Viele Menschen kennen das Gefühl: Man schläft scheinbar lange genug, wacht aber morgens trotzdem erschöpft auf. Der Grund kann eine Schlafstörung sein, Schlafapnoe. Eine neue Untersuchung zeigt nun, dass diese nächtliche Atemaussetzer nicht nur die Erholung beeinträchtigen könnten – sie stehen auch mit einer schlechteren Gedächtnisleistung im mittleren Lebensalter in Verbindung.
Bei einer obstruktiven Schlafapnoe (OSA) erschlaffen die Muskeln im Rachen während des Schlafs immer wieder. Dadurch verengen sich die Atemwege oder verschließen sich kurzfristig vollständig. Die Folge: Die Atmung setzt für einige Sekunden aus oder wird deutlich flacher. Der Körper bekommt dadurch wiederholt weniger Sauerstoff, gleichzeitig wird der Schlaf immer wieder unterbrochen.
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Schätzungen zufolge betrifft eine obstruktive Schlafapnoe etwa fünf von hundert Männern und drei von hundert Frauen. Insgesamt gehen Fachleute davon aus, dass rund zehn Prozent der Erwachsenen betroffen sein könnten. Männer erkranken häufiger als Frauen, und das Risiko steigt besonders ab dem mittleren Lebensalter.
Studie untersucht fast 2800 Menschen
Forscherinnen und Forscher wollten wissen, ob Schlafapnoe bereits vor dem höheren Alter mit Veränderungen der geistigen Leistungsfähigkeit zusammenhängt. Dafür untersuchten sie die Daten von 2795 Erwachsenen zwischen 40 und 70 Jahren. Bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern waren zu Beginn keine Demenz oder bekannten Gedächtnisstörungen festgestellt worden.
Die Studienteilnehmer machten Angaben zu ihrer Gesundheit und absolvierten anschließend am Computer verschiedene Gedächtnistests. Das Ergebnis: Menschen mit Schlafapnoe schnitten bei den Gedächtnisaufgaben schlechter ab als Personen ohne diese Schlafstörung.
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Allerdings bedeutet dieser Zusammenhang nicht automatisch, dass die Atemaussetzer allein die Ursache für die schlechteren Ergebnisse sind. Denn Menschen mit Schlafapnoe haben häufiger weitere gesundheitliche Probleme, die ebenfalls das Risiko für spätere Gedächtnisstörungen erhöhen können. Dazu gehören beispielsweise Bluthochdruck, Übergewicht, erhöhte Cholesterinwerte und Bewegungsmangel.
Andere Risikofaktoren spielen ebenfalls eine Rolle
Um herauszufinden, welchen Anteil die Schlafapnoe selbst haben könnte, berücksichtigten die Forscher diese Faktoren in ihrer Auswertung. Dabei zeigte sich: Der Zusammenhang zwischen Schlafapnoe und schlechterem Gedächtnis wurde schwächer, wenn die zusätzlichen Risiken berücksichtigt wurden.
Das deutet darauf hin, dass Begleiterkrankungen einen wichtigen Teil der Erklärung liefern. Gleichzeitig lässt sich aber nicht ausschließen, dass die Schlafapnoe selbst das Gehirn belastet.
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Auch das Risiko für eine spätere Demenz war bei Menschen mit Schlafapnoe erhöht. Dabei spielte es keine entscheidende Rolle, ob die Teilnehmer eine bestimmte genetische Variante trugen, die mit einem höheren Alzheimer-Risiko verbunden ist. Die Forschenden betonen jedoch, dass die Untersuchung keine Ursache-Wirkung-Beziehung beweisen kann. Dafür wären langfristige Studien notwendig, die Menschen über viele Jahre begleiten.
Warum könnte Schlafapnoe dem Gehirn schaden?
Eine mögliche Erklärung sind die wiederkehrenden Sauerstoffmangel-Phasen während der Nacht. Jede Atemunterbrechung löst im Körper eine Alarmreaktion aus: Das Gehirn sorgt dafür, dass der Mensch kurz aufwacht, damit die Atmung wieder einsetzt. Diese kurzen Wachphasen bemerken Betroffene häufig nicht bewusst.
