Schau «Modernismo tropical» Seine Gärten waren ein Statement gegen den Kolonialismus
Er verwandelte Parks in farbenprächtige Kunstwerke. Doch Roberto Burle Marx’ Gärten waren mehr als nur schön – sie standen für ein neues Brasilien. Die Ausstellung im Zentrum Paul Klee zeigt, wie politisch Landschaftsarchitektur sein kann.
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Vogelschreie kommen vom hinteren Teil der Ausstellung. Dort befindet sich eine grossflächige Videoprojektion, die Parks und Gärten zeigt, welche Roberto Burle Marx entworfen hat.
Schnell wird klar: Der Landschaftsarchitekt wusste genau, was er tat. Das bestätigt auch Kuratorin Myriam Dössegger: «Burle Marx hat auch in der Landschaftsarchitektur mit Farbflächen gearbeitet. Er hat etwa eine bestimmte Fläche dicht mit einer violettfarbenen Pflanzenart bepflanzt. Daneben ist dann vielleicht eine Pflanze, die höher wächst, eine andere Textur hat und grün ist.»
Roberto Burle Marx spielte mit Farben, Texturen und Volumen und konnte so spannende Kontraste schaffen. Hier im Bild: die Residência Odette Monteiro, Corrêas, Petropólis, Brasilien, 1945–1948.
Cesar Barreto, 2009
Im Gegensatz zu den Videosequenzen mit ihrer üppigen Pflanzenpracht sind die Skizzen und Pläne von Burle Marx abstrakte Gemälde: Darauf sind farbige Amöben zu sehen, die klar voneinander abgegrenzt sind und doch ineinandergreifen.
Ein künstlerischer Tausendsassa
Als junger Mann kann er sich nicht entscheiden, ob er Musiker oder Maler werden will. Er geht nach Berlin, kommt dort mit der Avantgarde der späten 1920er-Jahre in Berührung und wird Landschaftsarchitekt.
Roberto Burle Marx im Jahr 1974 während einer botanischen Expedition in Ecuador.
Luiz Knud Correia de Araújo
Zurück in Brasilien hat Burle Marx bald Erfolg. Es ist eine Zeit des Aufbruchs: künstlerisch und politisch. «Es gab eine ganze Bewegung in der brasilianischen Avantgarde. Man wollte das Brasilianische neu entdecken und fördern», erklärt Dössegger.
Gegen den Kolonialismus
Burle Marx entwirft Gärten für Regierungsgebäude, macht sich stark für den Einsatz einheimischer Pflanzen. Und setzt damit eine Gegenposition zu kolonialistisch geprägten Vorstellungen von Gärten mit Pflanzen aus Europa.
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Bild 1 von 2. Aus einer Skizze...
Bildquelle: Acervo Instituto Burle Marx.
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Bild 2 von 2. wird Realität: der Dachgarten des Ministeriums für Bildung und Gesundheit in Rio de Janeiro (1942–1944).
Bildquelle: Cesar Barreto, 2009.
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1960 erhält er den Auftrag, an der Wasserfront von Rio de Janeiro eine Parkanlage von mehreren Kilometern Länge anzulegen: den Parque do Flamengo.
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Bild 1 von 3. Freier Blick auf den Zuckerhut (Pão de Açúcar) – und im Vordergrund erstreckt sich der Parque do Flamengo.
Bildquelle: IMAGO / MiS.
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Bild 2 von 3. Im Parque do Flamengo kommen Menschen mit verschiedenen Interessen zusammen: Hier trainieren Brasilianer an einer Outdoor-Fitnessanlage.
Bildquelle: IMAGO / Depositphotos.
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Bild 3 von 3. Und wer sich nach dem Training eine Auszeit gönnen möchte, tut dies am besten direkt nebenan auf dem Strand.
Bildquelle: IMAGO / Dreamstime.
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Bei aller Begeisterung für die Natur ist Roberto Burle Marx ein engagierter Urbanist mit einem Gespür für soziale Ungerechtigkeit. Mit seinen Parkanlagen sorgt er für gesellschaftliche Durchlässigkeit: Es sind Parks für alle.
Weltweite Verehrung
Immer wieder reist Burle Marx durch sein Land, hält Ausschau nach ihm unbekannten Pflanzen und sieht dabei die Zerstörung durch extensive Landwirtschaft, durch das ungebremste Wachstum der Städte. Er setzt sich für Umweltschutz ein, lange bevor das Label «Öko» erfunden ist.
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Bild 1 von 3. Die von Roberto Burle Marx 1970 bis 1971 neu gestaltete Strandpromenade von Copacabana in Rio de Janeiro besticht durch ihr ikonisches Wellenmuster aus schwarzen und weissen Pflastersteinen.
Bildquelle: Haruyoshi Ono, 1970-1971.
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Bild 2 von 3. Die Praça dos Cristais in Brasilien (ebenfalls von Roberto Burle Marx gestaltet) vereint geometrische Gartenformen, die an Kristalle erinnern. Die Anlage wurde 1970 eröffnet.
Bildquelle: Leonardo Finotti, 2009.
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Bild 3 von 3. Das farbenfrohe Fliesenwandbild im Parque del Este in Caracas, Venezuela, entstand im Rahmen der Gestaltung des Parks durch den brasilianischen Landschaftsarchitekten.
Bildquelle: Leonardo Finotti, 2014.
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Innerhalb der Landschaftsarchitektur wird Roberto Burle Marx bis heute weltweit verehrt. Zu Recht, meint Myriam Dössegger: «Viele Landschaftsarchitekten kennen und bewundern ihn: Er hat nicht einfach Pflanzen genommen und nach Belieben kombiniert, sondern er hat mit Botanikerinnen zusammengearbeitet und wollte verstehen, wie diese Pflanzen in ihrem natürlichen Umfeld wachsen.»
Die Schönheit der Natur entdecken
Die Ausstellung im Zentrum Paul Klee schlägt auf attraktive Art eine Brücke zu einem kunstaffinen Publikum, das sich wahlweise mit seiner engagierten Gedankenwelt oder seinem untrüglichen Gespür für die Schönheit der Natur auseinandersetzen kann.
Oder aber mit beidem. Das wäre wohl ganz im Sinne von Roberto Burle Marx.
Die Ausstellung «Roberto Burle Marx. Mondernismo tropical» im Zentrum Paul Klee ist noch bis zum 7.2.2027 zu sehen.
Radio SRF 2 Kultur, Kultur-Aktualität, 19.10.2026, 17:20 Uhr. ; senb, brec