Einzelkritik
Griechenland gegen Deutschland Scherhant wirbelt, Pavlovic macht Kimmich-Sachen
Stand: 04.10.2026 • 22:47 Uhr
Deutschland hatte beim 0:0 in der Nations League gegen Griechenland seinen besten Mann vorne links, vorne rechts hakte es dagegen. Die DFB-Elf in der Einzelkritik.
TOR
Jonas Urbig: Bayerns Nummer zwei soll in der Nationalelf Spielpraxis sammeln - so Jürgen Klopps kuriose Begründung, warum Urbig erneut von Beginn an ran durfte. Dieser dankte es ihm schon nach einer Minute mit einer starken Parade. Musste nach einer Ecke noch einmal zupacken, so richtig viel Praxis war ansonsten für Urbig aber nicht vorhanden.
ABWEHR
Philipp Treu: Einziger Spieler, der bei drei der vier Nations-League-Spiele in der Startelf stand - wer hätte das vor ein paar Wochen gedacht? Hat sich hinten rechts festgespielt und erledigte seine Aufgabe auch in Thessaloniki souverän. Vorne zweimal etwas zögerlich bei einer Flanke und einer Schusschance, defensiv meist geschickt und solide. Nach einer Stunde einen Schritt zu spät und mit Gelb verwarnt. In der Schlussphase hatte er noch eine gute Chance zum Siegtreffer.
Philipp Treu in Aktion
Malick Thiaw: Der Kapitän von Newcastle United strahlte Ruhe und Souveränität aus und war stets Herr der Lage, wenn die Griechen doch mal offensiv auftauchten. Hielt kämpferisch stark dagegen, sah kurz vor Schluss noch Gelb.
Waldemar Anton: Kassierte eine berechtigte Gelbe Karte nach einem unnötigen harten Foul im Mittelfeld. Bildete ansonsten im Verbund mit Thiaw ein wenig gefordertes, robustes und zuverlässiges Abwehrduo. Ließ sich wenig beeindrucken vom nickligen, kampfbetonten Spiel der Gegner, kann das nämlich auch.
David Raum: Durfte hinten links anstelle von Maximilian Mittelstädt ran und zeigte sich mit einem schönen Abschluss nach einer kurzen Freistoßvariante. Mehrfach noch mit klugen Pässen, das Flanken übernahm meist sein Vordermann Scherhant. Verlor Georgios Masouras bei einer Flanke aus dem Halbfeld am zweiten Pfosten aus den Augen.
MITTELFELD
Aleksander Pavlovic: Bundestrainer Klopp hat ihm nach dem Sieg gegen Serbien enorme Führungsqualitäten bescheinigt. Der Bayern-Profi spielte erneut als einziger auf der Sechs, überzeugte als Abräumer und Steuermann und ließ erneut vergessen, dass Kapitän Joshua Kimmich fehlte. Wagte es sogar einmal, in Kimmich-Manier einen Chipball in den Strafraum zu spielen. Der Ball kam aber nicht an.
Aleksandar Pavlovic
Tom Bischof (bis 83. Minute): Hatte gemeinsam mit Florian Wirtz die schwere Aufgabe, in der extrem tief stehenden griechischen Defensive Lücken zu finden oder zu schaffen und tat dies durchaus ideenreich. Eroberte nach einer halben Stunde den Ball im Mittelfeld, spielte Scherhant auf links frei und leitete so das vermeintliche 1:0 ein. Blöderweise hatte er dabei den Ball mit dem Unterarm gespielt. In der zweiten Halbzeit weniger auffällig.
Florian Wirtz: Erstmals von Beginn an Kapitän der Nationalelf und erneut mit feinen Einlagen so wie bei seinem Dribbling vor dem ersten Torschuss (8.). Spielfreudig, nur manchmal mit der falschen Entscheidung beim letzten Pass. Im zweiten Durchgang weiter emsig, aber nicht mehr so auffällig - so wie das gesamte deutsche Team.
Deutschlands Startelf gegen Griechenland
ANGRIFF
Lennart Karl (bis 63.): Ließ anfangs Flankengeber Konstantinos Tsimikas bei Griechenlands Topchance aus den Augen. Offensiv auf der rechten Seite bemüht, aber glücklos. Karl fiel ein wenig ab in der gefälligen deutschen Offensive der ersten Hälfte, was im Alter von 18 Jahren und mit wenig Spielpraxis nach Verletzungspause kein Drama ist. Verzog kurz vor der Pause aus guter Position.
Said El Mala (ab 63.): Musste zunächst auf der ungewohnten rechten Seite ran, weil Scherhant auf links zu stark spielte für eine Auswechslung. Nach zwei misslungenen Aktionen wechselte er dann mit Scherhant die Seiten, aber auch auf links gelang dem 20-Jährigen nicht viel.
Derry Scherhant (bis 83.): Erhielt nach dem starken Debüt gegen Serbien erneut das Vertrauen vorne links und war wieder sehr aktiv, an vielen Angriffen beteiligt. Dribbelte sich immer wieder frei, bereitete das zurückgepfiffene Tor vor und schloss auch mehrfach selbst ab - bester Deutscher in der ersten Hälfte. Auch nach der Pause auffällig und mit einer guten Torchance, dabei traf er aber den Ball nicht optimal.
Jonathan Burkardt (bis 63.): Für den glücklosen Nick Woltemade ins Sturmzentrum gerückt, erzielte er nach einer halben Stunde ein blitzsauberes, aber zurückgepfiffenes Stürmertor. Ansonsten im Abwehrbollwerk selten gefunden, sodass nur noch seine schöne Ballbehauptung im Mittelfeld in Erinnerung bleibt - mit anschließendem Katastrophenpass.
Jonathan Burkardt (M, Deutschland) und Dimitrios Kourbelis (r, Griechenland) kämpfen um den Ball.
Nick Woltemade (ab 63.): Führte sich mit einer schönen Ballablage für Scherhant ein, bereitete so eine große Chance vor. Mehr kam aber nicht.
Mika Baur und Bambasé Conté (ab 83.): Erhielten in der Schlussphase das Vertrauen, fanden aber auch keinen Hebel mehr.