43 Uhr
Als Pilzsammler fragt man sich dieses Jahr: Wann ist es endlich so weit? Wann lassen sich die Pilze blicken?
Foto: TV/Christian Moeris
Obwohl der Herbst meteorologisch schon am 1. September begonnen hat, haben Pilzsammler davon bislang noch nichts bemerkt. Das Wetter ist nicht herbstlich, nass und kühl, sondern immer noch sommerlich, heiß und trocken. Wer im Wald nach Pilzen schaut, wird enttäuscht. Der trockene Waldboden knirscht unter den Füßen. Von den beliebten Speisepilzen wie Steinpilzen und Maronen-Röhrlingen ist weit und breit kein Exemplar zu sehen.
Eifel, Mosel und Hunsrück: Wann geht die Pilzsaison 2026 endlich los?
Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Oder hat der Hitzesommer 2026 die Pilzsaison komplett zunichtegemacht? Was ist nach dem ungewöhnlich heißen Sommer noch zu erwarten? Darüber sprechen wir mit dem Pilzexperten Klaus Rödder aus der Vulkaneifel.
„Normalerweise wären wir jetzt schon mittendrin in der Pilzsaison“, sagt Rödder. Doch rund um Kradenbach in der Vulkaneifel, wo der 63-Jährige lebt, tut sich derzeit kaum etwas. Das gilt für die gesamte Region Eifel, Mosel und Hunsrück. Bei seinen jüngsten Streifzügen war der Waldboden staubtrocken – bis in die Tiefe, sagt Rödder. Selbst im Moos und in der Laubstreu fehlt Feuchtigkeit. Der wenige Regen, den es in den vergangenen Wochen gegeben habe, sei kaum in tiefere Bodenschichten vorgedrungen. Ein Tropfen auf den heißen Stein demnach.
Einige kleinere Arten lassen sich dennoch entdecken, sagt Rödder. „Dazu zählt der Knoblauchschwindling, der seinem Namen alle Ehre macht und intensiv nach Knoblauch riecht. Auch kleine Helmlinge wachsen vereinzelt.“ Für Sammler, die mit dem Korb auf der Suche nach einer Mahlzeit sind, seien diese Arten jedoch unbedeutend. Von den begehrten Speisepilzen fehlt bislang jede Spur, stellt der Pilzspezialist fest.
Klimawandel und Hitzesommer: Wann sprießen Steinpilze, Maronen-Röhrlinge und andere Speisepilze?
Erste Funde machte Rödder allerdings bereits im Juni, als die Pfifferlingssaison losging. Doch mit nur „einer Handvoll Pfifferlinge“ war die Ausbeute eigentlich nicht der Rede wert. Sommersteinpilze, Fichtensteinpilze und Maronen-Röhrlinge hat der Experte in diesem Jahr noch gar nicht gesehen. Auch Milchlinge, darunter der Fichtenreizker, und Täublinge lassen auf sich warten. Zu den Arten, auf die Rödder noch hofft, gehört auch der Violette Rötelritterling. „Er wächst im Nadelwald und gilt als guter Speisepilz.“ Doch die Bedingungen stimmen nicht.
„Für das Pilzwachstum sind vor allem Feuchtigkeit und Temperatur entscheidend“, erklärt Rödder. Bei den Temperaturen sei die Lage derzeit eigentlich recht günstig. Ein Bereich zwischen etwa 16 und 25 Grad biete gute Wachstumsbedingungen. Was fehlt, ist das Wasser. „Fruchtkörper bestehen zu einem sehr großen Teil aus Wasser – bis zu 90 Prozent. Ist der Boden ausgetrocknet, kann der Pilz keine Fruchtkörper bilden.“
Es brauche jetzt dringend Regen. „Mindestens 60 bis 70 Liter pro Quadratmeter.“ Erst nach ein paar Tagen intensiven Regens reagiere das Myzel mit der Bildung von Fruchtkörpern. Danach dauere es noch eineinhalb bis zwei Wochen, bis Pilze wachsen. Ein einzelner kurzer Schauer dürfte dafür nicht genügen. Drei, vier oder fünf Liter Regen pro Quadratmeter, wie sie zuletzt örtlich fielen, reichten nicht aus, um die Pilzsaison zu starten, meint der Experte.
Eifel, Mosel, Hunsrück: Pilzspezialist Klaus Rödder gibt Auskunft zur Pilzsaison 2026
Was aber, wenn die lange Trockenheit das Pilzmyzel nachhaltig geschädigt hat? Können dann überhaupt noch Pilze wachsen? Rödder kann das nicht beurteilen. Der Experte erklärt aber, dass sich das Geflecht bis tief in den Boden erstrecke, in Bereiche, die auch die Wurzeln der Bäume erreichen. Wie stark es unter dem Wassermangel gelitten habe, werde sich womöglich erst im kommenden Jahr zeigen. Dann könne man an bekannten Fundstellen beobachten, ob dort wieder Fruchtkörper erscheinen. Dass an einer Stelle in manchen Jahren nichts wachse, bedeute aber nicht automatisch, dass dort auch im nächsten Jahr keine Pilze zu finden seien.
Ganz aufgeben will der Experte die Saison 2026 noch nicht. „Ich gebe die Hoffnung nicht auf.“ Entscheidend seien jetzt mehrere Tage mit kräftigem Regen – und im Anschluss frostfreie Bedingungen. Dann könne sich die Pilzsaison bis in den November oder sogar Dezember hineinziehen, sagt Rödder. Auch in früheren Jahren habe es nach langen Trockenphasen eine Art „Notreife“ gegeben: Pilze seien dann auf den letzten Drücker noch erschienen, wenn die Witterung endlich gepasst habe.
Rödder geht es bei seinem Hobby aber nicht nur um Speisepilze und Kulinarik. Er engagiert sich in der Arbeitsgemeinschaft für Pilzkunde Vulkaneifel, einem Zusammenschluss von Pilzliebhabern, die sich regelmäßig treffen. Sie beobachten, welche Arten überhaupt wachsen, und kartieren Pilze.
Die Trockenheit hat auch Folgen für das Bildungsangebot der Arbeitsgemeinschaft: Geführte Pilzwanderungen habe er bereits abgesagt. „Es macht keinen Sinn, Menschen mit einem Korb in den Wald zu schicken, wenn kaum was zu finden ist“, sagt Rödder. Sollte es in den kommenden Wochen ausreichend nass und zugleich mild bleiben, könnte sich aber noch etwas entwickeln. Rödder hofft, „Ende Oktober“ doch noch einige begehrte Speisepilze zu finden.