Stand: 28.09.2026, 19:55 Uhr
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Beim Familiensportfest des Sportkreises Frankfurt konnten Kinder von Fechten bis Taekwondo alles ausprobieren. Eine Trainerin warnt: Viele Fünfjährige können keinen Purzelbaum mehr.
Nied – Emily und Bennet machen beim Familiensportfest des Sportkreises Frankfurt in der Niddahalle ihre ersten Schritte auf der Fechtbahn. Leicht in den Knien, Schritt vor, Schritt zurück. So, wie Jann-Rouven Schmidt von der Fecht-Abteilung der Eintracht Frankfurt die Grundschritte vormacht. Und bei einem Angriff ist das hintere Bein ausgestreckt. Dann treten die beiden acht Jahre alten Kinder gegeneinander an. Die Grundschritte sind vergessen, die Reflexe übernehmen. Den Degen-Arm steif und gerade ausgestreckt laufen sie aufeinander zu. Der Rücken zum Buckel, so ist der Bauch ganz weit eingezogen und wird nicht so schnell getroffen. Die Eltern der beiden stehen mit verzücktem Lächeln am Rand.
So liefern sich die beiden am Sonntagnachmittag ihr erstes Duell. Und es ist knapp. Bennet trifft Emily auf dem Oberschenkel. Dann pariert Emily in einem aufgeregten Gefuchtel und holt einen Punkt. An dem freudigen Gesichtsausdruck, den man durch Bennets Maske sieht, ändert das nichts. Beim nächsten Angriff laufen beide fast synchron ineinander, die Degenspitzen treffen zeitgleich die Oberkörper. Dann noch ein Beintreffer von Bennet. Am Ende gewinnt er mit einem Punkt Vorsprung und will direkt weiterfechten. Emily will aber nicht. Trotzdem sagt sie: „Das hat Spaß gemacht.“ Angst, dass die Treffer wehtun könnten, hatte sie nicht, und sie haben auch nicht wehgetan.
Zwei Türen weiter, im Untergeschoss der Niddahalle, können die Besucher beim Taekwondo hineinschnuppern. Insgesamt sind es 20 Stationen beim ganzen Fest, bei denen man Sportarten kennenlernen kann. Von Blindenfußball bis Discgolf, von Ju-Jutsu bis Springseilhüpfen und Hürdenlauf.
„Kinder sind unsere Zukunft. Deshalb ist das Familiensportfest ein ganz wichtiger Baustein in der Europäischen Woche des Sports“, sagt Roland Frischkorn, der Vorsitzende des Sportkreises Frankfurt. In den vergangenen Jahren tourte die Veranstaltung schon durch Frankfurt, machte Station im Brentanobad, in Fechenheim und zuletzt in Bonames. Im nächsten Jahr soll es nach Sindlingen gehen.
Das Taekwondo bietet der Niederräder Verein SG Wydad Frankfurt an. Trainerin Raouda El Bojaddayin hält drei kleinen Kindern eine Pratze hin. Mit einem Tritt nach oben sollen sie das Schlagkissen treffen. Anfangs stehen die Eltern teilnahmslos dabei. Da kommen weitere Vereinsmitglieder mit mehr Pratzen. Bald treten alle in die Polster. El Bojaddayin ist seit der fünften Klasse bei dem Niederräder Verein. „Der Sport hat mich selbstbewusster und disziplinierter gemacht“, sagt sie. In den vergangenen Jahren war die heute 18-jährige Sportlerin bei der German Championship oft unter den besten Drei. Bei der Europameisterschaft belegte sie in diesem Jahr den 5. Platz. Nun wolle sie vor allem die nächste Generation trainieren.
Überhaupt seien Werte und vor allem Disziplin etwas, das Taekwondo vermittle, erklärt Marina Fakkar, Trainerin und Mitglied des Vereinsvorstands. Das Verletzungsrisiko sei bei dem Sport groß, wenn man ihn nicht diszipliniert betreiben würde. „Deshalb werden bei dem Sport auch ganz viele Werte vermittelt.“
Petra Schmidt von der Turnerschaft Griesheim 1856 hat sich mit ihrem Verein für das Familiensportfest ein Spiel ausgedacht, bei dem die meisten Erwachsenen und die Kinder immerzu lachen müssen. Das Spiel ist wie Federball, nur mit zwei Fliegenklatschen und einem Luftballon. „Es ist simpel und macht unheimlich Spaß“, erklärt Schmidt. „Aber es trainiert Koordination und Konzentration.“ Viel zu oft sehe sie Kinder, die mit fünf Jahren noch keinen Purzelbaum machen können. Sie appelliert. „Kinder müssen bewegt werden.“ Eine Mutter spielt das Spiel mit ihrem kleinen Kind. Mit Schnuller im Mund und Kuschelhasen unter dem Arm fuchtelt das Kind nach dem Ballon. Mal schlägt sich der Junge die Klatsche ins Gesicht, einmal fliegt dabei der Schnuller durch die Halle. Aber er rennt dem Ballon hinterher und lacht.