Stand: 16.09.2026, 13:14 Uhr
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Schleife links, rechts oder Mitte? Der Dirndl-Code galt lange als eiserne Regel – Experten erklären zwei Überraschungen dahinter.
Was in Bayern für die meisten Frauen Gang und Gäbe ist, gilt nicht für alle Wiesn-Besucherinnen. „Wohin muss die Schleife?“, lautet nicht selten die erste Frage, wenn die Dirndlschürze gebunden wird. Und jedes Jahr auf Neue stellen sich vor allem auswärtige Oktoberfest-Besucher wieder die Frage: „Wie war das noch mit der Schleife? Ist sie vergeben, verheiratet, ledig?“ Denn wo die Schleife sitzt, könnte ein Flirt-Code sein – immer vorausgesetzt, die Dame im Dirndl weiß davon.
Der Dirndl-Code
Links: Die Trägerin ist offen für Kontakte (ledig oder Single).
Rechts: Die Trägerin ist vergeben, verlobt oder verheiratet.
Vorne (mittig): Stand früher traditionell für Jungfräulichkeit. Wird auch von einigen Damen so gebunden, die ihren Status nicht zeigen wollen.
Hinten gebunden: Die Trägerin ist Witwe, oft auch Bedienung.
Was wohl noch weniger wissen: Die vermeintliche Tradition kommt nicht gerade aus der Steinzeit. Tobias Appl, Bezirksheimatpfleger in der Oberpfalz, sagt: „Das mit der Schleife ist offenbar eine relativ neue Geschichte. Erst in den 1980er Jahren ist dies offenbar entstanden, einen konkreten Grund gab und gibt es nicht“, sagt er. Und er kennt das Muster dahinter: „Doch wie so oft bei diesem Thema geht es dann sehr schnell so, dass etwas zur Tradition wird, die ‚seit unvordenklichen Zeiten‘ besteht.“
Kaum traditionell: Dirndl-Code ist wohl ein jüngerer Brauch
Auch Axel Munz, Geschäftsführer des Trachtenherstellers Angermaier, bestätigt, dass ein historischer Beleg fehlt. „Die Schleife diente ursprünglich nur dazu, die Schürze zu binden. Sie saß früher meist vorne oder hinten in der Mitte“, sagt er. Sein Fazit: „Der Flirt-Code ist also eher ein jüngerer Brauch, der sich im 20. Jahrhundert etabliert hat und durch Tourismus und Volksfeste populär wurde. Er kann regional und innerhalb verschiedener Trachtenvereine unterschiedlich sein.“

Kritik am „Hype um den Schleiferl-Code“
Alexander Wandinger will erkannt haben, dass der Rummel um den Dirndl-Schleifen-Code nachgelassen hat – und sieht das positiv. „Es war und ist meiner Meinung nach eigenartig rückwärtsgewandt, wenn sich Frauen in unserer Zeit selbst öffentlich in Kategorien von verheiratet, jungfräulich und was auch immer einteilen“, sagt der Experte der Trachtenfachberatung bei der Bezirksheimatpflege Oberbayern. Dass der „Hype um den Schleiferl-Code Gott-sei-Dank wieder etwas gelegt“ habe, sei für ihn eine erfreuliche Entwicklung.
Ein gleichsam verbreitetes Äquivalent bei den Männern gibt es laut Munz übrigens nicht. „Es gibt moderne Deutungen, die aber keine so eindeutigen Aussagen zum Beziehungsstatus haben, regional sehr unterschiedlich und wenig bekannt sind“, sagt er. So sollen Edelweiss- oder Brezen-Anstecker am Revers etwas über den Beziehungsstatus aussagen: Das Edelweiss steht dabei für Treue, Liebe, Verbundenheit. Der Träger ist also vergeben. Der Brezn-Anstecker steht laut Munz für Offenheit und Lebensfreude. Der Beziehungsstatus des Trägers: Single. (mke mit dpa)