Durch die ständigen Unterbrechungen erreicht der Schlaf weniger erholsame Tiefschlafphasen. Gleichzeitig können Sauerstoffmangel und Stressreaktionen den Körper belasten.
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Fachleute vermuten außerdem, dass gestörter Schlaf die natürliche Reinigung des Gehirns beeinträchtigen könnte. Während des Schlafs werden Stoffwechselprodukte aus dem Gehirn entfernt. Ob eine Schlafapnoe diesen Prozess tatsächlich so verändert, dass sich dadurch schädliche Eiweißablagerungen verstärken, ist bisher allerdings nicht eindeutig geklärt.
Behandlung könnte Auswirkungen abmildern
Interessant war ein weiterer Befund der Studie: Vor allem Menschen mit einer unbehandelten Schlafapnoe erzielten schlechtere Ergebnisse bei den Gedächtnistests. Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die bereits behandelt wurden, beispielsweise mit einer nächtlichen Atemmaske, unterschieden sich dagegen kaum von Menschen ohne Schlafapnoe.
Ob eine Behandlung das Gedächtnis langfristig schützt oder sogar das Demenzrisiko senken kann, lässt sich daraus aber noch nicht ableiten. Dafür fehlen Untersuchungen über längere Zeiträume.
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Dennoch gibt die Studie einen weiteren Hinweis darauf, Schlafapnoe ernst zu nehmen – nicht nur wegen der Müdigkeit am Tag, sondern auch wegen möglicher langfristiger Folgen für die Gesundheit.
Welche Anzeichen sprechen für Schlafapnoe?
Viele Betroffene merken selbst zunächst wenig von ihren Atemaussetzern. Häufig fallen die Beschwerden eher Partnerinnen oder Partnern auf. Typische Hinweise sind:
- lautes und regelmäßiges Schnarchen
- beobachtete Atempausen während des Schlafs
- starke Müdigkeit trotz ausreichender Schlafdauer
- Konzentrationsprobleme
- morgendliche Kopfschmerzen
- trockener Mund nach dem Aufwachen
- häufiges nächtliches Schwitzen oder Wasserlassen
- plötzliches Erwachen mit Herzrasen oder Luftnot
Schnarchen allein bedeutet noch keine Schlafapnoe. Entscheidend sind zusätzliche Atemaussetzer und Beschwerden am Tag.
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Diagnose im Schlaflabor möglich
Bei einem Verdacht sprechen Ärztinnen und Ärzte zunächst über Beschwerden und Lebensgewohnheiten. Häufig kann ein tragbares Messgerät für eine Nacht zu Hause eingesetzt werden. Es zeichnet unter anderem Atmung, Herzfrequenz, Sauerstoffgehalt des Blutes und Schnarchgeräusche auf.

Bei auffälligen Ergebnissen kann eine Untersuchung im Schlaflabor folgen. Dort werden während des Schlafs zusätzlich Hirnströme, Augenbewegungen und weitere Körperfunktionen gemessen. So lässt sich feststellen, wie häufig Atemaussetzer auftreten und wie stark sie den Schlaf und den Körper belasten.
Atemmaske kann die Atemwege offen halten
Die Behandlung richtet sich nach Ursache und Schweregrad der Erkrankung. Bei starkem Übergewicht kann eine Gewichtsabnahme die Beschwerden verbessern. Auch spezielle Schienen, Lagerungshilfen oder Operationen können in bestimmten Fällen helfen.
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Als besonders wirksam gilt bei schwerer Schlafapnoe die sogenannte CPAP-Therapie. Dabei trägt die betroffene Person nachts eine Maske, die mit einem Gerät verbunden ist. Ein leichter Luftdruck hält die Atemwege offen und verhindert, dass sie während des Schlafs zusammenfallen.
Viele Menschen berichten dadurch von besserem Schlaf und weniger Tagesmüdigkeit. Die Eingewöhnung an die Maske kann allerdings Zeit brauchen. Häufige Nebenwirkungen sind ein trockener Hals oder eine gereizte Nase.