Schluss mit der Abhängigkeit: Europa baut eigenes Zahlungsnetz als Alternative zu US-Anbietern
Stand: 04.10.2026, 07:19 Uhr
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Fünf europäische Zahlungsnetzwerke gründen das European Network for Payments – als gemeinsame Alternative zu Visa, Mastercard und PayPal.
Madrid – Fünf europäische Zahlungsnetzwerke haben ein neues Unternehmen gegründet, um eine Alternative zu den amerikanischen Netzwerken zu schaffen, die derzeit den Markt beherrschen. Das Unternehmen heißt European Network for Payments (Enp) und gehört zu gleichen Teilen der spanischen Bizum, der französisch-deutschen Epi/Wero, der portugiesischen Sibs, der skandinavischen Vipps und der italienischen Bancomat.
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Dieser Artikel von Francesco Bertolino entstand in Kooperation mit Corriere della Sera.
Die ENP hat ihren Sitz in Madrid und soll als Koordinierungsstelle zwischen den Anteilseignern dienen, damit die Zahlungsmethoden der einen Seite auch von den anderen akzeptiert werden. So soll man künftig etwa mit Bancomat an einem Kartenterminal in Barcelona bezahlen können, das Bizum akzeptiert. Zunächst werden nur Zahlungen zwischen Privatpersonen (Peer-to-Peer) möglich sein. Bis Ende 2027 soll die Interoperabilität jedoch auch für Einkäufe im Laden und online gelten.
Zu den geprüften Projekten gehört auch eine App für virtuelle Karten als Alternative zu den Angeboten der Big-Tech-Konzerne Apple Pay, Google Pay und Samsung Pay. „Wir wollen im Zahlungsverkehr das Äquivalent dessen schaffen, was das Roaming für den Mobilfunk war“, erklärte Fabrizio Burlando, CEO von Bancomat. „So wie Kundinnen und Kunden heute in Europa mit ihrer italienischen SIM-Karte ihre Daten nutzen können, ohne etwas tun oder das Gerät wechseln zu müssen, so sollen sie morgen mit der Karte, der App und den übrigen Zahlungsinstrumenten von Bancomat dasselbe tun können.“
Ein europäischer Adapter für bestehende Zahlungssysteme
Die Idee ist also, eine Art Zahlungsadapter zu entwickeln, der keine neuartige, gemeinsame europäische Zahlungslösung erfordert, sondern es den bestehenden Systemen ermöglicht, miteinander zu kommunizieren. Die an dem Projekt beteiligten Netzwerke – heißt es in einer Mitteilung – „werden ihren Nutzerinnen und Nutzern schrittweise grenzüberschreitende Zahlungen zwischen europäischen Ländern anbieten können, sowohl zwischen Personen (Peer-to-Peer) als auch in stationären und Online-Geschäften, und dabei gleichzeitig ihre jeweiligen Marken, Funktionen und Nutzererlebnisse beibehalten“.
Die derzeitigen Gesellschafter von ENP erreichen heute rund 130 Millionen Nutzerinnen und Nutzer in 13 europäischen Ländern und decken damit mehr als 70 % der Bevölkerung der Europäischen Union und Norwegens ab. Das Unternehmen soll jedoch für den Beitritt weiterer nationaler Systeme offenstehen und kann sich zudem auf andere Märkte ausdehnen, in denen es derzeit kein nationales Zahlungsnetz als Alternative zu den großen US-Anbietern gibt. Damit soll die europäische Präsenz im Zahlungsverkehr deutlich gestärkt und die Abhängigkeit von außereuropäischen Akteuren schrittweise verringert werden.
Mehr europäische Souveränität im Zahlungsverkehr
Das Ziel ist nämlich, eine europäische Alternative zu Mastercard, Visa, American Express und PayPal bereitzustellen, die es den EU-Staaten ermöglicht, im Zahlungssektor Souveränität und Unabhängigkeit zurückzugewinnen. Sollten die US-Konzerne eines Tages, rein hypothetisch, ihre Netzwerke wegen technischer Störungen oder aus politischem Willen abschalten, wäre zum Beispiel ein Land wie Deutschland weitgehend vom Zahlungsverkehr abgeschnitten. „Ich glaube, man muss die Perspektive umkehren“, sagte Burlando. „Nicht unser Projekt sollte eine Alternative zu den internationalen Netzwerken sein, sondern diese sollten zu einer Alternative zu den nationalen Zahlungsnetzen werden“, etwa zu Bancomat.
Die Gründung der Gesellschaft Enp ist ein wichtiger Schritt, doch die meisten Anwendungen des Projekts müssen sich erst noch konkretisieren und die Zustimmung von Verbraucherinnen und Verbrauchern sowie Händlern gewinnen. Die beteiligten Netzwerke werden die Investitionen tragen, die nötig sind, um die Lösung zu entwickeln und zu verbreiten. Insbesondere sollen sie intern die Verteilung der Gebühren so regeln, dass diese nicht auf die Nutzer durchschlagen. Dadurch entstünde ein Anreiz, die nationalen Systeme auch im Ausland zu nutzen. Diese zeichnen sich, wie die Beteiligten betonen, in ihren jeweiligen Ländern bereits durch Vorteile für Kundschaft und Händler aus.
Niedrigere Gebühren und strategische Priorität
Die Gebühr für Händler wird von den Banken festgelegt, die das Kartenterminal bereitstellen. Sie soll aber in jedem Fall niedriger ausfallen als die Gebühr der internationalen Netzwerke. „Für Bancomat bringt diese Initiative eine klare strategische Priorität zum Ausdruck“, schloss Burlando. „Sie soll zur Entwicklung eines skalierbaren europäischen Modells beitragen, das Innovation, Interoperabilität und Resilienz vereint und die zentrale Rolle der Banken und der europäischen Infrastrukturen in der Zukunft des digitalen Zahlungsverkehrs stärkt.“